Pontifex: "Moorhuhn für Intellektuelle" - DER SPIEGEL
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Pontifex "Moorhuhn für Intellektuelle"

Vor Monaten machte "Bridge-Builder" Büro-Surfer süchtig, avancierte zum Schlager für die Büropause (oder zwischendurch). Jetzt gibt es einen Nachfolger - und diesmal wollen die Entwickler Geld sehen.
Von Marc Störing
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man nehme eine simple, aber faszinierende Idee, eine einfache, aber leistungsfähige Benutzeroberfläche und eine erschlagend komplexe Physik, die professionellen Konstruktionsprogrammen nahe kommt - fertig ist ein Programm mit größtmöglichem Suchtfaktor. "Pontifex" hätte das Zeug, zum neuesten Kultspiel "für zwischendurch" zu avancieren.

Der Spieler muss Brücken bauen. Zahlreiche Gewässer wollen auf verschiedenste Weise überbrückt werden, und unterschiedlich starke Stahlträger und Tragseile darf der Hobbyingenieur dabei verbauen. Nach Fertigstellung eines Konstrukts beginnt das große Zittern, denn bevor die Aufgabe als erfüllt gilt, muss die Brücke mehrere Überfahrten eines Zuges verkraften. Und dann erfordert natürlich der nächste Level eine noch kühnere Konstruktion.

Kein geistloses Gedaddel: Hier ist Hirn gefragt

Obwohl als kleiner Pausenspaß zu gebrauchen, ist "Pontifex" keinesfalls anspruchslos: In "Kraftvektoren" ist zu planen, und natürlich kosten die einzelnen Bauteile wertvolles und grundsätzlich knappes Geld. Nachdenken ist hier angesagt, im Gegensatz zu vielen anderen "Zwischendurch-Spielen" - "Pontifex" könnte quasi das "Moorhuhn für Intellektuelle" sein.

Doch der Satz bleibt im Konjunktiv, und das hat einen Grund, der in der Brieftasche zu suchen ist: Da muss erst einmal hineingreifen, wer Pontifex spielen will. Im Gegensatz zum Vorgänger "Bridge Builder" ist Pontifex nicht kostenlos zu haben.

Bereits diese Vorläufer-Version erfreute sich unvorhergesehener Beliebtheit. Der Nachfolger jedoch deklassiert ihn nun tatsächlich zum "Vorfahren", ist grundlegend überarbeitet und verbessert. Höhepunkt ist die dreidimensionale Grafik: Die eigenen Bauten können aus jedem gewünschten Winkel heraus betrachtet werden, und sogar Kamerafahrten mit dem Zug über die jeweilige Brücke sind möglich.

Doch diesmal bittet der kalifornische Hersteller Chronologic zur Kasse: Vor dem Herunterladen des Programms steht die Bezahlung von 20 US-Dollar an. Der Download ist dabei mit knapp einem Megabyte noch angenehm klein.

Verkleinert hat Chronologic allerdings auch die Chancen, dass Pontifex tatsächlich zum Kultspiel avanciert. Zum einen finden Spiele, die kostenlos verteilt werden, natürlich eine größere Verbreitung. Und zweitens ist der Vertriebsweg des Internet nicht ideal: Zu viele potenzielle Kunden schrecken nach wie vor davor zurück, Geld online zu überweisen oder Kreditkarten-Daten zu übermitteln. Drittens zeigt das Beispiel des Moorhuhns und seiner Klone, dass ein Spiel, das als Download ein Erfolg war, als CD trotzdem schnell auf dem Wühltisch landen kann.

Weil das Geschäftsmodell von Chronologic zumindest die Kosten des Vertriebes auf den Kunden abwälzt, der ja auch für die Übermittelung der Daten zahlt, mögen die Entwickler trotz alledem ihren Schnitt machen.

Denn wer schon den Bridge Builder mochte, wird Pontifex lieben. Da auch das virtuellste Unternehmen nicht ohne Werbung auskommt, bietet Chronologic den Brückenfans immerhin eine kostenlose Demoversion  - und "fixt" sie damit an. Denn hier droht akute Suchtgefahr.

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