Power-Schach Kramnik spielt Va banque
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Zu keinem Zeitpunkt machte Kramnik bisher klarer, an welchem Punkt sich menschliches Denken und maschinelle Kalkulation scheiden: 16 Züge nach seiner Eröffnung begann Kramnik ein Spiel, das Deep Fritz massiv unter Druck setzte udn die Kommentatoren verwunderte.
Die gerieten regelrecht aus dem Häuschen: Kramnik begann, den schwarzen König direkt und ohne Unterlass zu bedrängen. Durch ein äußerst gewagtes Figurenopfer lockte Kramnik den schwarzen König vor, der einen weißen Springer selbst schlagen musste. Die schwarze Dame stand derweil bewegungslos und -unfähig auf der Grundlinie. Nun kam es zu einer schnellen Abfolge von Zügen gegen den schwarzen König: Deep Fritz sah sich dennoch in seinen Analysen kontinuierlich vorn.
Die Kommentatoren begannen, daran zu zweifeln, ob es dem Computer gelingen könnte, sich aus Kramniks Attackenflut zu befreien. Doch vier Züge später drehte sich das Bild wieder: Fritz war es gelungen, die Attacke zu brechen.
Der Status Quo: Gegen 16.45 Uhr liegt Schwarz nach Figuren vorn, Kramnik sortiert seinen Angriff neu. Auch diese Wendung zeigt letztlich einen Unterschied zwischen Mensch und Maschine auf: Der zwischen dem 17. und dem 24. Zug vorgetragene Angriff, da sind sich die Experten einig, "hätte einen Menschen vor Schreck erstarren lassen" (Frederic Friedel von Chessbase).
Nicht so Fritz. Der steht nun relativ sicher, kann selbst aber auch kaum angreifen. Schon wagt Julian Hodgson die Prognose, das alles laufe auf ein Remis hinaus. Doch Alexander Kure vom Fritz-Team kann das noch nicht sehen: "Wir haben eine sehr hübsche Variante entdeckt - für Kramnik! Vielleicht hat der Weltmeister noch tiefer gerechnet als Fritz?"
Das müsste er, denn langsam geht ihm die Zeit aus. Kramnik verfügt gegen 16.50 Uhr noch über rund 15 Minuten Bedenkzeit für 14 Züge: Es wird knapp. Das erkennt gegen 16.59 Uhr auch Kramnik. Frederic Friedel: "Er muss sich entscheiden: Weiter auf Matt zu spielen, oder irgendwie eine Remis-Variante zu versuchen".
Die Kommentatoren:
Anna Dergatscheva, russische Schachmeisterin
Julian Hodgson, Schach-Großmeister, Großbritannien
Daniel King, Schach-Großmeister, Großbritannien
Nigel Short, Großmeister und ehemaliger Kasparov-Herausforderer
Frederic Friedel, ChessBase (Deep-Fritz-Entwickler)
und andere...
Die Match-Termine:
Freitag, 4. Oktober
Sonntag, 6. Oktober
Dienstag, 8. Okober
Donnerstag, 10. Oktober
Sonntag, 13. Oktober
Dienstag, 15. Oktober
Donnerstag, 17. Oktober
Samstag, 19. Oktober
Die Partien beginnen jeweils um 14 Uhr MESZ
Ort der Veranstaltung: Manama, Bahrain