Netz-Kontrolle Saudi-Arabien droht WhatsApp
Kurznachrichtendienst WhatsApp: auf der Abschussliste der saudischen Behörden.
Der englischsprachigen Nachrichtenseite Arab News erklärte Abdullah al-Darrab, der Chef der saudi-arabischen Kommission für Kommunikation und Informationstechnik (CITC), dass WhatsApp zukünftig den Nachrichtenverkehr über inländische Server schicken müsse, um im Königreich benutzbar zu bleiben .
Damit sollen die Zensoren und Regulatoren in Saudi-Arabien auf die Nachrichten zugreifen können. Die Behörden im Königreich befürchten offiziell, dass Extremisten solche Dienste zur verschlüsselten Kommunikation nutzen. Immer wieder sperren die Zensoren aber auch Angebote, weil sie moralisch anstößig, schädlich für die nationale Wirtschaft oder Sicherheit seien, oder gegen religiöses Recht verstießen.
Neben WhatsApp steht derzeit auch der Telefoniedienst Skype auf der Liste der saudi-arabischen Behörden. Vergangene Woche erwischte es bereits den Skype-Konkurrenten Viber. Der Chef des Unternehmens kündigte aber an, mit technischen Mitteln die Blockade umgehen zu wollen . Auch der Blackberry-Hersteller RIM hat sich nach langem Hin und Her dem Druck der Behörden gebeugt.
Internetanbieter, Blogger und unabhängige Medien ringen noch um ein zensur- und überwachungsfreies Dasein im saudischen Königreich. Dass Dienste nicht sofort gesperrt werden, sondern meist lange Diskussionen vorangehen , zeigt den Zwiespalt, in dem das Land steckt: Einerseits strebt Saudi-Arabien eine Öffnung hin zu liberaleren Gesellschaften an, vor allem wirtschaftlich. Gleichzeitig will es jedoch eine traditionelle Gesellschaft aufrechterhalten.
Die Kontrolle der Übermittlung ist zudem ein praktisches Problem: Internet-Dienste wie Skype sind gerade bei ausländischen Geschäftsleuten beliebt. Gerade deren Unternehmen aber wollen nicht, dass berufliche Nachrichten von saudi-arabischen Zensoren mitgelesen werden. Wie die Zensoren dem entgegenkommen wollen, ohne vermeintlich gesellschaftliche Werte aufs Spiel zu setzen, ist aber fraglich.