Seltsame Gadget-Angebote: Bitte ohne Gesäusel oder Geschenke - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Abrechnung zum Jahreswechsel Bitte ohne Gesäusel oder Geschenke

Das Jahr geht zu Ende, die SPIEGEL-Netzwelt will noch einmal Frust abbauen: In Teil zwei unserer Serie von Rants geht es um Firmen, die Gratisgeräte anbieten. Danke, aber wir schenken uns lieber nichts.
Ein Anliegen von Matthias Kremp
Hier passt nur eine Bildunterschrift: Autsch!
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Foto: Martin Poole / The Image Bank / Getty Images

»Ihr tadelloser Schreibstil und Ihr Artikelportfolio haben uns schon immer gefallen.«

Das hört man gern, auch per E-Mail, und vor allem, wenn ein solches Lob vollkommen ohne Hintergedanken …aber Moment mal, da kommt ja noch was: »Ihre erstaunlichen Inhalte auf SPIEGEL haben immer großartige Punkte gemacht« – ach wie schön, endlich sagt es mal jemand – »und wir würden uns freuen, in einem Ihrer zukünftigen Artikel zitiert zu werden.«

Eine E-Mail mit einem solchen Einstieg zu beginnen, ist grundsätzlich nicht verwerflich. Zu Beginn eines Gesprächs ein Lob auszusprechen, um dann das eigentliche Anliegen zu offenbaren, ist eine durchaus übliche Methode der Gesprächsführung. Achten Sie darauf, wenn Sie das nächste Mal von Ihrem Chef gelobt werden.

Eine andere populäre Einleitung solcher Mails: »Ich kontaktiere Sie, weil wir gern Ihre Meinung über unser Produkt hören würden.«

Na klar, meine Meinung, vollkommen unverbindlich natürlich und nur, weil der Hersteller mit meinem so sehr geschätzten Feedback seine Produkte verbessern will. Doch dann werde ich plötzlich in bester Online-Abzocker-Manier zur Eile gedrängt: »Da die Anzahl an Geräten begrenzt ist, können wir denjenigen, die sich zu spät , keine Geräte mehr geben, daher bitten wir Sie, dies so schnell wie möglich zu tun.«

Im Mittelbau solcher Mails findet man stets eine kurze Auflistung von wichtigen Eckpunkten, die das Produkt beschreiben sollen. Im Schreiben der Person, der mein »tadelloser Schreibstil« so gefallen hatte, war von »meistverkauft« die Rede, von »ästhetisch ansprechend« und davon, ob ich interessiert wäre, das Produkt »zu testen und möglicherweise über uns zu berichten«. Man würde sich jedenfalls freuen, mir »ein Gerät zu schicken«.

So reizvoll das formuliert war: Für mich kam ein Test dieses Produkts nicht infrage. In mein Stammressort, der Netzwelt, hätte es thematisch nicht gepasst, und um so etwas im Ressort Tests zu beschreiben, wäre meine Vorgabe gewesen, noch drei bis vier weitere Produkte dieser Art für einen Vergleichstest zu besorgen. Nach dem Test muss ich die Geräte ja dann auch alle wieder einzeln zurückschicken. Da es sich in diesem Fall um sehr große Geräte handelt, die auch nur einen kleinen Teil unserer Leserschaft interessieren dürften, blieb es bei einem: Danke, aber nein danke. Damit war die Sache für mich eigentlich erledigt. Aber eben nur eigentlich.

Ich Werbe-Opfer

Denn auch wenn ich beruflich damit nichts anfangen konnte, interessierte mich das Gerät privat durchaus. Und Neugier gehört schließlich zu meinem Beruf. Irgendwo in der ersten E-Mail hieß es, dass bei der Firma gerade eine Rabattaktion läuft. Da wollte ich doch wenigstens kurz auf der Website nachschauen, wie viel ich sparen könnte und was dieses Produkt für Möglichkeiten und Funktionen bietet. Einfach nur aus Interesse.

Keine zehn Minuten später lag das mir per plumper Presse-Mail beworbene Produkt in meinem privaten Warenkorb. Etwas in der Art habe schon lange auf meiner Wunschliste gestanden, redete ich mir ein. Und dass ich meinen Kaufreflex bei 35-Prozent-Black-Friday-Rabatt einfach nicht mehr niederringen konnte. Augenblicke später war das Gerät gekauft und bezahlt. Testen und besprechen würde ich es zwar nicht, doch ich schrieb meiner neuen E-Mail-Bekanntschaft höflich und in tadellosem Schreibstil, dass ich das von ihr so nachdrücklich angepriesene Gerät prompt gekauft habe.

Deren offensichtlich erstaunte Antwort: »Sie meinen, Sie möchten nicht, dass wir Ihnen ein Produkt im Austausch für eine Rezension kostenlos zusenden? Das Produkt, das wir Ihnen schicken, ist nicht erstattungsfähig, es gehört Ihnen.«

Abrechnung zum Jahresende – so heißt die kleine Serie, in der die SPIEGEL-Netzwelt über das schreibt, was sie in diesem Jahr am meisten am Internet, an der Technik allgemein, am Job genervt hat.

Zuvor bereits erschienen ist:

Meine erneute Erklärung, das besagte Gerät schon gekauft zu haben, es also nun zu besitzen, war für mein Gegenüber kein Grund, aufzugeben. Es fragte einfach weiter, ob ich dann nicht einen Testbericht über ein anderes Produkt der Firma schreiben wolle, weil das »ein sehr guter Partner für Ihr Produkt ist«. Natürlich könne man mir auch das »kostenlos zusenden«.

Als ich auch das ablehnte, schien die Aufmerksamkeit auf der anderen Seite zu schwinden. Die vorerst letzte E-Mail, die ich in dieser Sache bekam, begann mit der Anrede: »Hallo Marcel«.

Mein Wunsch für 2022: Liebe Firmen, meldet euch gern mit neuen Produkten bei mir. Aber überzeugt mich mit tollem Design, nützlichen Funktionen oder unerwarteten Extras – nicht mit halbgaren Komplimenten und fragwürdigen Geschenkangeboten.

Unseren Umgang mit Testgeräten beschreiben wir übrigens im Kasten unter diesem Text.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort