Atom-Skandal: Uran-Diebstahl in Bayern - DER SPIEGEL
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Atom-Skandal Uran-Diebstahl in Bayern

Wie sicher sind die Atomanlagen in Deutschland? Kürzlich wurde aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Plutonium entwendet. Nun wird ein Uran-Diebstahl in Bayern publik.
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Berlin - Wie schon im Karlsruher Fall schaltete sich Bundesumweltminister Jürgen Trittin in den Fall ein. Trittin (Grüne) fordert von den Bayern Informationen über das Entwenden von neun Röhrchen mit uranhaltigem Material aus einem Forschungslabor in Erlangen.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Nürnberger Justiz gegen einen früheren Siemens-Mitarbeiter wegen unerlaubten Besitzes von radioaktivem Material ermittelt. Der Fall liegt bereits 20 Jahre zurück.

Das baden-württembergische Umweltministerium lieferte am Montagnachmittag den von Trittin angeforderten, nachgebesserten Bericht zum Plutonium-Diebstahl ab. Landesumweltminister Ulrich Müller (CDU) wies gleichzeitig die Kritik Trittins an seinem ersten Bericht entschieden zurück.

Mit Blick auf die bayerische Atom-Affäre sagte Trittins Sprecher, das Ministerium "musste aktiv werden". Von dem Diebstahl habe die Bundesatomaufsicht erst aus den Medien erfahren. Es sei nun vereinbart worden, dass das bayerische Umweltministerium über neue Erkenntnisse informieren werde.

Der Nürnberger Justizsprecher Wolfgang Träg sagte, der heute 74-jährige Ex-Siemens-Mitarbeitern habe aus einem Forschungslabor in Erlangen von 1971 bis 1981 neun uranhaltige Proben gestohlen und zu Hause aufbewahrt. Nur eine Probe habe jedoch angereichertes Uran enthalten, sagte Träg. Der Beschuldigte habe eingeräumt, das Material mitgenommen zu haben. Er habe damit die Anerkennung einer Berufskrankheit erreichen wollen. Ein Weiterverkaufsinteresse sei nach derzeitigem Stand auszuschließen.

Die Anfang Juni aufgenommenen Ermittlungen hatte der frühere Labortechniker selbst ins Rollen gebracht. Er hatte Kontakt mit dem bayerischen Umweltministerium aufgenommen und die neun Proben zur Überprüfung übergeben. Nach vorläufiger Einschätzung der Aktenlage sei mit einem Gerichtsverfahren zu rechnen, sagte der Justizsprecher.

Im Streit über die Karlsruher Atom-Affäre warf Baden-Württembergs Umweltminister Müller seinem Berliner Amtskollegen Trittin vor, ihn für ein "Polittheater" missbrauchen zu wollen. Mehr als Aufklärung und Sofortmaßnahmen seien "in der Kürze der Zeit weder möglich noch nötig gewesen". Ein Sprecher von Trittin erinnerte daran, dass der Fall bereits mehr als 14 Tage bekannt sei: "Da müsste doch eine Analyse und Information über das weitere Vorgehen möglich sein."

Ausgelöst hatte den Fall ein inzwischen inhaftierter 47 Jahre alter Abbrucharbeiter. Er gestand, aus der WAK ein Röhrchen mit plutoniumhaltiger Substanz entwendet zu haben. Die Karlsruher Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass ihr bis Ende dieser Woche alle für die weiteren Ermittlungen nötigen Untersuchungsergebnisse vorliegen. Dies habe das baden-württembergische Umweltministerium zugesagt, hieß es.

Rätselhaft bleiben weiter die Rückstände des ebenfalls radioaktiven Cäsium 137, die nur bei der Lebensgefährtin des Täters und ihrer Tochter gefunden wurden. Am Montag wurden in einem Behindertenwohnheim in der Südpfalz radioaktiv belastete Kleidungsstücke sichergestellt. In dem Heim lebe eine Person, die zum "Umfeld" einer der kontaminierten Menschen im Karlsruher Plutonium-Fall gehöre, teilte die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt/Weinstraße mit.