Balkan-Hochwasser: Flutwelle rollt auf Belgrad zu - DER SPIEGEL
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Extremes Hochwasser auf dem Balkan Weitere Flutwelle rollt auf Belgrad zu

In den Hochwassergebieten auf dem Balkan gibt es keine Entwarnung: Serbien fürchtet weitere Flutwellen, auch in Bosnien mussten erneut Tausende Bewohner aus ihren Häusern fliehen. Mindestens 47 Menschen kamen bislang ums Leben.
Zerstörte Häuser in Serbien: Weitere Flutwellen drohen
Zerstörte Häuser in Serbien: Weitere Flutwellen drohen

Zerstörte Häuser in Serbien: Weitere Flutwellen drohen

Foto: ANDREJ ISAKOVIC/ AFP
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Belgrad - In vielen Hochwassergebieten auf dem Balkan kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen die Überschwemmungen. Helfer in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien arbeiten daran, die Uferbefestigungen zu verstärken. In Belgrad und anderen serbischen Städten entlang des Flusses Save wird erneut eine Flutwelle erwartet.

In Kroatien überschwemmte die Save mehrere Dörfer. Regierung und Arbeitsagentur Kroatiens riefen arbeitslose Einwohner auf, sich als bezahlte Aufräum- und Wiederaufbauhelfer zu melden. Knapp tausend Arbeiter würden benötigt. Die kroatischen Behörden bestätigten ein zweites Todesopfer. Insgesamt kamen in den drei Ländern bislang mindestens 47 Menschen bei den Überschwemmungen ums Leben, weitere werden noch vermisst.

Die Flutkatastrophe gilt nach Angaben der bosnischen Regierung als die schwerste seit Beginn der Aufzeichnungen. Erneut mussten etwa 11.000 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Fast ein Drittel der 3,8 Millionen Einwohner des Landes ist Behördenangaben zufolge von den Überschwemmungen betroffen. Hunderte Erdrutsche verursachten zusätzliche Schäden.

Gefahr durch hochgespülte Minen

In Serbien mussten etwa zehntausend Bewohner der besonders stark betroffenen Kleinstadt Obrenovac ihre Häuser verlassen. Helfer befürchten weitere Überschwemmungen, die Flutwelle der Save soll noch am Dienstag in der Hauptstadt Belgrad die Donau erreichen. Dort stieg das Wasser bis auf die Höhe der Kais. Bürgermeister Sinisa Mali rechnet mit einem weiteren Anstieg der Pegel, der Höhepunkt werde wohl erst am Freitag erreicht. Zwölf Kilometer entlang der Save würden unter anderem Sandsäcke gestapelt. "Wenn das Wasser am Freitag die Stadt passiert, werden wir erst sagen können, dass wir Belgrad verteidigen konnten", sagte Mali.

Die Notfallzentrale in Smederevo, von Belgrad rund 50 Kilometer entfernt, ordnete an, mehrere Gebiete entlang der Donau zu evakuieren. Das betrifft vor allem rund 300 Häuser, die illegal gebaut wurden und nicht ausreichend gegen Hochwasser geschützt sind, wie der Bürgermeister der Stadt, Jasna Avramovic, sagte.

Zudem geht weiter Gefahr von hochgespülten Minenaus. Alma Al-Osta, Expertin für Landminen bei der Organisation Handicap International, rief die Menschen zur Vorsicht auf. Das Hilfswerk action medeor, das Hilfspakete nach Serbien auf den Weg bringen will, wies auf den Bedarf an Medikamenten hin. "Es werden jegliche Art von Schmerzmitteln, Fiebersäften, Verbandsmaterialien, Pflastern, Mitteln gegen Durchfallerkrankungen und Antibiotika benötigt", sagte Ute Hoffmann, die die Hilfen koordiniert.

Ausgelöst worden waren die Überschwemmungen von heftigem Regen: In den drei Balkan-Ländern hatte es innerhalb von drei Tagen so viel geregnet wie sonst im gesamten Mai.

wit/dpa