Stationierung von US-Raketen: Bundestag hat kein Mitspracherecht - DER SPIEGEL
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Maßnahme zur Abschreckung Bei der geplanten Stationierung von US-Raketen bleibt der Bundestag außen vor

Berlin und Washington haben sich darauf verständigt, ab 2026 Mittelstreckenraketen in Deutschland zu stationieren. Der Bundestag hat dabei wohl kein Mitspracherecht.
• aus DER SPIEGEL 32/2024
Leere Stühle im Bundestag: Wohl keine Einbindung in Raketenentscheidung der Regierung
Leere Stühle im Bundestag: Wohl keine Einbindung in Raketenentscheidung der Regierung

Leere Stühle im Bundestag: Wohl keine Einbindung in Raketenentscheidung der Regierung

Foto: Tobias Schwarz / AFP

Bei der geplanten Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland ab 2026 bedarf es vermutlich keines Beschlusses des Bundestags.

Dies geht aus einer Antwort der Wissenschaftlichen Dienste auf eine Anfrage der partei- und fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Joana Cotar hervor. Die aktuelle Kurzinformation liegt dem SPIEGEL vor.

Mehrere Grundlagen werden dafür herangezogen, die für eine Nicht-Einbindung des Parlaments sprechen – der Nato-Vertrag sowie der Aufenthaltsvertrag für ausländische Truppen in Deutschland und die dazugehörigen Zustimmungsgesetze.

Verwiesen wird darin unter anderem auch auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1984, die sich mit der Aufstellung nuklearer Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik im Rahmen des Nato-Doppelbeschlusses befasste.

DER SPIEGEL 32/2024
Foto:

Max Slobodda / DER SPIEGEL

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Die Richter hätten damals mit sieben zu einer Stimme die Frage verneint, ob die Rechte des Parlaments gefährdet und verletzt worden seien. Nach Ansicht des damaligen Gerichts sei der Bund berechtigt, Hoheitsrechte an zwischenstaatliche Einrichtungen zu übertragen, so an die Nato.

Laut den Wissenschaftlichen Diensten bestätigte das Verfassungsgericht seine Rechtsprechung wenige Jahre darauf in der Frage der Stationierung von US-Chemiewaffen.

Die Bundesregierung und die US-Regierung hatten auf dem jüngsten Nato-Gipfel zum 75-jährigen Jubiläum in Washington die Stationierung von nichtnuklearen Mittelstreckenraketen vom Typ Tomahawk, SM-6 und Überschallraketen angekündigt.

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Vorhaben löst in der SPD heftige Kritik aus

Der Plan der Bundesregierung stößt in der SPD auf Unmut. So hatte zuletzt SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich das Vorhaben kritisiert und damit auch indirekt Kanzler Olaf Scholz.

Die Gefahr einer unbeabsichtigten Eskalation steige durch die Stationierung »beträchtlich«, warnte Mützenich, statt weitere Waffen in Deutschland zu stationieren, solle die Bundesregierung auf neue Abrüstungsabkommen mit Russland setzen.

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Foto: AFP/ US Navy

In einer zweiseitigen Erklärung zeigten sich auch frühere SPD-Granden besorgt. Ex-Parteichef Norbert Walter-Borjans und andere Sozialdemokraten warnten davor, die Gefahren einer Stationierung zu unterschätzen. Man sei »tief besorgt über die Schlagseite« der Debatte. Zudem bemängelten die Genossen ein »Schweigen der Führungen von SPD und SPD-Fraktion zu der von Rolf Mützenich angestoßenen Debatte«.

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»Ich will sehr deutlich sagen, dass diese Raketen, um die es hier geht, die 2026 in Deutschland stationiert werden sollen von den Amerikanern, zum einen konventionelle Waffen sind und keine nuklearen«, sagte der Minister bei einem Truppenbesuch auf der US-Pazifikinsel Hawaii. Aus seiner Sicht sei dies ein sehr wichtiger Punkt »zur Beruhigung all derer, die sich hier Sorgen machen«.

Der SPD-Minister wies damit Befürchtungen zurück, dass die Pläne den Einstieg in ein neues atomares Wettrüsten mit Russland markierten. Stattdessen gehe es darum, »eine Lücke zu schließen, eine echte Fähigkeitslücke, die wir seit mindestens zehn Jahren haben«, betonte Pistorius.

Russland verfüge schon seit Längerem über Waffen ähnlicher Reichweite, die nah am Nato-Gebiet stationiert seien, so der Minister. Hinter den Plänen der USA stecke folglich nicht die Absicht, Russland zu bedrohen. Vielmehr gehe es um »echte Abschreckung«, die Moskau zeigen solle, dass jede Attacke auf die Nato ein unkalkulierbares Risiko berge.

sev
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