Die Stunde der Komödianten - DER SPIEGEL
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SHOWS Die Stunde der Komödianten

Am Broadway schlägt das Herz New Yorks, und es steht kurz vor dem Infarkt: Viele Musicals müssen schließen, Angst und Trauer halten die Leute zu Hause - aber »Kiss Me, Kate« hat sich gerettet, für zwei Wochen. Von Alexander Osang
• aus DER SPIEGEL 40/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zwei Tage nach der Katastrophe spielten sie wieder. Es war Donnerstagabend im Martin Beck Theatre in der 45. Straße. Seit zwei Jahren läuft hier fast jeden Abend das Cole-Porter-Musical »Kiss Me, Kate«. 27 Leute standen an diesem Abend auf der Bühne, noch mal so viele dahinter, und im Graben hatten sich die 15 Musiker versammelt. Sie waren alle an Bord. Sie hatten ihren Dienst angetreten, wie es ihr Bürgermeister von ihnen verlangt hatte, von ihnen und den anderen Broadway-Leuten. Spielt! Unterhaltet die Leute! Rudolph Giuliani hatte gelesen, dass im Londoner Westend nach den Luftangriffen der Deutschen auch immer Theater gespielt worden war. Das sollte in New York jetzt nicht anders sein. Er rief die großen Theaterbesitzer der Stadt an und überredete sie zum Weitermachen. Und so hoben sich an diesem Abend überall im Theaterdistrikt die Vorhänge. Im Zuschauerraum des Martin Beck Theatre saßen 120 Leute.

120 Leute auf 1302 Plätzen.

»Kiss Me, Kate« ist ein lustiges, lautes Stück. Vor allem dauert es fast drei Stunden lang. In diesem Moment begriffen die 27 Künstler auf der Bühne vielleicht, dass sie jetzt so was waren wie die tapfere Bordkapelle der »Titanic«.

»Wenigstens konnten wir irgendwas tun«, sagt Janine LaManna leise. Sie ist einer der drei Stars in der Show. »Ich kann ja nichts anderes, ich bin keine Krankenschwester. Ich bin Entertainer. Ich will die Leute für ein paar Stunden aus dieser schrecklichen Welt entführen, in eine andere Zeit. Eine bessere.«

Janine LaManna sitzt noch ohne ihre rote Perücke herum, wie in einer Zwischenzeit. Ihre kleine Stargarderobe mit den schwarzen Samtkissen, auf die jemand mit goldenem Faden »Diva« stickte, mit den Blumen, Fotos und Spiegeln ist noch nicht ganz die unbeschwerte Bühnenwelt. Aber auch nicht mehr die unerfreuliche 45. Straße, die unter ihrem Fenster lärmt.

Die Straße ist angeschlagen. An der Ecke zum Broadway steht ein nahezu unbekleideter, muskulöser Mann mit langen blonden Haaren. Er trägt Stiefel mit Sporen, einen Cowboyhut und eine enge weiße Unterhose, auf die er »Only USA!« geschrieben hat. Mit Filzstift, wie es aussieht. Er singt Countrylieder, zehn Meter weiter verkaufen zwei junge Männer T-Shirts, auf denen Osama Bin Laden im Fadenkreuz abgebildet ist.

Etwas weiter wird es ruhiger in der 45. Straße. Ganz vorn hängt noch die angegammelte Leuchtreklame von »The Adventures of Tom Sawyer«, einem Musical, das Anfang des Jahres nach zwei Wochen eingestellt wurde. Weiter hinten, im John Golden Theatre, zeigten sie bis vor kurzem noch »Stones in His Pockets«. Das Stück gehörte zu den fünf Shows, die in der Woche nach der Attacke aufs World Trade Center zumachten. Gegenüber läuft die älteste Show am Broadway »Les Misérables« jeden Abend vor halb leeren Rängen. Die großen Shows brauchen Zuschauer aus dem Ausland, aber die kommen nicht mehr. »Les Misérables« wackelt genau wie das Lloyd-Webber-Musical »Das Phantom der Oper«. Die Produzenten wollen die Kosten für beide Musicals halbieren und dann weitersehen.

Noch tiefer in der 45. Straße, schon hinter der 8. Avenue, tanzen die Lichter vom Martin Beck Theatre. In der ersten Woche nach dem Anschlag machte »Kiss Me, Kate« über 100 000 Dollar Verlust.

»Ich saß dort unten im Orchestergraben und dachte oft, wir sind in einer Probe. So leise war es im Zuschauerraum«, sagt der Trompeter Domenic Derasse. »Wir Musiker sehen ja nichts, aber es war zu spüren, dass es nicht funktioniert. Vielleicht haben wir zu früh angefangen. Manhattan war ja abends völlig verlassen. Nach der ersten Show bin ich die 8. Avenue runtergelaufen, fünf Blöcke lang, nur ein Auto ist an mir vorbeigefahren. Ein Auto.«

Domenic Derasse setzte sich nachts hin, schrieb einen offenen Brief an seine Kollegen.

»Für alle, die es nicht wissen, ich bin Domenic Derasse, der Trompeter in 'Kiss Me, Kate'. Ich bin in Frankreich geboren und aufgewachsen, aber ich lebe seit 16 Jahren in New York und wurde vor 6 Monaten US-Bürger. Ich bin in dieses Land gekommen, weil es frei ist. Diese Freiheit ist bedroht. Wir müssen zusammenhalten. Das Land braucht uns. John F. Kennedy sagte: 'Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, sondern was ihr für euer Land tun könnt.' Wir müssen den Broadway am Leben halten. The show must go on!«

Oben links druckte er eine kleine amerikanische Fahne auf den Brief und hängte ihn an die Wandzeitung hinterm Bühneneingang.

Am nächsten Tag heftete der Produzent von »Kiss Me, Kate« neben den Brief des kleinen Trompeters die Mitteilung, dass die Show am Sonntag zumache. Die meisten der großen Broadway-Shows hatten mit den Gewerkschaften ausgehandelt, die Gehälter der Schauspieler, Musiker und Bühnenarbeiter um 25 Prozent zu kürzen. Das reiche für »Kiss Me, Kate« nicht, schrieb der Produzent. Die Verluste seien zu hoch. Sie bräuchten 50 Prozent, um die Show zu retten. Das lehnte die Gewerkschaft ab. Er bedauere das sehr, schrieb der Produzent.

Es war vorbei.

Es sollte noch vier Vorstellungen geben. Danach hatten sie das Restaurant »Marlowe« auf der 46. Straße für eine Abschlussfeier gebucht. Sie gaben die Meldung an die Presse.

Einen Block vom Martin Beck Theatre entfernt sitzt der König des Broadway. Er heißt Gerry Schoenfeld, ist kahl, 76 Jahre alt und sieht aus, als könnte er einem die Welt erklären. Schoenfeld ist Chef von Shubert, der größten New Yorker Theaterkette. Shubert besitzt 17 Häuser am Broadway. Schoenfeld hat das Imperium vor 30 Jahren verschuldet von einem trunksüchtigen Erben der Shuberts übernommen, er hat es erfolgreich durch Krisen und Kriege geführt. Er residiert überm Times Square, direkt neben seinem Musical »Chicago«. Er ist umgeben von Sachen, die ihm Halt geben können. Die Möbel sind alt, es gibt Bücher in schweren Ledereinbänden, Kamine, Poster aus guten Zeiten, tiefe Teppiche, eine mandeläugige Empfangsdame und eine Glaskuppel über seinem Kopf, die in den hellblauen New Yorker Herbsthimmel zeigt.

Er hat viel erlebt, aber so was natürlich auch noch nicht.

»Es gibt zwei Gründe, warum die Leute nicht in die Shows kommen«, sagt er. »Erstens: Sie haben Angst. Zweitens: Sie wissen nicht, ob sie sich schon amüsieren dürfen, nachdem so viele Menschen gestorben sind. Das Zweite lässt nach, es lässt immer nach. Ich habe schon jede Menge Broadway-Krisen erlebt. Es war auch schlimm, nachdem sie John F. Kennedy erschossen hatten. Irgendwann hören sie auf zu trauern, das Leben geht weiter. Aber die Angst, ich weiß nicht, wie groß die Angst ist. Die Angst herzufliegen und die Angst, getroffen zu werden. Es geht ja nicht gegen eine politische Richtung, sondern gegen unsere Art zu leben, unsere Kultur. Und das ist der Broadway. Wir sind die zweitgrößte Industrie in der Stadt. Wir haben in normalen Zeiten 200 000 Besucher pro Woche, da hängen Hotels und Restaurants dran. Hier kann uns jemand, der uns nicht leiden kann, richtig schaden.«

An manchen Abenden kann man sich vorstellen, dass noch viel mehr Shows zumachen müssen. Der Ground Zero raucht immer noch, wenn man das Theater verlässt. Man bekommt sofort ein Taxi, was ja auch nicht normal ist. Und wenn man nach Süden fährt, sieht man den Rauch, die Lücken, die Leere, und man fragt sich, worüber man gerade noch gelacht hat.

Die meisten Menschen sind keine Firefighters. Sie haben Angst.

Der Broadway könnte ein Ziel sein. Der nächste Anschlag könnte die Brücken treffen, die Subway, aber auch eines der großen Theater. In manchen Vorstellungen kann man die Angst sehen. Zuschauer setzen sich in die Nähe der Notausgänge, als wären sie an Bord eines Flugzeugs. Manchmal fliehen die Besucher regelrecht aus der Dunkelheit. Als in der vorigen Woche eine japanische Staatsdelegation mit vielen Sicherheitsleuten die Show »Les Misérables« besuchte, verließen etwa 50 Zuschauer während der Show das Theater. Die anderen schienen die ganze Zeit auf dem Sprung zu sein. Sie sahen das Stück in der Starthocke.

Wenn es auf der Bühne staubt und kracht, kehren die Bilder zurück. Kein Donner ist mehr unschuldig. Wenn in »Kiss Me, Kate« eine totgeschossene Hochzeitstaube als Gag vom Bühnenhimmel fällt, zucken manche Zuschauer zusammen. In den Kassenhäuschen der geschlossenen Shows sitzen einsame Herren und warten darauf, dass Leute ihre Tickets zurückbringen. Aber oft trauen sie sich nicht mal mehr das.

Auf dem Times Square versammeln sich jeden Tag religiöse Eiferer. Ein Prediger kündigt biblische Plagen an, hinter einem Klapptisch, auf dem er ein Dutzend Schnittdarstellungen von Embryonen im Mutterleib aufgebaut hatte. Zwischen all den wackelnden Shows auf der 45. Straße schleppt ein schwarzer, zahnloser Messias ein mannshohes Holzkreuz, auf dem er notiert hat: »Ich sterbe eher wie Jesus Christus am Kreuz, als kriminell zu werden.«

Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Happy End von »Kiss Me, Kate«.

All die Verzweiflung, die Ohnmacht, der Theatergeist, die Traurigkeit und der Patriotismus fließen in dem untersetzten Leib von Joe Maher zusammen. Es ist kein Zufall, dass genau er es war, der die Idee hatte, »Kiss Me, Kate« zu retten. Maher ist der Chef der Bühnenbildner am Martin Beck Theatre. Er ist New Yorker Theatertischler in der vierten Generation. Sein Urgroßvater, George Maher, gründete vor über hundert Jahren die New Yorker Gewerkschaft der Bühnenarbeiter, sein Großvater war Bühnentischler im Virginia Theatre in der 52. Straße, sein Vater im »Morasco«, das sie vor 15 Jahren abrissen. Und er, Joe Maher, ist nun auch schon 23 Jahre am Martin Beck Theatre.

»Mein erster Gedanke war, dass ich mich nicht von den feigen Terroristen unterkriegen lassen darf«, sagt er. Er hat lange überlegt. Am Freitag nach der Show hat er vorgeschlagen, dass die Schauspieler und Bühnenarbeiter ein Viertel ihrer Theaterkarten selbst kaufen und an Hilfsorganisationen, Rettungskräfte und andere Bedürftige verteilen.

»Die Feuerwache in der 48. Straße ist ja praktisch um die Ecke, viele von denen haben bei uns Brandschutz gemacht. Sie haben 15 Mann verloren. So können wir ihnen was zurückgeben und gleichzeitig unsere Show retten«, sagt Maher und hat schon wieder Tränen in den Augen.

Am Sonnabend haben sie darüber abgestimmt. Nach den gewerkschaftlichen Regelungen und ihrer Kartenkaufaktion müssten sie zwei Wochen lang für die Hälfte ihrer Gage arbeiten. Alle waren bereit dazu, auch die Stars Janine LaManna und Carolee Carmello. Am Sonntag vor der letzten Show trat der Produzent auf die Bühne und sagte: »Durch die ungewöhnliche Großzügigkeit dieses einzigartigen Ensembles ist es möglich, die Show fortzuführen.«

Dann zerriss er unter dem Jubel des Publikums die Schließungserklärung.

Am Ende sangen alle zusammen die Nationalhymne wie im großen Samstagabend-Showfinale. Die Geschichte der Schließung wurde zu einer eigenen Show.

»Kiss Me, Kate« ist ein Musical darüber, wie ein zweitklassiges Ensemble aus Baltimore Shakespeares »Der Widerspenstigen Zähmung« aufführt. Ein Stück in einem Stück. Als der Produzent dort oben den Zettel zerriss, war es fast, als wäre aus dem Stück über ein Stück nunmehr ein Stück über ein Stück über ein Stück geworden. »Kiss Me, Kate« schien im September einen neuen Plot bekommen zu haben.

Es gab einen Anschlag, es gab einen tapferen Tischler, einen kleinen Trompeter, und es gab ein Happy End.

»Wir machen jetzt erst mal weiter«, sagt Joe Maher, »zwei Wochen lang.«

Und dann?

»Zumindest haben wir den Terroristen gezeigt, dass nicht sie unser Schicksal bestimmen.«

»Das ist schon eine einmalige Aktion, was die Leute von 'Kiss Me, Kate' gemacht haben«, sagt Gerry Schoenfeld, der Superproduzent. »Aber andererseits hat die Show ihren Höhepunkt bereits überschritten. Jede Show verliert irgendwann ihr Publikum. Wenn sie zwei Wochen lang keinen Gewinn macht, wird sie eingestellt. Das gehört zum Geschäft. Und die Shows, die jetzt als Erste zugemacht werden, waren dann auch die schwächsten. Es starten ja jetzt auch neue Broadway-Shows wie 'Love' oder 'Urinetown'.«

Schoenfeld schaut raus auf den Times Square, wo sich die Aktienkurse auf einer Schautafel jagen.

»Aber wie gesagt, eine schöne Geste. Sie haben was getan.«

Seine Organisation hat eine Million Dollar für das World Trade Center gespendet und 10 000 Dollar für jeden toten Feuerwehrmann der lokalen Wache in der 48. Straße. Schoenfeld erlässt all seinen Theaternutzern im Moment die Miete. Er hätte nicht Giulianis Anruf gebraucht. Er kann nicht rumsitzen. Seine Produktion von Strindbergs »Totentanz« ist in den Previews, im Oktober eröffnet »Mamma Mia!«, das Abba-Musical. Er hat sich mit all den anderen großen Theaterbesitzern der Stadt zusammengesetzt. Sie haben Werbe- und Imagekampagnen beschlossen.

»So viele Sitzungen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehabt«, sagt Schoenfeld. Sie setzen der Angst Aktivismus entgegen. Machen, machen, machen.

Die Oscar-Gewinnerin Marcia Gay Harden sagt, dass sie in den ersten Tagen besinnungslos durch New York rannte, um irgendwo zu helfen. »Ich wollte irgendwas spenden, Blut oder Kleidung oder was auch immer. Aber keiner brauchte mich. Ich war regelrecht erleichtert, als der Bürgermeister sagte: 'Wenn ihr helfen wollt, dann kauft ein, geht essen. Konsumiert.' Ich habe konsumiert wie verrückt. Ich hatte einen Auftrag.«

Die Erwartung ist groß. Niemand ist gewohnt, dass die Stadt, die niemals schläft, müde wird.

»Wie sind die Zuschauer?«, fragte die Talkmasterin Rosie O'Donell am vorigen Mittwoch Robert Sean Leonard, der im Broadway-Musical »The Music Man« die Hauptrolle spielt.

»Oh, die Zuschauer sind phantastisch«, sagte Leonard schnell. Und nach einer Pause: »Soweit Zuschauer da sind.«

Anschließend verschenkte er Freikarten an das gesamte Studiopublikum und lachte so verzweifelt wie der Junge, den er im »Club der toten Dichter« spielte.

Zwei Tage später gaben die Produzenten bekannt, dass auch »The Music Man« schließt.

Vielleicht ist der Broadway im Moment das beste Beispiel für den Willen der Stadt, wieder normal zu sein. Und die Ohnmacht, wieder normal sein zu können.

Es sind noch 20 Minuten bis zur Show. Michael Mulheren schlüpft in seinen Nadelstreifen-Anzug. Er spielt einen der beiden komischen Gangster in »Kiss Me, Kate«. Damit ist er für den »Tony« nominiert worden, den wichtigsten amerikanischen Theaterpreis. Beim Anziehen erzählt er über zwei Freunde, die bei dem Anschlag ums Leben kamen, und im nächsten Moment über eine alte Frau, die heute Nachmittag in der Matinee ihre Sauerstoffflaschen wechselte. Sie saß in der ersten Reihe, sie hatte beide Flaschen vor sich aufgebaut, und als eine leer war, wechselte sie zur anderen. Mulheren macht das Zischen nach. Es ist sehr komisch. Er zeigt den Scheck vor, mit dem er ein Viertel seiner Gage spendet, und dann auch noch den Scheck seines Agenten. Er erzählt, dass er heute Morgen in zwei Werbefilmen mitgespielt hat und für die Rolle in einem neuen Disney-Film vorgesprochen hat. Er empfiehlt die neue Staffel der TV-Serie »Law & Order«, in der er mitspielt, und erzählt, wie knapp sein Bruder dem Attentat entkommen ist.

Was dachte er, als die Show eingestellt werden sollte?

»Ach, die meiste Zeit in seinem Leben befindet sich ein Schauspieler zwischen zwei Engagements. Das ist auch nicht so schlimm. Die Schauspieler in diesen Longrunnern sind meistens todunglückliche Menschen. Zehn Jahre lang dieselbe Rolle zu spielen, das ist doch furchtbar.«

Mulheren steckt seine Spielzeugpistole in die Jacke und geht hinter die Bühne. Die Dinge sind nicht immer so einfach, wie sie scheinen, aber das ist schwer auszusprechen.

Die Vorstellung ist ganz gut besucht. 50 Tickets haben die Studenten der Schauspielschule bekommen, die unterm »Circle in the Square«-Theater liegt, wo bis zum vorletzten Sonntag die »Rocky Horror Show« lief. Feuerwehrmänner aus der Wache in der 48. Straße sind heute Abend nicht gekommen. Und morgen kommen sie wohl auch nicht. Die Feuerwehrmänner stehen in ihrer Wache und sagen, dass sie sich über die Theatertickets freuen. Schöne Geste. Sie hätten leider keine Zeit, sagen sie. Und vielleicht ist es auch ein etwas weiter Weg vom Wolkenkratzerkrater zu einer Boulevardkomödie mit Gangstern, die sich als Esel verkleiden.

Die tapferen Männer stehen in ihrer alten Feuerwache, die jetzt ein Meer aus Blumen und Kinderzeichnungen ist, und versuchen, sich angemessen zu verhalten. Wie alle.

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