Eisige Temperaturen: Schneechaos wird zum Winterzauber - DER SPIEGEL
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Schnee in Deutschland: Schlitten, Frost und Winterlandschaft

Foto: Jens Meyer/ AP

Eisige Temperaturen Schneechaos wird zum Winterzauber

Deutschland liegt unter einer Schneedecke: Die Temperaturen sinken auf minus 15 Grad, an vielen Schulen fällt der Unterricht aus, Winterreifen werden knapp. Am Wochenende soll es im Westen weiter schneien - und auch das übrige Europa bibbert.
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Hamburg - Der Dezember ist in Deutschland mit einer Rekordkälte gestartet - die Schulkinder in Schleswig-Holstein dürfte das freuen. Dort fällt an vielen Schulen der Unterricht aus, Busse kommen wegen Schneewehen nicht durch. Schlitten fahren statt Schulbank drücken: für viele das perfekte Wintermärchen.

Wer sich draußen aufhält, sollte sich allerdings warm anziehen, denn es bleibt frostig. Der Deutsche Wetterdienst meldet am Freitagmorgen, dass die Temperaturen in Teilen des Landes auf bis unter minus 15 Grad fallen könnten. Schnee könne in Küstennähe der Ostsee fallen, betroffen sind Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Auch am bayerischen Alpenrand bei Chiemgau werde wieder Neuschnee bis zu fünf Zentimeter hoch erwartet.

Nachdem heftige Schneestürme in den vergangenen Tagen über Teile Deutschlands gefegt waren, wurde der Schneefall in der Nacht zum Freitag aber spürbar schwächer - und auch die Lage auf Straßen und Schienen beruhigte sich. Die Deutsche Bahn gab keine Alarmhinweise mehr heraus, so wie sie es in der Nacht zuvor getan hatte.

Die Kälte schränkt zwar weiter den Verkehr ein; in der Nacht hat es wieder Unfälle auf glatten Straßen gegeben. Die Lage auf den glatten Straßen hat sich aber deutlich entspannt. "Das Chaos ist weg", sagte ein Sprecher der Polizeileitstelle im Innenministerium von Sachsen-Anhalt. Nur wenige Menschen seien mit dem Auto unterwegs. Und auch in Thüringen war die Nacht ruhiger. "Die Straßen sind geräumt, der Verkehr rollt wieder." Die Winterdienste hätten die großen Hauptstraßen - Autobahnen und Bundesstraßen - freigeschaufelt. Nebenstraßen könnten allerdings weiterhin rutschig sein.

Vor allem Lastwagen hatten sich am Donnerstag auf den Straßen quergestellt. Nach Angaben der Polizei waren noch immer viele ohne Winterreifen unterwegs - dabei sind diese seit dem 1. Dezember Pflicht. In einigen Regionen könnten die Reifen aber knapp werden. Die Lagerhallen seien deutschlandweit "ziemlich leergefegt", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk, Peter Hülzer. Seit etwa einer Woche sei die Nachfrage bei den Reifenhändlern massiv gestiegen. Der ADAC und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sahen hingegen nur regionale Engpässe.

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Schnee und Eis: Europa fröstelt im Winterwetter

Foto: IAN KINGTON/ AFP

Auch das übrige Europa leidet unter der Kälte. In Tschechien etwa hatten die Eisenbahnen in den vergangenen Tagen den Notstand ausgerufen, der Straßenverkehr kam praktisch zum Erliegen. Am Donnerstag wurden in der Hauptstadt Prag zwei Männer auf der Straße leblos aufgefunden. Sie starben nach ersten Erkenntnissen an Unterkühlung. Nach Angaben der Polizei handelte es sich wahrscheinlich um Obdachlose.

In Großbritannien hat sich die Situation etwas entspannt. Nachdem der Londoner Flughafen Gatwick zwei Tage lang wegen des heftigen Schneefalls komplett geschlossen war, soll er am Freitag wieder öffnen. Allerdings müssten sich Reisende auf massive Verspätungen einstellen, so die Betreibergesellschaft. Und der Flugverkehr müsse womöglich immer mal wieder unterbrochen werden.

Gatwick ist nach London-Heathrow der zweitgrößte Flughafen in Großbritannien. Durch seine Schließung war es im internationalen Flugverkehr zu vielen Verspätungen gekommen. Erschwert wurde die Lage dadurch, dass auch an vielen anderen europäischen Airports der Verkehr wegen der Schneemassen massiv behindert wurde.

In den USA legte ein Schneesturm den Nordosten des Landes lahm. Lokalen Medienberichten zufolge fielen in einigen Regionen innerhalb von 24 Stunden mehr als 60 Zentimeter Schnee.

In der Nähe von Buffalo an den Niagarafällen war nach CNN-Angaben vom Donnerstag eine Interstate-Autobahn auf sieben Kilometern völlig blockiert. Dutzende Autofahrer waren mehr als 24 Stunden eingeschneit. Selbst mit Schneepflügen und Spezialfahrzeugen kamen die Helfer nicht zu den Eingeschlossenen durch. Nur mühsam konnten sie die Autofahrer mit Benzin, Essen und Decken versorgen. Heftiger Wind und Schneewehen behinderten ihre Arbeit. Der Nationale Wetterdienst sagte noch am Donnerstagabend (Ortszeit) weitere Schneefälle an.

Für Deutschland erklärte der Deutsche Wetterdienst, dass das Schneetief abgezogen sei. Für das Wochenende sagte Wetterdienstexperte Michael Goethel zwar für Rheinland-Pfalz, die Eifel und Nordrhein-Westfalen noch Schneefälle voraus. Weil milde Meeresluft aufkomme und der Schnee deswegen in Regen übergehe, könne es deshalb gefrieren, so Goethel. Etwas wärmer wird es aber sicher: "Am Wochenende werden die Temperaturen bei um oder über null Grad liegen."

kgp/dpa/AFP/dapd