Erdbeben: Immer mehr Tote in El Salvador - DER SPIEGEL
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Erdbeben Immer mehr Tote in El Salvador

Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben im mittelamerikanischen El Salvador sind bisher 683 Leichen geborgen worden. Es gibt keine Hinweise mehr auf Überlebende. Hunger und Seuchen drohen.
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San Salvador - Die Zahl der Verletzten in El Salvador stieg auf 2538. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickte ein Feldlazarett zur Basisversorgung von bis zu 20.000 Menschen ins Katastrophengebiet.

Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit in den vergangenen Tagen vor allem auf die Stadt Santa Tecla konzentrierte, wo ein Erdrutsch am Samstag mehrere hundert Häuser verschüttet hatte, kamen nun auch aus dem Landesinneren immer neue Nachrichten über schwere Erdbebenschäden. Die Hilfsorganisation Medico International berichtete über schwere Verwüstungen in der Provinz Usulutan südöstlich von San Salvador. Zum Glück seien dort aber nicht viele Todesopfer zu beklagen, berichtete Medico.

Die Erde in Mittelamerika ist bisher noch nicht zur Ruhe gekommen. Von Sonntag bis Mittwoch wurden mehr als 1000 Nachbeben registriert, ein besonders heftiges mit der Stärke 5,0 auf der Richterskala sorgte am frühen Mittwochmorgen in Nicaraguas Hauptstadt Managua für Panik unter der Bevölkerung. Geologen sehen in den Nachbeben allerdings ein gutes Zeichen: Die Spannungen in der Erdkruste würden so allmählich abgebaut. In El Salvador behinderten weitere Erdrutsche jedoch die Rettungsarbeiten. Retter befürchteten, dass noch mehrere tausend Menschen verschüttet seien.

Schwarze Leichensäcke an den Gehwegen

Im ganzen Land begannen Hinterbliebene mit der Beisetzung von Angehörigen. An Gehwegen waren zahlreiche schwarze Leichensäcke zu sehen. Dutzende Tote wurden in Santa Tecla auf Lastwagen aufgeladen und später in Leichensäcke gelegt. Präsident Francisco Flores hat im Ausland 3000 Särge bestellt. Leichen, die nicht identifiziert werden können, sollen in Massengräbern beigesetzt werden. Nach Angaben des Nationalen Notstandskomitees El Salvadors wurden in dem Kleinstaat von der Größe Sachsen-Anhalts 20.131 Häuser zerstört und 47.141 beschädigt. 45.842 Menschen wurden im Rahmen der Evakuierungen der Gefahrenzonen ausquartiert.

El Salvadors Vizepräsident Carlos Quintanilla sagte, die Verwüstungen seien größer als nach dem verheerenden Hurrikan "Mitch", der im Oktober 1998 mehr als 10.000 Menschenleben gefordert hatte. Die am meisten betroffenen Länder waren damals allerdings Honduras und Nicaragua.

Die internationalen Hilftrupps konzentrieren sich jetzt auf die Versorgung der mehreren zehntausend Obdachlosen mit Trinkwasser und Nahrung. "Es ist viel schrecklicher als gedacht", sagte die Regionalleiterin der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Barbara Hess. Die Europäische Kommission kündigte Soforthilfe von rund vier Millionen Mark an. Hilfe wurde unter anderem auch von den USA, Spanien, Italien, Großbritannien, Japan und Taiwan angekündigt. Sowohl das DRK-Lazarett als auch der Einsatz des Technischen Hilfswerks werden von der Bundesregierung bezahlt, die nach Angaben des Auswärtigen Amtes zunächst insgesamt drei Millionen Mark bereitgestellt hat.