Erdbeben in Mexiko: "Es war wie eine Explosion" - DER SPIEGEL
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Erdbeben-Katastrophe in Mexiko "Es war wie eine Explosion"

Mehr als 200 Menschen sind beim verheerenden Erdbeben in Mexiko ums Leben gekommen. Dutzende Häuser stürzten ein. Verzweifelt suchen Helfer in den Ruinen nach Überlebenden.
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In Mexiko-Stadt türmen sich riesige Trümmerhaufen auf. Nachbarn, Angehörige und Retter suchen in der Millionenmetropole verzweifelt nach vielen Verschütteten. Bei einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten dürfte weiter steigen: Da in der Hauptstadt viele Gebäude eingestürzt sind, wird mit weiteren Opfern gerechnet.

Laut Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong starben mindestens 226 Menschen. Der nationale Zivilschutzkoordinator sprach dagegen von 217 Toten im gesamten Land; darunter 86 in Mexiko-Stadt, 71 im Bundesstaat Morelos und 43 in Puebla. Etwa 700 weitere Menschen sind demnach verletzt, 400 von ihnen schwer.

"Es war wie eine Explosion: erst die Fenster, dann die ganze Struktur. Es war das Zerstörerischste, was ich je gesehen habe", zitiert die mexikanische Zeitung "El Universal" eine Einwohnerin von Mexiko-Stadt. Die Frau hatte es dem Bericht zufolge im letzten Moment geschafft, mit ihrer Mutter aus einem einstürzenden Haus zu fliehen.

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Erdbeben in Mexiko: Zwischen Solidarität und Verzweiflung

Foto: Berenice Fregoso/ dpa

Auf dem Campus der Unniversität "Tec de Monterrey" gab es laut der Tageszeitung "La Reforma" vier Tote und 40 Verletzte. "Die Panik war am Anfang groß", sagte Paulina Cruz, eine Studentin im ersten Semester, der Zeitung. "Tische, Bücher, Lampen und ein Ventilator fielen herunter. Zwei Treppen stürzten ein, zwei Türen fielen um, die Fenster in fast allen Gebäuden gingen zu Bruch."

Schon Stunden nach dem Erdbeben zeigt sich Mexikos Bevölkerung solidarisch: Tausende Bürger gingen auf die Straße, um Verschütteten zu helfen, berichtet "La Reforma". Ausgerüstet mit improvisierten Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln bildeten Hunderte Menschen in Mexiko-Stadt eine Menschenkette. Noch in der Nacht zu Mittwoch trugen sie zusammen den Schutt der Ruinen ab.

"Wir brauchen Wasser und Medikamente!", riefen einige Jugendliche. Im Licht von Taschenlampen und Scheinwerfern suchen sie zwischen den Steinen und Ziegeln der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden. Nachbarn boten einander Zuflucht. Andere regelten nach dem Ausfall von Ampeln den Verkehr. Viele Autofahrer nahmen Passanten mit.

Angesichts der verzweifelten Rettungsmaßnahmen forderte Präsident Enrique Peña Nieto die Bevölkerung jedoch auf, zu Hause zu bleiben: "Sofern die Häuser sicher sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung drinnen bleibt, um die Straßen für Krankenwagen frei zu halten und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern", sagte er in einer Videobotschaft. Oberste Priorität habe nun die Suche nach Vermissten und die medizinische Versorgung der Verletzten.

Im Video: Dramatische Lage an einer Grundschule

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Dramatisch ist die Lage etwa an der Grundschule "Enrique Rébsamen" in Mexiko-Stadt. Dort war auch ein Kindergarten untergebracht. Das Gebäude ist eingestürzt, mindestens 32 Kinder und fünf Erwachsene kamen dabei ums Leben, wie der Fernsehsender Televisa unter Berufung auf Helfer berichtete.

"Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben", sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara dem Sender. Gezittert wurde unter anderem um Víctor - einen kleinen Jungen, der offenbar mit einem langen Schlauch mit Sauerstoff versorgt wurde. Ein Sprecher der Rettungskräfte sagte Televisa, man sei außerdem in Kontakt mit einer verschütteten Lehrerin, die ein kleines Mädchen bei sich habe.

Das Beben ließ in der Stadt Atzala im Bundesstaat Puebla während einer Taufe eine Kirche einstürzen, mindestens elf Menschen wurden dabei getötet. Wie lokale Medien berichteten, hielten das Dach und die Kuppel der im 17. Jahrhundert erbauten Kirche dem Beben nicht stand.

In Mexiko-Stadt ist vor allem das Zentrum mit den touristischen Vierteln betroffen. Der Flughafen wurde geschlossen und auf Schäden untersucht. Beschädigte Krankenhäuser wurden evakuiert. Nach Angaben des Elektrizitätsunternehmens CFE waren mindestens 3,8 Millionen Menschen ohne Strom. Auch das weltbekannte Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt wurde in Mitleidenschaft gezogen. In lokalen Medien verbreitete Fotos zeigten einen breiten Riss durch eine Tribüne.

Bei einem schweren Erdbeben auf den Tag genau vor 32 Jahren waren etwa 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag hatten sich viele Behörden, Unternehmen und Schulen noch an der alljährigen Erdbebenübung beteiligt.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Kurz darauf, um 13.14 Uhr, kam es dann zu der heftigen Erschütterung. Viele Menschen fuhren gerade in den Aufzügen der Bürohäuser zum Mittagessen nach unten. Panik kam auf. Menschen schrien und weinten. Die Wolkenkratzer in Mexiko-Stadt schwankten hin und her, einige Gebäude stürzten ein, Fassadenteile fielen auf die Straßen. Wer konnte, rannte so schnell es ging nach draußen, weg von den Häusern. Über der Skyline hingen Rauchschwaden, Staub lag in der Luft.

Mehrere Nachbeben versetzten die Menschen zusätzlich in Angst. Betroffen war mehrmals die Küstenregion vor der Stadt Salina Cruz. Das schwerste Nachbeben hatte offiziellen Angaben zufolge die Stärke 4,9. Bei einem Beben im Landesinneren nahe der Stadt Loma Bonita gab das Seismologische Institut des Landes eine Stärke von 4,0 an.

Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 etwa hundert Menschen im Land gestorben, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Danach gab es weit über tausend Nachbeben.

wit/asa/dpa