Erste TV-Bilder aus der Kursk: Zerquetscht wie eine Cola-Dose - DER SPIEGEL
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Erste TV-Bilder aus der Kursk Zerquetscht wie eine Cola-Dose

Erste Innenaufnahmen aus dem Wrack des Atom-U-Bootes Kursk haben das russische Fernsehpublikum erschüttert. Bergungsteams haben unterdessen 45 Leichen von Besatzungsmitgliedern gefunden. Doch Schlamm, Wasser und Öl verzögern die Suche.
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Murmansk/Moskau - Rohre sind verbogen wie Draht. Dicke Metall-Wände sind gebrochen. Stahlummantelungen wurden zerdrückt wie eine Cola-Dose aus Aluminium: Die ersten Videobilder aus der Kursk, die Russlands Bevölkerung am Samstagabend im Fernsehen verfolgen konnte, legen erschütterndes Zeugnis ab von der immensen Zerstörungskraft der Explosionen, die das Atom-U-Boot im vergangen Jahr erschütterten und zum Sinken brachten.

Überall im Inneren des Wracks, in dem russische Bergungsteams derzeit nach Leichen suchen, liegen Metallteile zerstreut. "Was in diesem Abschnitten des U-Bootes geschah, war ein Inferno", sagte Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow dem TV-Sender NTV der die Aufnahmen ausstrahlte. "Ein Inferno, dessen Außmaß die menschliche Vorstellungskraft überfordert."

Durch die Explosionen im Vorderschiff und das anschließend eindringende Wasser hätte die Besatzung in diesen Abschnitten keine Chance auf Überleben gehabt, sagte Ustinow dem Sender. Die rund 23 Seeleute, die in den hinteren Abschnitt des Bootes geflüchtet waren, um dort den - durch die Explosion jedoch verklemmten - Notausstieg zu öffnen, hätten ebenfalls keine Chance auf Rettung gehabt.

Keine noch so schnell eingeleitete Rettungsaktion wäre nach Ustinows Meinung rechtzeitig zu den Eingeschlossenen vorgedrungen. Damit entkräftete er nach Meinung von Beobachtern Vorwürfe an die russische Marineführung, dass diese mit erheblicher Verspätung Rettungsmaßnahmen eingeleitet habe.

Bis zum Montagmorgen hatten die Ustinows Bergungsteams bereits 45 Leichen aus dem Wrack geborgen, das im Schwimmdock Roslajakowo bei Murmansk liegt. Von den seit Donnerstag geborgenen Opfern wurden bereits sieben identifiziert. Die Überreste wurden noch am Samstag von den Gerichtsmedizinern freigegeben und in ihre Heimatorte zur Beerdigung überführt.

Die Suche nach weiteren Opfern wurde am Sonntag allerdings durch Wasser und Öl erschwert, das aus einigen unteren Kammern des Boots noch nicht abgelaufen war, berichtete die Agentur Interfax. Das Gemisch müsse zunächst abgepumpt werden.

Neben dem Wasser erschwerten auch Schlamm vom Meeresboden sowie eine hohe Konzentration von Kohlendioxid in einzelnen Kammern die weiteren Bergungsarbeiten. "Die Entlüftung nimmt viel Zeit in Anspruch", wurde der Agentur im Stab der Nordmeerflotte mitgeteilt. Im vorderen Abschnitt der Kursk sorgten Trümmer und die durch die Explosionen entstandenen Schäden für weitere Probleme der Bergungstrupps.

Die Kursk war im Sommer vergangenen Jahres bei einem Flottenmanöver in der Barentssee nach mehreren Explosionen gesunken. Dabei waren alle 118 Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Spezialtaucher bargen bereits im Herbst des Vorjahres zwölf Leichen aus dem Unglücks-Boot. Die Kursk war in einer mehrwöchigen Aktion vom Grund der Barentssee gehoben und Mitte dieses Monats nach Rosljakowo gebracht worden.

Unter anderem erhoffen sich die Ermittler von der Untersuchung des Bootes weitere Aufschlüsse über die Unglücksursache. Inoffiziell gilt weiterhin die Explosion eines schadhaften Torpedos bei einem Übungsschießen als wahrscheinlichste Ursache.