Erziehungsdebatte: Sollen Eltern strenger sein? - DER SPIEGEL
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Erziehungsdebatte Sollen Eltern strenger sein?

Die von Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf angestoßene Diskussion spaltet Deutschlands Elternschaft. Rund die Hälfte spricht sich für strengere Erziehungsmethoden aus.
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Frankfurt am Main - Nach einer vom Fernsehsender RTL veröffentlichten Umfrage sind nur 31 Prozent der über 1000 Befragten mit den derzeitigen Erziehungsmethoden zufrieden. 49 Prozent sind der Umfrage zufolge für strengere Erziehungsmaßnahmen, 43 Prozent dagegen. Mit 95 Prozent sprachen sich die meisten Befragten dafür aus, dass Kinder Pflichten wie Aufräumen und Einkaufen erfüllen sollten. 87 Prozent finden, dass Kinder regelmäßig über ihre Schularbeiten berichten sollten, und 56 Prozent waren dafür, Kindern das Kaugummikauen in der Schule zu untersagen. Dagegen fanden nur 14 Prozent den Vorschlag gut, dass Kinder eine Schuluniform tragen sollen.

Kanzlergattin Schröder-Köpf wird wegen ihrer Forderung nach einer strengeren Kindererziehung unterdessen von der CSU angegriffen. Die bayerische Familienministerin Christa Stewens sagte der in Passau erscheinenden Wochenzeitung "Am Sonntag": "Ich habe nicht nur massive Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Initiative, ich halte sie sogar für unehrlich."

Stewens: "Wie lebt die Familie Schröder?"

Schröder-Köpf hatte gefordert, dass Eltern ihre Kinder wieder mehr erziehen und ihnen Werte wie Pflichtbewusstsein, Fleiß, Aufrichtigkeit und Anständigkeit vermitteln sollten. Stewens griff die Lebensverhältnisse des Ehepaars Schröder an. Unter Anspielung darauf, dass der Kanzler in Berlin lebt, seine Frau mit Tochter Klara aber in Hannover, fragte Stewens: "Wie lebt die Familie Schröder? Lebt sie uns diese Werte vor? Lebt uns der Bundeskanzler diese Werte vor, die seine vierte Ehefrau jetzt einfordert? Es besteht ein großer Gegensatz zwischen ihrer Forderung nach Wertevermittlung und seiner Politik der Wertebeliebigkeit." Allerdings räumte die bayerische Familienministerin auch ein, dass ein Kanzler beruflich stark eingespannt und viel unterwegs sei.

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) unterstützte am Wochenende den Vorstoß von Schröder-Köpf. "Erziehung bedeutet, Werte zu vermitteln, Freiraum zu lassen, aber gleichzeitig Grenzen zu setzen, auch gerade beim Konsum und beim Fernsehen", sagte die Ministerin der "Bild"-Zeitung. Auch habe es noch keinem Kind geschadet, im Haushalt mitzuhelfen oder sein Taschengeld einzuteilen.

"Alles beginnt in der Familie"

Auch der Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages, Klaus Haupt (FDP), sprach sich im Sinne von Schröder-Köpf aus. Man könne die Eltern nicht aus der Verantwortung entlassen, sagte er der "Sächsischen Zeitung". "Für mich beginnt alles in der Familie", sagte Haupt. Dort sei das "Übungsfeld für Sozialkompetenz. Ohne Normen ist die nicht zu erreichen." Was vielen Kindern in Deutschland aber vor allem fehle, sei Zuneigung, Liebe, Vertrauen, Zeit und Aufmerksamkeit.

Kritik an den Äußerungen Schröder-Köpfs hatte umgehend der Deutsche Kinderschutzbund geäußert. "Das bedient Vorurteile in der Bevölkerung", meinte Präsident Heinz Hilgers. "Was wir brauchen, ist eine partnerschaftliche Erziehung, bei der die Kinder ernst genommen werden." Kinder sollten vor allem dadurch erzogen werden, dass man ihnen zeigt: Die Eltern mögen die eigenen Sprösslinge und nehmen sie für voll. "Kinder brauchen Liebe", sagte Hilgers.

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