Flughafen Sendai Landebahn im Trümmerfeld
Flughafen Sendai: Landebahn im Trümmerfeld
Foto: Sergey Ponomarev/ APTokio - Fernsehbilder zeigten das unglaubliche Ausmaß des Tsunamis: Gewaltige Wassermassen wälzten sich in wenigen Minuten über das Gelände des Flughafens der Küstenstadt Sendai im Nordosten Japans. Hunderte Autos, Flugzeuge und Gebäude des Airports wurden bei der durch das Beben vom 11. März ausgelösten Riesenwelle auf die Landebahnen gespült. Auch das Terminalgebäude wurde überflutet.
Nun, fast fünf Wochen nach der Katastrophe, kehrt ein Stückchen Normalität in das zerstörte Sendai zurück: Der Flughafen ist wieder in Betrieb - auch wenn der Schutt auf dem Gelände noch nicht komplett beseitigt wurde.
Flug 4721 war die erste reguläre Verbindung mit dem Ziel Sendai seit dem Tsunami vom 11. März. Die Maschine der Japan Airlines (JAL) kam vom Tokioter Flughafen Haneda und landete gegen 8 Uhr morgens Ortszeit. Winkend begrüßten Airport-Mitarbeiter die 121 Passagiere auf dem Rollfeld. Auf der Maschine ist die Aufschrift "Halt durch, Japan!" zu lesen.
"Es ist wirklich schrecklich"
"Aus der Luft konnte ich sehen, dass die Küstengebiete völlig zerstört sind. Es ist wirklich schrecklich", sagte Matsuo Sato der Zeitung "Mainichi Daily News". Der 69-Jährige stammt aus Sendai und kehrte nach etwa einem Monat in die Katastrophenregion zurück. "Die Wiedereröffnung des Airports wird dem Wiederaufbau Sendais einen großen Schub verleihen", sagte Sato.
Sendai: Erste Landung auf verwüstetem Airport
Die mit Trümmern übersäten Landebahnen wurden unter anderem von US-Militärs geräumt und konnten seit einiger Zeit laut "Mainichi Daily News" vereinzelt von militärischen Flugzeugen mit Hilfslieferungen genutzt werden. Nun ist der Flughafen wieder für den regulären Betrieb geöffnet - wenn auch noch mit starken Einschränkungen. Vorerst kann nur ein Terminal genutzt werden. Bis zum 20. April sind zunächst täglich sechs Inlandsflüge aus Tokio und Osaka vorgesehen. Vor der Naturkatastrophe nutzten jährlich rund drei Millionen Passagiere den Flughafen. Mit einer kompletten Renovierung des Airports wird nicht vor September gerechnet.
Trotz dieser Einschränkungen dürfte die wiederaufgenommene Verbindung die Katastrophenhilfe für die umliegenden Gemeinden enorm erleichtern. Menschen aus dem Großraum Tokio und dem Westen des Landes können nun einfacher in den Nordosten reisen. "Wir können nur in einem kleinen Gebiet agieren, aber ich denke, es ist ein großer Schritt in Richtung Wiederaufbau", sagte JAL-Manager Naohito Nakano.
Kampf gegen den Super-GAU
Die Aufräumarbeiten in der Unglücksregion gehen weiter. Mitarbeiter des Energiekonzerns Tepco setzen ihren Kampf gegen den Super-GAU im zerstörten Kernkraftwerk fort. Mit Hilfe von Behelfspumpen leiteten sie hochgradig verseuchtes Wasser, das sich in einem Tunnelschacht des Reaktors 2 angesammelt hat, in einen Auffangbehälter des Turbinengebäudes, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press meldete. Die strahlende Brühe behindert die Bemühungen zur Kühlung der Reaktoren.
Am Mittwochmorgen hatten wieder Erdstöße der Stärke 5,8 das Land erschüttert. Berichte über Schäden oder Verletzte lagen nicht vor. Auch eine neue Tsunami-Warnung gab es nicht.
Japan hatte am Dienstag die Strahlengefahr von Stufe 5 auf die höchste Stufe 7 - und damit auf dasselbe Niveau wie Tschernobyl im Jahr 1985 - heraufgesetzt. Die Regierung korrigierte zudem ihre Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage im Land wegen der Katastrophe erstmals seit sechs Monaten nach unten. Das Erdbeben und der Tsunami vom 11. März hätten erhebliche Auswirkungen auf die wichtigen Exporte, die Produktion und den Privatverbrauch, hieß es dazu am Mittwoch. Zudem untersagte die Regierung wegen erhöhter Strahlenwerte den Handel von Pilzen, die in einigen Gegenden rund um Fukushima gewachsen sind.
In Hamburg kam das erste Containerschiff, das nach dem Tsunami den Hafen von Tokio verlassen hat, an. Die "MOL Majesty" wird seit Dienstagabend am Containerterminal Altenwerder entladen. Die Wasserschutzpolizei habe auf dem Schiff vorsorglich die Radioaktivität gemessen, sagte der Deutschland-Chef der Reederei MOL, Jan Holst. Es sei jedoch keine erhöhte Strahlung festgestellt worden.
Das war auch nicht zu erwarten, da das Schiff die japanischen Gewässer bereits verlassen hatte, als erstmals radioaktive Substanzen aus dem Reaktor Fukushima ausgetreten sind. Die "MOL Majesty" löscht und lädt rund 2000 Container, ehe sie in der Nacht den Hamburger Hafen wieder verlässt.