Flutkatastrophe "Die Stadt versinkt in der Donau"
Dresden/Passau/Wien - Die Wassermengen, die in den vergangenen Tagen vom Himmel fielen, sind enorm. Nach Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes fielen mancherorts so viel Niederschläge wie sonst in einem halben Jahr. Da die Böden in weiten Teilen Deutschlands und des benachbarten Auslands komplett durchwässert sind, haben die Wassermassen nur noch eine Abflussmöglichkeit: die Flüsse.
Elbe, Inn, Donau, Moldau. Egal wie die Flüsse heißen und wo sie fließen, sie sind inzwischen allesamt zur Bedrohung für die Menschen geworden, die an ihren Ufern leben. Mindestens fünf Menschen starben bereits in den Fluten, etliche werden vermisst. Passau und Prag bereiten sich auf eine Rekordflutwelle vor. Auch Dresden und Salzburg sind besonders von der Katastrophe betroffen.
Die sächsische Landeshauptstadt Dresden befindet sich im Ausnahmezustand. Die Elbe und mehrere kleinere Flüsse überschwemmten weite Teile der Metropole, ganze Stadtviertel wurden evakuiert. Ein Krankenhaus musste am Morgen geräumt werden, die Bahnverbindung ist unterbrochen. Nach Angaben von Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) wird sich der Pegel der Elbe von derzeit knapp sieben Meter bis Mittwochmorgen auf etwa 7,75 Metern erhöhen. Roßberg bezeichnete die Situation als "ernst, aber nicht hoffnungslos".
Noch kritischer als in Dresden sei die Lage im Osterzgebirge, sagte der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Thomas Uslaub. Viele Menschen seien von der Außenwelt abgeschnitten. Der Rettungsdienst hat mancherorts keine Chancen, zu den Opfern durchzudringen. Straßen sind nicht passierbar. In vielen Orten fiel zudem der Strom aus, viele Telefonleitungen sind unterbrochen.
Etwa 50 Menschen warten in der Frauenkirche im sächsischen Grimma auf Rettung. Hilfskräfte versuchen, mit Booten an die Kirche im Stadtzentrum heranzukommen. Allerdings sei die Strömung so stark, dass sich dieses Vorhaben äußerst schwierig gestalte, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. In der Grimmaer Innenstadt warte außerdem eine nicht bekannte Zahl von Anwohnern auf Hilfe. Man habe Hubschrauber angefordert, um die Menschen aus den gefährdeten Gebäuden zu evakuieren, hieß es.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurde in Sachsen der deutschen Regenrekord gebrochen: In Zinnwald im Erzgebirge fielen binnen 24 Stunden 312 Liter pro Quadratmeter. Bislang galten die am 7. Juli 1906 im sächsischen Zeithain gemessenen 260 Liter als höchste je in Deutschland registrierte Menge. Die vorangegangene Nacht mitgerechnet, seien in Zinnwald in 36 Stunden sogar 374 Liter pro Quadratmeter gefallen, berichteten die Wetterexperten in Offenbach.
Gigantische Regenmengen fielen auch auf dem Fichtelberg: Hier wurden 193 Liter pro Quadratmeter gemessen, in Dresden und Görlitz waren es 158 und 174 Liter. "Das ist mindestens die Hälfte der Menge, die sonst in einem Jahr fällt", sagte Konrad Döpke vom Deutschen Wetterdienst.
Die Wassermassen der Donau überfluteten am Dienstagvormittag die Passauer Altstadt. Am Mittag erreichte die Flutwelle in Passau dann mit 10,81 Meter ihren Höhepunkt. Gegen 14 Uhr wurde erstmals seit Auslösung des Katastrophenalarms ein minimaler Rückgang des Pegelstands registriert.
-
1 Min
-
1 Min
-
2 Min
-
2 Min
-
1 Min
-
1 Min
Leichte Entspannung meldeten die Landkreise Rosenheim und Ebersberg. Nach dem Ende des Regens wurde der Katastrophenalarm aufgehoben. Allerdings melden die Behörden einen weiter steigenden Wasserstand am Chiemsee.
Besonders katastrophal entwickelt sich das Donauhochwasser in der österreichischen Stadt Ybbs. "Die Stadt versinkt in der Donau. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen", sagte der Bürgermeister. Rund 3000 Menschen säßen in ihren Häusern fest.
Kritisch war die Lage auch im niederösterreichischen Wald- und oberösterreichischen Mühlviertel. Im Kamptal, das schon in der Vorwoche vom Hochwasser verwüstet worden war, wurden die Menschen aus den Häusern entlang des Flusslaufes in Sicherheit gebracht. Die drei großen Stauseen öffneten alle Schleusen, weil sie das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten. Im Mühlviertel (östlich von Linz) brach ein Damm des Aist-Baches, wodurch großflächige Überflutungen ausgelöst wurden.
Auch Prag droht nach Angaben von Oberbürgermeister Igor Nemec ein Jahrhundert-Hochwasser. Die aus Südböhmen kommenden Fluten werden am frühen Dienstagmittag die bereits teilweise überschwemmte Stadt erreichen. In strömendem Regen setzten die Rettungskräfte in der Hauptstadt die Evakuierung von fünf direkt an der Moldau liegenden Stadtbezirken fort. Etwa 40.000 Menschen sollen in Ersatzunterkünften untergebracht werden. Aus Sicherheitsgründen wurden die historische Karlsbrücke sowie mehrere Metro-Stationen gesperrt. In der südböhmischen Stadt Budweis überstieg das Wasser am Morgen die Sandbarrieren und begann die Innenstadt zu überfluten.