Kriminelle nutzen Flutkatastrophe aus »Das ist wirklich unerträglich«
Herbert Reul (CDU): »Ein riesengroßes Dankeschön an die Helferinnen und Helfer«
Foto: Oliver Berg / dpaKriminelle haben die Aufräumarbeiten während der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen offenbar ausgenutzt. Bisher seien 65 Fälle von Diebstahl und 31 Fälle von besonders schwerem Diebstahl sowie zwölf Betrugsfälle bekannt geworden, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf im Innenausschuss des Landtags.
Zudem wurden Körperverletzung, Sachbeschädigung und Unterschlagung in 15 Fällen registriert. »Deswegen ist und bleibt die Polizei natürlich auch vor Ort«, sagte Reul weiter. Bisher gab es laut Minister 23 Festnahmen, in vier Fällen sei Untersuchungshaft angeordnet worden.
Helfer mit Schlamm beworfen
Vielfach seien Einsatzkräfte durch Schaulustige behindert worden. »Das ist wirklich unerträglich«, sagte Reul laut »Express« . Man werde »auf keinen Fall dulden«, dass die Not anderer Menschen ausgenutzt werde. Helfer seien sogar mit Schlamm beworfen worden. Hier habe man mehr als 4300 Platzverweise ausgesprochen.
Reul äußerte sich jedoch auch positiv: »Die allermeisten, die jetzt in die Regionen kommen, wollen nichts klauen und sich bereichern, sondern mit anpacken. Und deshalb: ein riesengroßes Dankeschön an die Helferinnen und Helfer.«
Inzwischen werden in den Flutgebieten des Bundeslands dem Politiker zufolge keine Menschen mehr vermisst. Es seien 47 Todesopfer zu beklagen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden 23 Menschen vermutlich auf der Straße von den Wassermassen erfasst und in den Tod gerissen. 23 Personen habe man leblos aus ihren Wohnräumen oder Kellern geborgen. In einem Fall konnte die Todesursache noch nicht geklärt werden. Vier Verstorbene seien Feuerwehrleute.
Sachschaden gehe »in die Milliarden«
Der Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten wird sich Reul zufolge langwierig gestalten. Nach dem Retten und Bergen gehe es nun um Aufräumen, Reparieren und den Wiederaufbau, was an manchen Orten »Wochen, Monate und zum Teil Jahre« dauern könne. Der Sachschaden – privat wie öffentlich – gehe »in die Milliarden«. Auch die Versorgung mit Trinkwasser, Strom, Gas und die Telekommunikationsnetze seien schwer getroffen und funktionierten in Teilen der Krisenregionen auch weiterhin nicht.
Reul sagte, es handele sich um die größte Naturkatastrophe, die NRW je durchlitten habe. Experten gingen von »mindestens« einem Jahrhundert-Unwetter aus. Bis zu 23.000 Kräfte von Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Technischem Hilfswerk und Krisenstäben seien im Einsatz gewesen.
Zu Beginn der Sitzung legten die Abgeordneten und der Minister eine Schweigeminute ein: für die Betroffenen der Überschwemmungen, aber auch der Explosion im Leverkusener Chempark mit mindestens zwei Todesopfern am Dienstag sowie für alle Helfer.