Stierkampf: Rache des Hornviehs
Madrilenischer Matador Hörner am Hintern
Madrid - Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Rafael Cerro dem Stier den Rücken zugewandt. Das reichte. Der Bulle näherte sich ihm und nahm ihn auf die Hörner - und zwar buchstäblich am Hintern. Er zerfetzte den Stoff des sündhaft teuren Anzugs, fast sah es aus, als habe er das Fleisch durchbohrt. Wie eine Puppe hob der Stier den 23-Jährigen fast waagerecht in die Luft, so dass er nur noch mit den Beinen in den himbeerroten Strümpfen strampeln konnte.
Dem Publikum in der Arena Las Ventas in Madrid stockte der Atem. Kaum fassbar, aber wahr: Der Matador kam mit leichten Verletzungen davon, ebenso wie der nach ihm auftretende Kollege Sebastián Ritter.
Cerro gilt als aufstrebender Star im Stierkampfbusiness. Er beherrscht die Kunst des pathetischen Auftritts in einem blutigen Spektakel, dessen Verlierer von vornherein feststeht. Ganz in Weiß war der Torero in die Arena Las Ventas in Madrid gekommen, auf Knien empfing er "seinen Stier" zum Kampf. Erst im April hatte er sich bei einem Kampf schwere Bauchverletzungen zugezogen und eine Zeit im Krankenhaus verbracht. "Ich habe starke Schmerzen", sagte er damals.
Die hatte der Stier mit Sicherheit auch. Nachdem er ihn blutig gestochen und müde gemacht hatte, versetzte Cerro ihm den Todesstoß.