Wetterchaos: Blitze, Fluten, Häuserbrand - DER SPIEGEL
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Wetterchaos Blitze, Fluten, Häuserbrand

Einen Tag nach dem tragischen Sturm-Tod von drei Frauen in Baden-Württemberg sind Teile Deutschlands noch immer im Griff heftiger Gewitterfronten. In Hamburg und Thüringen kam es zu Stromausfällen, Überflutungen und Häuserbränden.
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Hamburg - In der Nacht suchte ein heftiges Gewitter auch den Norden der Republik heim. In Hamburg wurden Straßen und Keller überflutet, abgebrochene Äste fegten über die Straßen. Ein Blitz schlug in den Dachstuhl eines Hauses ein und löste einen Brand aus. Die Feuerwehr musste zu insgesamt 58 Einsätzen ausrücken - verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Auch im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein war die Feuerwehr ständig im Einsatz, um Keller auszupumpen. Zeitweise standen Straßen so unter Wasser, dass sie kurzzeitig für den Verkehr gesperrt werden mussten. Zwei Bahnunterführungen waren zeitweise nicht passierbar.

Auf der Bahnstrecke Hamburg-Hannover mussten am späten Dienstagnachmittag die Züge umgeleitet werden, weil bei Celle ein Baum auf die Oberleitung gestürzt war. Zwischen Hamburg und Bremen war stundenlang nur noch ein Gütergleis befahrbar. Ursache war eine technische Störung in einem Stellwerk - vermutlich durch einen Blitzeinschlag.

Drei Tote und viele Schaulustige in Baden-Württemberg

Nach dem schweren Unwetter im baden-württembergischen Jungingen und Hechingen (Zollernalbkreis) gehen am Mittwoch die Aufräumarbeiten weiter. In der Nacht zum Dienstag waren hier nach heftigen Überschwemmungen drei Frauen ertrunken. Es entstanden Schäden in zweistelliger Millionenhöhe.

Zwar hat die Polizei den größten Teil der überfluteten Keller bereits leergepumpt und die Straßen freigegeben. Es kommt jedoch immer wieder zu Behinderungen der Aufräumarbeiten durch Schaulustige. An Orten wie Jungingen oder Hechingen drängen sich der Polizei zufolge zahlreiche Neugierige. Am Dienstag seien allein 20 Polizisten abgestellt worden, um Zuschauer zurückzudrängen und die Arbeiten durch Absperrungen zu sichern. "Diese Beamten hätten wir natürlich gut an anderer Stelle gebrauchen können", sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Dennoch: "Das normale Leben kann so langsam wieder beginnen", meinte ein Sprecher des Krisenstabes im Landratsamt in Balingen. Insgesamt sind in der Region noch rund 500 Rettungskräfte im Einsatz.

Vor allem das 1500-Einwohner-Dorf Jungingen im Killertal wurde verwüstet und war eine Stunde von der Außenwelt abgeschnitten. Das Wasser stand bis zu zwei Meter hoch und verursachte große Schäden. Bis zu 30 Autos wurden weggespült, Häuser drohten einzustürzen. "Das ist eine unheimliche Katastrophe", hatte Bürgermeister Harry Frick gesagt. "Die Aufräumarbeiten auf der Straße werden noch Tage dauern, die Renovierungsarbeiten in den Häusern noch Monate", so Frick.

Frau in letzter Sekunde vor Ertrinken gerettet

Auch in Thüringen tobten in der vergangenen Nacht Gewitter. Hier wurde eine 55-Jährige in letzter Sekunde vor dem Ertrinken gerettet. Die Frau sei zu Fuß an einem offenen Kanalisationsgraben entlang gelaufen, als plötzlich Wasser- und Schlammmassen durch den Graben rauschten, berichtete die Polizei. Die Frau verlor das Gleichgewicht und fiel in den Graben. Ein Mann, der ihr sofort zur Hilfe eilte, wurde mitgerissen. Mehreren Helfern gelang es schließlich, beide zu retten. Die Frau wurde schwer verletzt, der Mann leicht.

Im Bundesland Thüringen legten die Wassermassen Strom- und Gasleitungen frei - 700 Haushalte mussten stundenlang ohne Elektrizität auskommen. Im Süden Sachsen-Anhalts saßen am Abend rund 8600 Menschen im Dunkeln, nachdem Blitze in die Mittelspannungsleitungen eingeschlagen waren.

In einem Wohnhaus im thüringischen Hartmannsdorf schlug während des Unwetters der Blitz ein. Ein Passant hörte laut Polizei einen lauten Knall, dann sei schon Feuer aus dem Dachstuhl geschlagen. Allein hier beläuft sich der entstandene Schaden auf 250.000 Euro. In der ganzen Region wurden Straßen und Keller überflutet.

Messungen des Wetterdienstes meteomedia zeigten, dass es zwischen Halle und dem östlichen Harz binnen sechs Stunden verbreitet 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben hat. Punktuell seien bis zu hundert Liter geflossen.

Kaum Wetterbesserung in Sicht

Auch am Mittwoch bleibt nur der Norden vom Regen verschont: Dem Deutschen Wetterdienst zufolge wird es nordöstlich der Elbe sonnig und trocken bei 24 bis 29 Grad, an der Ostsee ein wenig kühler. Im übrigen Deutschland drohen teilweise kräftige Niederschläge: Von der Nordsee bis nach Ostbayern sowie im äußersten Süden wird es regnen.

Auch im gesamten Westen und Süden sowie im Mittelgebirgsraum wird es ab Mittag zu schauerartige Regenfällen und teils kräftigen Gewittern kommen. Hier drohen Starkregen, Hagel und Sturmböen bei Höchstwerten von 18 bis 24 Grad.

Ala/AP/dpa