Rangelei mit Greta Thunberg bei einer Klimademonstration in Amsterdam:
»Ich bin wegen einer Klimademonstration hier, nicht wegen einer politischen Meinung.«
Der Mann wird von der Bühne geführt. Was war passiert? Mit einem schwarz-weißen Palästinensertuch um den Hals hatte die bekannteste Umweltaktivistin der Welt erklärt, die Klimaschutzbewegung habe die Pflicht, «auf die Stimmen jener zu hören, die unterdrückt sind und die für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen». Im Publikum sind palästinensische Fahnen zu sehen und »Palästina wird frei sein«-Rufe zu hören. Ständig hätten Redner über den Nahen Osten gesprochen und einzelne die Stimmung gegen Israel aufgeheizt.
Greta Thunberg, Klimaaktivistin: »Keine Klimagerechtigkeit auf besetztem Land!«
Damit habe sie offenkundig auf die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete angespielt. Der Auftritt wurde von vielen Seiten kritisiert, auch deutsche Klimaaktivistinnen verurteilten diese politische Vereinnahmung.
Mit ihren Schulstreiks hatte Greta Thunberg 2018 die Gruppe »Fridays for Future« ins Leben gerufen, um auf die drängenden Probleme der Klimakrise aufmerksam zu machen. Im selben Jahr wird sie mit erst 15 Jahren zu einer Weltklimakonferenz eingeladen. Immer wieder mahnt sie die mächtigsten Staatschefs zum Handeln.
Greta Thunberg, Klimaaktivistin: »Wir müssen es vor allem als eine existenzielle Krise sehen. Und solange es nicht als Krise behandelt wird, können wir noch so viele Verhandlungen, Gespräche und Konferenzen zum Klimawandel abhalten. Es wird nichts ändern.«
»Fridays for Future« wächst in den Folgejahren zu einer weltweiten Bewegung an, Thunberg wird ihre Ikone. 2019 reist sie mit dem deutschen Skipper Boris Herrmann getreu ihrer Überzeugungen per Segelboot über den Atlantik zum UN-Klimagipfel nach New York. Immer wieder wird sie als politische Gegnerin von Klimaleugnern wahrgenommen, wie etwa 2020 beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit ihrer Grimasse gegenüber Donald Trump.
Protestgesänge: »What do we want? Climate justice! When do we want it? Now!«
2019 schrieb sie auf X, damals Twitter: »Ich werde manchmal als »politisch« bezeichnet. Aber ich habe nie eine politische Partei, einen Politiker oder eine Ideologie unterstützt. Ich kommuniziere die Wissenschaft und die Risiken, die entstehen, wenn wir nicht danach handeln.«
Der internationale Instagram-Account von Fridays for Future, auf den Greta Thunberg großen Einfluss haben soll, glorifizierte schon 2021 palästinensischen Terrorismus. »Unsere Herzen sind mit den Märtyrern«, schrieb man damals. »Ihr Blut wird nicht vergessen sein.« Auf Instagram empfiehlt Thunberg außerdem Social Media-Accounts, von denen einer den Terrorangriff der Hamas als »revolutionären Tag« bezeichnet, auf den man »stolz« sein könne. Mitte Oktober ruft sie in sozialen Netzwerken zu einem Streik für Solidarität mit den Palästinensern auf.
Viele ihrer bisherigen Anhänger kritisieren, sie stelle ihre Pro-Palästina-Haltung über den Klimaschutz und schade damit der Bewegung. Außerdem verharmlose die Aktivistin den Hamas-Terror, sie habe die israelischen Opfer des Hamas-Massakers nicht gesondert erwähnt. Und sie würde antisemitischen Aktivistinnen eine Bühne bieten. Thunberg verteidigte sich nachträglich mit einem Tweet auf X: selbstverständlich sei sie gegen den schrecklichen Angriff der Hamas.
Doch der jüngste Nahostkonflikt spaltet bereits die Klimabewegung. Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer sagte der Deutschen Presseagentur bereits Ende Oktober: »Wir distanzieren uns von den antisemitischen Posts auf internationalen Kanälen nachdrücklich.«