Großstadtgeschichten Der lange Weg der Gudrun K.
Berlin - Der Hauptstädter traute seinen Augen nicht, als er eine 20 Zentimeter große Krabbe entdeckte, die hilflos in seinem Garten im Berliner Stadtteil Lichtenberg herumkroch. Weder Tierpark noch Zoo-Aquarium hatten Platz für den Meeresbewohner. Erst im Berliner Tierheim konnte der Mann das gepanzerte Tierchen abgeben.
Dort stellte man fest, dass es sich um eine Strandkrabbe mit dem lateinischen Namen Carcinides maenas handelte. Und die gehören mitnichten in die Großstadt, sondern sind an Nord- und Ostsee heimisch. Jemand habe das Tier, so vermuteten die Pfleger, wohl aus dem Urlaub mitgebracht und dann freigelassen. Also bekam die Krabbe zunächst einen Namen ("Gudrun") und dann ein Behelfsheim - eine Plastikwanne mit Sand, Wasser und Schlamm.
Auch wenn Gudrun sich flugs verbuddelte, dort konnte sie nicht bleiben. Schließlich sollte die Krabbe wieder zurück in ihr natürliches Element. So wandten sich die Mitarbeiter des Tierheims mit einem ungewöhnlichen Aufruf an die Öffentlichkeit: Die kleine Gudrun sucht eine Mitfahrgelegenheit ans Meer. Ein Team der Zeitung "B.Z." erbarmte sich, packte die Strandkrabbe in einen roten Smart und kutschierte sie an die Küste. Am Ostseestrand von Boltenhagen entschwand Gudrun in die Freiheit.