Halleneinsturz Suche nach Vermissten wieder aufgenommen
Bad Reichenhall - In den Trümmern der eingestürzten Eissporthalle in Bad Reichenhall hat am Abend eine Spezialfirma die Arbeit aufgenommen. Bei grellem Scheinwerferlicht und Schneefall begannen die Fachleute, das einsturzgefährdete Dach abzutragen. Dabei gab es gegen 23 Uhr zu allem Unglück auch noch eine Panne: Einer der Spezialbagger fiel aus. Ein Reservebagger wurde umgehend angefordert. Danach sollten noch in der Nacht gut hundert Rettungskräfte ihre Suche in den Trümmern nach den Vermissten - drei Kinder im Alter von 12 bis 16 Jahren sowie eine 40-jährige Frau - wieder aufnehmen. "Wir geben nicht auf, bis auch die letzte Person gerettet beziehungsweise geborgen wurde", sagte Kreisbrandrat Rudi Zeif. Polizeisprecher Peter Huber erklärte: "Zunächst müssen aber schwere Trümmer herausgehoben werden - es besteht derzeit Lebensgefahr für Personen, die sich auf dem Trümmerfeld aufhalten."
Mit einer Lichterkette gedachten am Abend rund 500 Menschen der Opfer, viele hatten Tränen in den Augen. Die meisten Toten sind Kinder oder Jugendliche, die beim Freizeitsport überrascht wurden. Die Glocken der umliegenden Kirchen läuteten 20 Minuten lang. Für Anfang kommender Woche ist ein Trauergottesdienst geplant.
Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, ist minimal. Bis zum Nachmittag bargen die Hilfskräfte elf Tote aus der völlig zerstörten Halle, dann mussten sie die Arbeiten wegen Einsturzgefahr zeitweise unterbrechen. Erst mit dem Spezialgerät konnten gegen 21.30 Uhr die Räumarbeiten wieder aufgenommen werden.
Vor dem Unglück war nasser Schnee gefallen. Der Wetterdienst Salzburg erklärte, der feuchte Schnee sei mit einem Gewicht von 300 Kilo pro Kubikmeter extrem schwer gewesen. Insgesamt hätten zum Zeitpunkt des Einsturzes mindestens 180 Tonnen Schnee auf dem Dach gelegen. Zwar wurde die Belastung des Daches kurz vor dem Kollaps überprüft, dennoch gab es Spekulationen über Versäumnisse der Behörden. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
Der Direktor der Fakultät Bauingenieurwesen der Ruhr-Universität Bochum, Reinhard Bergmann, sagte: "Für das Unglück in Bad Reichenhall gibt es aus meiner Sicht als Erklärung nur mangelnde Wartung." Der Traunsteiner Polizeisprecher Fritz Braun erklärte dagegen, die Dachkonstruktion der Halle sei nicht mangelhaft gewesen. Im ZDF sagte er, es habe Überlegungen im Stadtrat gegeben, vor allem sanitäre und technische Einrichtungen in der Eis- und Schwimmhalle zu erneuern. Auch Bürgermeister Wolfgang Heitmeier bezeichnete den Einsturz als derzeit nicht erklärbar und wies Vorwürfe zurück, das Gebäude sei sanierungsbedürftig gewesen.
Mit schwerem Räumgerät und Kränen, aber auch bloßen Händen hatten Hunderte Rettungskräfte versucht, an die Verschütteten heranzukommen. Schließlich drückten die Trümmer eine Außenwand weg und die Gefahr für die Helfer selbst wurde zu groß. "Es wäre nicht zu verantworten, dass weiter Rettungskräfte hineingehen und nach Vermissten suchen", teilte Landrat Georg Grabner am Nachmittag mit.
Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion der Leichen an. Zudem begannen die Ermittler, Unterlagen und Pläne sicherzustellen, um sie Sachverständigen für Gutachten zur Verfügung zu stellen. Es sei nicht mit einem raschen Ergebnis zu rechnen, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Helmut Vordermeier. "Wir stehen mit unserer Arbeit am Anfang."