Werkzeug aus Holzresten: Das ist der Hammer
Gesägt, getan Behämmerte Idee
Mit Werkzeug etwas zu bauen, das ist Heimwerkeralltag. Aber Werkzeug zu bauen? Benjamin Schulz hat's versucht - und stellte fest: Das größte Problem ist der Kopf.
Heimwerken ist in mancher Hinsicht ein Abbild der Welt. Hier wie dort ist das Feine, chirurgisch Präzise wenig wert ohne einen Haudrauf, der der gemeinsamen Mission Nachdruck verleiht: Was wäre Terence Hill ohne Bud Spencer? Was bringt das tollste Auto, wenn der Motor zu schwach auf der Brust ist?
Womit wir bei meinem Versuch sind, ein Stück Baumstamm auszuhöhlen. Dabei waren meine Stechbeitel das wichtigste Werkzeug. Aber ohne die Schlagkraft eines entsprechenden Holzhammers wären sie nutzlos gewesen. In dem Fall war es ein selbst gebasteltes Klopfholz, schnell zusammengeschustert aus einem Stück Rundholz, einem Rest Zaunpfosten und ein paar Schrauben. Damit ließ sich arbeiten. Aber so richtig angenehm liegt das Ding nicht in der Hand.
Werkzeug aus Holzresten: Das ist der Hammer
In mir wuchsen der Wunsch und die Idee, einen besseren Hammer selbst herzustellen. Im Idealfall sollte er hübsch anzusehen sein und ohne Schrauben auskommen - schon allein, um süffisant-spöttischen Blicken und Kommentaren aus meinem nächsten Heimwerker-Umfeld zu entgehen.
Es gibt kaum ein archaischeres Werkzeug als den Hammer. Denkbar einfach, denkbar effektiv. Es kann ja kein Zufall sein, dass sich ausgerechnet die Redewendung "Das ist der Hammer" etabliert hat.
Bei so gut wie jedem anderen Werkzeug wäre ich vor der Eigenproduktion zurückgeschreckt. Ein schöner Holzhammer schien mir indes möglich.
Das war vielleicht behämmert. Aber die Gelegenheit war günstig, weil ich das Material schon im Schuppen rumliegen hatte. Und im schlimmsten Fall würde ich zwei Abfallstücke Holz verhunzt haben - auch kein großer Verlust.
Wenn man schon eins auf den Kopf bekommt, dann wenigstens mit Stil
Was soll ich sagen? Ich habe gesägt, gefeilt, geschliffen und gebohrt. Das Ergebnis gefällt mir. Der Hammer sieht so aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Er besteht nur aus Holz und ein bisschen Leim, von Schrauben keine Spur. Selbst wenn er sich als untaugliches Werkzeug entpuppen sollte, werde ich ihn gern anschauen.
Erste Tests sind indes vielversprechend verlaufen. Ich kann die Schlagkraft besser dosieren als mit dem alten Hammer. Und es kommt mir so vor, als fühlten sich meine Stechbeitel fast ein wenig geschmeichelt, von so einem hübschen Werkzeug ins Holz getrieben zu werden.
In der Hinsicht sind Stechbeitel wie Menschen, da bin ich ziemlich sicher: Wenn man schon eins obendrauf bekommt, dann wenigstens mit Stil.
P.S. Einige Leser haben mir nach meinem Aushöhl-Versuch sehr liebe Mails geschrieben. Das hat mich ermutigt, das Projekt noch ein wenig weiterzuverfolgen - in der Hoffnung, dass doch noch etwas zu retten ist. Das Ergebnis meiner Bemühungen sehen Sie hier:
Misslungenes Projekt: Retten, was nicht mehr zu retten ist