Hugh Gusterson - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Hugh Gusterson

Der 43-jährige Anthropologe und Buchautor über Atomwaffeningenieure in Russland und den USA
• aus DER SPIEGEL 23/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Was unterscheidet einen Atomwaffenentwickler von uns gewöhnlichen Menschen?

Gusterson: Für mich war überraschend, wie normal diese Menschen sind. Keine Monster, die von Geburt an böse wären. Der Anteil an aktiven Kirchgängern ist bei ihnen sogar höher als anderswo. Worin sich ihr Leben am meisten von unserem unterscheidet, ist die ungeheure Geheimhaltung, unter der sie ihren Job erledigen müssen.

SPIEGEL: Jemand, der Massenvernichtungswaffen entwickelt, muss doch andere ethische Maßstäbe haben als andere Leute.

Gusterson: Nicht unbedingt. Ich traf einige Wissenschaftler, die mir glaubhaft versicherten, sie würden niemals konventionelle Waffen entwickeln. Mit konventionellen Waffen würden ja tatsächlich Menschen getötet. Atomwaffen werden aber entwickelt, um abzuschrecken, nicht um eingesetzt zu werden - so sagen sie jedenfalls.

SPIEGEL: Ist es also nur ein Zufall, ob jemand Atomwaffen entwickelt oder ob er Arzt wird?

Gusterson: Diese Wissenschaftler haben nach ihrem eigenen Empfinden viel mit Chirurgen gemein: Ihre Arbeit ist nicht schön, aber am Ende, so glauben sie, nutzt ihr Tun der Menschheit.

SPIEGEL: Gibt es Unterschiede zwischen amerikanischen und russischen Atomwissenschaftlern?

Gusterson: Als in den neunziger Jahren Russen und Amerikaner erstmals zusammentrafen, spürten sie eine Art Verwandtschaft. Wie Cousins. »Endlich jemand, der uns versteht«, sagten sie. Einen Unterschied gab es aber: Die Amerikaner sind felsenfest davon überzeugt, dass die Technik beherrschbar ist. Die Russen sind da skeptischer. Darin ähneln sie den Europäern.

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