Boote in Seenot Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet
Rom - Der Flüchtlingsstrom nach Italien reißt nicht ab. Bei insgesamt vier Rettungsaktionen wurden mehr als 400 Migranten in der Nacht zum Dienstag im Mittelmeer aus Seenot gerettet und auf die Insel Lampedusa oder nach Sizilien gebracht. Italienische Marine und Küstenwache sicherten ein Boot mit etwa 250 Migranten aus Eritrea an Bord, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das Boot wurde in dem Gebiet zwischen Malta und Lampedusa entdeckt, in dem am Freitag Dutzende Flüchtlinge bei einem Schiffbruch gestorben waren.
Rund hundert Kilometer südlich von Lampedusa retteten Helfer etwa 80 illegale Einwanderer von einem anderen Schiff. Die Einsätze folgten auf den Beginn einer neuen Überwachungsmission, die tags zuvor von der italienischen Regierung beschlossen worden war: Dabei werden zusätzliche militärische und zivile Schiffe sowie Flugzeuge zur Überwachung des Mittelmeers eingesetzt, um - wie es offiziell heißt - in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten und Menschenschmuggler abzuschrecken.
Vorgesehen ist auch der Einsatz von Drohnen und Hubschraubern und moderner Nachtsichtausrüstung. "Es wird eine militärische und humanitäre Aktion sein, die die Überwachungs- und Rettungsmaßnahmen im offenen Meer verstärkt, um die Sicherheit zu erhöhen", sagte Verteidigungsminister Mario Mauro.
Mehr Tote bei Unglück zwischen Malta und Lampedusa?
Bei der Katastrophe am vergangen Freitag könnten nach Aussage des maltesischen Regierungschefs Joseph Muscat bis zu 200 Flüchtlinge ums Leben gekommen sein. "Wir haben die Befragung der Überlebenden abgeschlossen, dabei ergaben sich zu der Zahl der Menschen an Bord unterschiedliche Angaben", sagte Muscat. Unklar sei dabei, welche Zahlen richtig seien, den Angaben zufolge könnten aber zwischen 50 und 200 Menschen gestorben sein. Offiziell bestätigt wurde bislang der Tod von 38 Bootsflüchtlingen.
Am 3. Oktober waren bei einer Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa mindestens 364 Menschen aus Afrika ums Leben gekommen. Die Tragödie hatte eine neuerliche Debatte über die umstrittene Flüchtlingspolitik der Europäischen Union befeuert und Italien abermals dazu veranlasst, mehr Unterstützung durch andere EU-Länder anzufordern.
Nach Schätzungen des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind in diesem Jahr bereits rund 32.000 Flüchtlinge in Italien und Malta eingetroffen. Viele von ihnen stammen aus Eritrea, Somalia und Syrien.
Ähnlich wie Italien wird auch Griechenland von vielen Flüchtlingen als Eingangstor in die EU angesteuert. Südlich der Halbinsel Peloponnes griffen die Behörden des Landes am Dienstag Dutzende schiffbrüchige Syrer auf, darunter elf Frauen und 18 Kinder. Die 73 Flüchtlinge wurden laut Hafenwacht unversehrt in Kalamata an Land gebracht.