Indien Noch 125.000 Menschen werden vermisst
Neu Delhi/Bhuj - Soldaten bargen am Sonntag zwei Männer und ein Mädchen lebend aus den Trümmern eingestürzter Gebäude in der am schwersten betroffenen Stadt Bhuj.
Auch die aus der Schweiz eingeflogenen Suchhund-Teams konnten kurz nach ihrer Ankunft einen Erfolg vermelden. Sie spürten in der Großstadt Ahmedabad zwei Überlebende auf. Wie der Informationsbeauftragte der Rettungskette, Fred Lauener, mitteilte, wurden ein 14-jähriger Junge und dessen Mutter aus den Trümmern geborgen.
Nach offiziellen Angaben wurden bislang 6.072 Menschen tot geborgen. Nach Berichten des Fernsehsenders "Zee News" könnte die Zahl dramatisch ansteigen, da noch 125.000 Menschen unter den Trümmern vermisst würden. Am Sonntag sollen Hilfstrupps aus Deutschland und der Schweiz mit Spürhunden eintreffen, um nach Überlebenden zu suchen.
Anders als nach früheren Katastrophen lässt Indien Helfer wie die Experten des deutschen Technischen Hilfswerks unbürokratisch ins Land. "All diese Leute bekommen bei ihrer Ankunft ein Visum", sagte Bhaskar Barua vom Krisenstab und fügte hinzu: "Wir akzeptieren Hilfsangebote befreundeter Länder." Auch Großbritannien, Taiwan und andere Länder schicken Fachleute. Pakistan bot ebenfalls Hilfe an.
Ein Nachbeben der Stärke 5,9 erschütterte am Sonntagmorgen das Katastrophengebiet im Unionsstaat Gujarat. "Die Leute liefen auf die Straße, die Erdstöße haben aber keine weiteren Schäden angerichtet", sagte Haren Pandya, der Innenminister von Gujarat. Dort hatte das Beben am Freitag mit einer der Stärke 7,9 auf der Richterskala mehrere Städte teilweise zerstört.
Wirtschaftskrise befürchtet
Das Erdbeben, das stärkste in Indien seit 51 Jahren, hat auch eine wirtschaftliche Katastrophe zur Folge. Der indische Industrie- und Handelskammerverband FICCI schätzt die Gesamtschäden an Gebäuden und durch Produktionsausfälle auf mehr als umgerechnet fünf Milliarden Mark. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe sind vom Erdbeben betroffen. Die meisten von ihnen waren nicht versichert.
Die EU-Kommission hat rund sechs Miollionen Mark Soforthilfe für das Erdbebengebiet Gujarat zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag könne noch erhöht werden, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Experten des EU-Katastrophenhilfsprogramms wurden in die Region entsandt. "Die Gruppe wird dort den Schaden bewerten", sagte ein Sprecher. Dann werde die Kommission entscheiden, wie sie weiter helfen werde.