Erdbeben auf Sumatra: Nichts als Zerstörung
Indonesien Weiteres schweres Erdbeben erschüttert Sumatra
Jakarta - Nur einen Tag nach dem schweren Erdbeben vor Sumatra ist die indonesische Insel von weiteren schweren Erdstößen erschüttert worden. Wie das Geophysikalische Institut der USA am Donnerstag mitteilte, erreichte das neue Beben eine Stärke von 6,8. Das Epizentrum habe 226 Kilometer südwestlich der Stadt Padang in einer geringen Tiefe von 24 Kilometern gelegen. Padang war durch das Beben vom Mittwoch bereits besonders schwer betroffen.
Erdbeben in einer geringen Tiefe auf Land haben im Allgemeinen eine große Zerstörungskraft. Die Rettungskräfte arbeiteten in strömendem Regen daran, die Opfer des ersten Bebens zu retten, als weitere Erdstöße die Region ereilten. Zunächst lagen keine Informationen über Opfer und Schäden des zweiten Erdbebens vor.
Das erste Beben hatte Sumatra am Mittwoch mit einem Epizentrum 50 Kilometer vor Padang getroffen. Tausende Menschen wurden unter den Trümmern begraben - in der 900.000-Einwohnerstadt stürzten Wohn- und Krankenhäuser, eine Moschee, ein Hotel sowie ein Klassenraum ein, teilten Behördensprecher mit. Zahlreiche Gebäude gerieten in Brand, der Strom fiel aus. Ein Sprecher des Katastrophendienstes sagte, mehr als 500 Häuser seien allein in Padang zerstört.
Die Zahl der Todesopfer ist nach Angaben der Regierung auf 467 gestiegen. Da die Rettungskräfte allerdings nur langsam zu den Opfern vordringen können, wird die Zahl in den kommenden Tagen vermutlich weiter steigen.
"Wir benötigen dringend Hilfe"
Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Opfer auf ganz Sumatra wesentlich höher sein wird, da viele ländliche Gebiete wegen der Schäden zunächst nicht erreichbar waren. Viele Zufahrtsstraßen waren bereits nach dem ersten Beben von Erdrutschen zugeschüttet und unpassierbar, berichteten lokale Rettungsdienste. Lokale Fernsehsender berichteten gar von mehr als 24 Erdrutschen.
Die Telefonverbindungen waren zum Teil unterbrochen. Vor allem in den Bezirken Padang Pariaman und Sungai Giringging sollen Hunderte Häuser eingestürzt sein.
Ein Mitarbeiter des indonesischen Gesundheitsministeriums sagte, es könnten Tausende Menschen bei dem Beben am Mittwoch ums Leben gekommen sein. Es werde mit schlimmeren Ausmaßen als nach dem Beben von Yogyakarta vor drei Jahren gerechnet, sagte Gesundheitsministerin Siti Fadilah Supari. Damals waren mehr als 5800 Menschen ums Leben gekommen.
Die Erdbebenexperten des Schweizer Forschungsinstituts Wapmerr gehen hingegen nur von dreistelligen Todeszahlen aus. Die Forscher schätzen unmittelbar nach schweren Beben weltweit, wie viele Menschen dabei verletzt und getötet wurden. Basis sind seismische Daten von dem Beben selbst (Stärke, Tiefe, Lage des Epizentrums) und Informationen über Besiedlungsdichte und die Stabilität der Häuser. Daraus berechnen die Wissenschaftler mit einem Modell die möglichen Schäden. Im Fall des gestrigen Sumatra-Bebens lautet die Wapmerr-Prognose maximal 200 Tote, beim zweiten Beben sind es maximal 50 Tote. Offenbar sind die tatsächlichen Zahlen jedoch höher. Beim April-Beben in Mittelitalien hatten die Forscher 50 bsi 500 Todesopfer vorhergesagt - und lagen damit ziemlich nah an der tatsächlichen Zahl von etwa 300.
Der Bürgermeister von Padang rief über den Rundfunk zur Unterstützung auf. "Wir benötigen dringend Hilfe. Wir rufen dazu auf, nach Padang zu kommen und zu helfen, Verletzte und Tote zu bergen", sagte Fauzi Bahar. "Wir haben eine kaum bewältigbare Zahl an Opfern, es mangelt an frischem Wasser, Elektrizität, Möglichkeiten der Telekommunikation."
"Ich glaube, niemand wird von dieser Katastrophe verschont"
In der Stadt beteiligten sich die Anwohner an den Rettungsarbeiten. Diese gestalteten sich jedoch wegen des Regens und des Mangels an Räumgerät als schwierig.
Die indonesische Regierung stellte zehn Millionen Dollar Soforthilfe bereit und schickte Rettungskräfte und Militärflugzeuge in die Unglücksregion.
Indes gehen die Aufräumarbeiten nach dem Tsunami vor den Samoa-Inseln und Tonga im Südpazifik weiter. Die Inseln waren am Mittwoch von einer verheerenden Flutwelle überrollt worden, die mehr als 100 Menschen in den Tod gerissen hat. Dutzende Bewohner werden noch vermisst, es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigt. "Ich glaube, niemand wird von dieser Katastrophe verschont", sagte der Gouverneur von Amerikanisch-Samoa, Togiola Tulafono. Zehntausende Menschen benötigten Hilfe, sagte ein amerikanischer Regierungsvertreter. Erste Maschinen mit Lebensmitteln, Wasser und Baumaterial waren bereits am Mittwoch auf den Weg gebracht worden.