Anneli-Prozess Hauptangeklagter belastet Mitangeklagten
Angeklagter mit Verteidigern im Landgericht Dresden
Foto: Sebastian Kahnert/ dpaIm Prozess um die Entführung und Tötung der 17 Jahre alten Anneli hat der Hauptangeklagte Markus B. lange geschwiegen. Am Montag verlas der Anwalt des 40-Jährigen vor dem Landgericht Dresden ein Erklärung. Sein Mandant komme nicht allein als Täter in Frage, so Rolf Franek.
Der Anwalt bezog sich auf Angaben eines Rechtsmediziners, der am vorangegangenen Prozesstag den Todeszeitpunkt des Mädchens nicht exakt eingrenzen konnte. Er hatte auf den Zustand der Leiche verwiesen, die bei hochsommerlichen Temperaturen erst drei Tage später gefunden worden war.
Demnach könnte auch der mitangeklagte Norbert K. den Mord begangen haben, so die Argumentation des Anwalts. Immerhin sei auch der 62-Jährige am Tag vor Annelis Tod mehrere Stunden mit dem Mädchen allein gewesen. K. habe zudem ein starkes Motiv, weil er befürchtete, bei der Entführung von Anneli erkannt worden zu sein, so Franek weiter.
Anneli war am Tag nach ihrer Entführung am 13. August 2015 erdrosselt worden. K. hatte im Prozess angegeben, bei der Tötung selbst nicht dabei gewesen zu sein. Allerdings soll er später gemeinsam mit B. die Leiche versteckt haben. K. wird erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen, B. steht zusätzlich unter Mordverdacht.
Beim Prozessakt Ende Mai hatte Norbert K. eine Beteiligung an der Entführung gestanden. Der 62-jährige K. räumte über seinen Anwalt ein, durch das Fahren des Tatfahrzeugs Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub geleistet zu haben. Von den Plänen zur Tötung der Schülerin habe er nichts gewusst.
Die Männer sollen die Jugendliche am Abend des 13. August 2015 im sächsischen Klipphausen verschleppt und vom Vater 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Eine Übergabe kam jedoch nicht zustande.
In einer öffentlichen Erklärung flehte die Familie des Mädchens die Täter an, Anneli freizulassen. Doch B., ein gelernter Koch mit Geldsorgen, soll die Jugendliche zwei Tage nach ihrer Verschleppung erdrosselt haben - "zur Verdeckung einer anderen Straftat", wie die Staatsanwältin sagte. Bereits Wochen zuvor habe er die Familie ausgekundschaftet und dann den Freund als Komplizen gewonnen, so Dietze.
Für den Prozess sind Verhandlungstage bis in den August anberaumt. Die Eltern und die ältere Schwester von Anneli-Marie kamen als Nebenkläger ins Gericht (lesen Sie hier mehr zu dem Verfahren).