Fall Brian Thompson: Mutmaßlicher Mörder war kein Kunde von United Healthcare - DER SPIEGEL
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Tödliche Schüsse auf US-Versicherungschef Mutmaßlicher Mörder war laut Polizei kein Kunde von United Healthcare

Warum wurde Brian Thompson in New York getötet? Die Ermittler vermuten, dass der Tatverdächtige wegen der Größe des Konzerns United Healthcare auf den Firmenboss schoss.
Tatverdächtiger Luigi M. in Pennsylvania
Tatverdächtiger Luigi M. in Pennsylvania

Tatverdächtiger Luigi M. in Pennsylvania

Foto: Benjamin B. Braun / Pittsburgh Post-Gazette / AP / dpa

Der mutmaßliche Mörder des mitten in New York erschossenen Chefs von United Healthcare war nach Polizeiangaben selbst nicht bei dem US-Unternehmen versichert. Er hatte es demnach vermutlich wegen der Größe des milliardenschweren Konzerns auf Firmenboss Brian Thompson, 50, abgesehen.

»Wir haben keine Hinweise darauf, dass er jemals Kunde von United Healthcare war«, sagte Chefermittler Joseph Kenny in einem Interview des Regionalsenders NBC New York über den Tatverdächtigen, der bei seiner Festnahme am Montag ein handgeschriebenes »Manifest« bei sich getragen habe. »Aber er erwähnte, dass es der fünftgrößte Konzern in Amerika ist, was ihn wiederum zum größten Gesundheitsversorger in Amerika macht. Wahrscheinlich hat er das Unternehmen deshalb ausgesucht.«

Thompson war am 4. Dezember nahe dem belebten Times Square in Manhattan aus nächster Nähe niedergeschossen worden und in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Die von Überwachungskameras gefilmte Tat und die öffentliche Fahndung nach dem flüchtigen Schützen machten weltweit Schlagzeilen.

»Lebensverändernde« Rückenverletzung

Fünf Tage nach den tödlichen Schüssen fiel Luigi M. im Lokal einer Fast-Food-Kette im US-Bundesstaat Pennsylvania auf und wurde festgenommen. Nur Stunden nach der Verhaftung wurde der 26-Jährige in Manhattan unter anderem wegen Mordes angeklagt. Er ist derzeit noch in Pennsylvania inhaftiert und kämpft gegen eine Überstellung nach New York.

Eine »lebensverändernde« Rückenverletzung könnte den Verdächtigen Polizeiangaben zufolge zur Tat veranlasst haben. »Es scheint, dass er einen Unfall hatte, der ihn im Juli 2023 in die Notaufnahme brachte, und dass es eine lebensverändernde Verletzung war«, sagte Chefermittler Kenny. Luigi M. habe im Internet Röntgenaufnahmen gepostet, die Schrauben zeigten, die in seine Wirbelsäule eingesetzt worden seien. Die Verletzung sei also eine »lebensverändernde« gewesen, »und das ist es, was ihn auf diesen Weg gebracht haben könnte«.

Nach Einschätzung der Polizei sieht sich der Absolvent einer Eliteuni und Sohn einer wohlhabenden Familie, der im Internet trotz der kaltblütigen Tat von einigen schnell zum »Rächer« und modernen »Robin Hood« stilisiert wurde, als Held. »Er schien die gezielte Tötung des höchsten Unternehmensvertreters als symbolischen Schlag und direkte Aktion gegen die angebliche Korruption und die ›Machtspiele‹ des Unternehmens zu betrachten«, zitierten US-Medien aus einem Bericht der New Yorker Polizei. Luigi M. sehe sich als eine Art Märtyrer, der beschlossen habe, endlich gegen solche Ungerechtigkeiten vorzugehen.

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Tatsächlich vermengte sich das Entsetzen über die Tat im Netz schnell mit der geballten Wut vieler Menschen auf das marode amerikanische Gesundheitssystem und die Versicherungsbranche in den USA. Beide sind stark privatwirtschaftlich organisiert: Angebot und Nachfrage spielen eine zentrale Rolle.

Horrende Medikamentenpreise, Arzthonorare und Verwaltungskosten werden von vielen als ungerecht empfunden. Besonders Geringverdiener und Arbeitslose bekommen oft nicht die Hilfe, die sie benötigen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge sind 81 Prozent der Befragten in den USA unzufrieden mit den Kosten der medizinischen Versorgung.

Luigi M. wird als Held gefeiert. Einen Text über die Romantisierung des mutmaßlichen CEO-Mörders lesen Sie hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, in Deutschland sei – anders als in den USA – ein Großteil der Krankenhäuser und Versicherungen in öffentlicher Hand. Das stimmt allerdings nicht. Wir haben die betreffende Stelle daher angepasst.

wit/dpa/AFP