Oscar Pistorius schweigt wegen Depression bei Strafmaß-Verhandlung - DER SPIEGEL
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Verhandlung zu Strafmaß Ex-Sprinter Oscar Pistorius schweigt wegen Depression

Für die tödlichen Schüsse auf Model Reeva Steenkamp ist Oscar Pistorius längst verurteilt. Welche Strafe der Paralympics-Star erhält, wird nun erneut verhandelt. Die Verteidigung argumentiert mit psychischen Problemen.
Paralympics-Star Oscar Pistorius geht ins Gericht
Paralympics-Star Oscar Pistorius geht ins Gericht

Paralympics-Star Oscar Pistorius geht ins Gericht

Foto: MUJAHID SAFODIEN/ AFP
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Der frühere Spitzensportler Oscar Pistorius soll einem Gutachter der Verteidigung zufolge wegen psychischen Problemen in einem Krankenhaus untergebracht werden - und nicht erneut im Gefängnis. Bei der Verhandlung zur Festlegung eines neuen Strafmaßes sagte der Psychologe Jonathan Scholtz über den 29-jährigen Südafrikaner: "Es scheint wirklich so, als hätte er schon aufgegeben. Er scheint mental am Ende zu sein."

Pistorius droht wegen Totschlags eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren, besondere mildernde Umstände können aber dennoch zu einer Reduzierung führen. Das Gericht in Pretoria verhandelt erneut über das Strafmaß, nachdem Pistorius Ende 2015 in einem Berufungsprozess verurteilt worden war . Im südafrikanischen Rechtssystem wird das Strafmaß erst nach dem Urteil verkündet.

Pistorius leide an Depressionen und könne sich daher auch nicht vor Gericht äußern, sagte Scholtz. Staatsanwalt Gerrie Nel erwiderte, es sei doch erstaunlich, dass Pistorius einem Fernsehsender ein Interview zu dem Fall geben, aber nicht vor Gericht aussagen könne. Pistorius ist nicht verpflichtet, selbst auszusagen. Gutachter Scholtz führte weiter aus, dass Pistorius Angstzustände habe und nach den tödlichen Schüssen auf seine damalige Freundin an einem post-traumatischen Stresssyndrom leide. Er zeige auch paranoide Züge.

Gutachter: Oscar Pistorius zeigt wirklich Reue

Scholtz ist der Leiter der klinischen Psychologie an der psychiatrischen Weskoppies-Klinik der Universität Pretoria. Der Gutachter hatte Pistorius' psychischen Gesundheitszustand bereits 2014 für den Prozess in der ersten Instanz beurteilt, damals aber im Auftrag des Gerichts. Seither habe sich sein Zustand gravierend verschlechternd, sagte Scholtz.

Das Gericht in Pretoria unter Vorsitz von Richterin Thokozile Masipa will spätestens am Freitag über ein neues Strafmaß für Pistorius befinden. Pistorius hatte am Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp - ein aufstrebendes Model - erschossen.

Der Sportler war in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde nach einem Jahr in Hausarrest umgewandelt. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und erzielte Ende 2015 in zweiter Instanz eine Verurteilung wegen "Mordes", was im deutschen Rechtssystem dem Totschlag entspricht.

Das Berufungsgericht kam zum Urteil, dass Pistorius mit "krimineller Absicht" gehandelt habe. Er habe insgesamt vier großkalibrige Kugeln durch die geschlossene Toilettentür geschossen und deshalb damit rechnen müssen, dass er jemanden dahinter töten werde - ungeachtet der Identität seines Opfers.

Gutachter Scholtz betonte, Pistorius zeige wirkliche Reue für das, was passiert ist. Staatsanwalt Nel wies dies jedoch zurück mit dem Hinweis, dass Pistorius immer noch nicht schlüssig erklärt habe, wieso er mehrfach durch die Toilettentür geschossen habe. Pistorius zeige keine Reue, er tue sich nur selbst leid, sagte Nel.

Pistorius waren als Kind wegen eines Gen-Defekts beide Unterschenkel amputiert worden. Trotz seiner Behinderung legte er eine steile Sport-Karriere hin. Pistorius startete 2012 mit J-förmigen Karbon-Prothesen als erster beinamputierter Sportler der Olympia-Geschichte bei den Olympischen Spielen. Er wurde Achter mit der Staffel über 4 x 400 Meter und kam als Einzelstarter bis ins 400-Meter-Halbfinale. Bei den Paralympics holte er Doppel-Gold.

Oscar Pistorius im Gerichtssaal: Klinik statt Knast?

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Foto: Pool/ Getty Images
apr/dpa