Fall Jonny K.: Verteidiger zweifeln Gutachten an - DER SPIEGEL
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Fall Jonny K. Verteidiger zweifeln Gutachten an

Ein Gutachten konstatiert, das Gehirn von Jonny K. sei vor der tödlichen Gewaltattacke am Alexanderplatz nicht geschädigt gewesen. Verteidiger der Angeklagten bezweifeln das. Sicher scheint nur, dass K. keine Chance auf Genesung mehr hatte, als er ins Krankenhaus kam.
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Berlin - In dem neu aufgelegten Prozess um die tödliche Prügelattacke gegen Jonny K. haben Verteidiger ein medizinisches Gutachten in Frage gestellt. Der Institutsdirektor der Neuropathologie der Berliner Charité, Frank Heppner, wurde auf Antrag eines Anwalts vereidigt. Eine Vereidigung von Sachverständigen ist laut Gericht selten.

Die Untersuchung sei unparteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen erfolgt, sagte der Charité-Professor. Der Mediziner hatte das Gehirn von Jonny K. untersucht und eine Vorschädigung ausgeschlossen. Das Prügelopfer starb im Oktober 2012 an massiven Gehirnblutungen. Der Tod des 20-Jährigen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Sechs Angeklagte im Alter zwischen 19 und 24 Jahren müssen sich vor einer Jugendkammer des Landgerichts wegen gefährlicher Körperverletzung oder Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Die Angeklagten hatten zwar Schläge und Tritte eingeräumt. Eine Verantwortung für den Tod des 20-Jährigen bestritten sie aber. Ein Zeuge hatte den mutmaßlichen Haupttäter Onur U. belastet.

Eine Ärztin sagte, als der schwer verletzte Jonny K. am Morgen des 14. Oktober 2012 ins Krankenhaus eingeliefert worden sei, habe es keine Chance mehr auf Besserung gegeben. "Die Computertomografie zeigte schwerste Gehirnblutungen."

Ob die massiven Blutungen durch Faustschläge, Fußtritte oder einen Sturz ausgelöst wurden, lasse sich nicht genau feststellen, sagte ein Oberarzt, der Jonny K. obduziert hatte. Es habe "Zeichen äußerer Gewalteinwirkung" gegeben, obwohl der Leichnam äußerlich nicht so schwer verletzt gewesen sei.

Der erste Prozessanlauf war wegen Befangenheit eines Schöffen geplatzt. Laut Anklage war Jonny K. durch einen Gewaltangriff zunächst zu Boden gegangen und wurde danach getreten. Zudem wurde ein Freund von ihm schwer verletzt.

ulz/dpa