Thomas Feldhofer: Festnahme des Unfassbaren
Festnahme von Thomas Feldhofer Ende einer Marathonflucht
Am Ende half der Zufall. Einer Polizeistreife in Schleswig-Holstein fiel ein als gestohlen gemeldeter Golf auf, die Beamten verfolgten den Wagen, woraufhin dieser unsanft im Straßengraben landete. Und weil der Unfallfahrer sich anschließend ordnungsgemäß auswies, erkannten die Polizisten schließlich, mit wem sie es zu tun hatten: Es war Thomas Feldhofer, ein seit Monaten in ganz Europa gesuchter Gewaltverbrecher.
Die Frage, die sich Ermittler in Hessen und Nordrhein-Westfalen seither stellen, lautet deshalb: Wie kann jemand, nach dem mit Hochdruck und öffentlich gefahndet wird, so lange untertauchen?
Ein Problem der Suche nach Feldhofer war offenbar, dass der Straftäter keine sozialen Kontakte hatte. Sieben Jahre lang saß der gelernte Elektriker in der Justizvollzugsanstalt Lingen, weil er in den neunziger Jahren bei Raubüberfällen 750.000 Mark erbeutet hatte. Besuch im Gefängnis bekam er nie. Und in einem Handy, das er auf seiner Flucht benutzt und verloren hatte, fand sich kein einziger privater Kontakt. Feldhofer ist ein Einzelgänger, Feldhofer fiel nicht auf.
Der gebürtige Krefelder sieht vollkommen durchschnittlich aus. Selbst erfahrene Kriminalisten räumen ein, dass sie den Gesuchten möglicherweise nie erkannt hätten, wenn sie ihm zufällig auf der Straße begegnet wären. Manche Zeugen schilderten den Beamten, wie höflich, ja fast schon schüchtern Feldhofer gewirkt habe.
Als wisse er selbst nicht, wo er sich verstecken sollte
Einmal, so hieß es in Sicherheitskreisen, habe er einen Raubversuch abgebrochen, weil sein Gegenüber nachgefragt habe, warum er denn nun die Hände heben müsse. Und mit den Insassen eines Linienbusses, den er vorübergehend in seiner Gewalt hatte, soll der 46-Jährige ausführlich diskutiert haben, ob sie ihm nun ihre Wertsachen herauszugeben hätten oder nicht.
Im Jahr 2008 war Feldhofer aus dem Knast entlassen worden, man hatte ihm eine günstige Sozialprognose samt geringer Rückfallwahrscheinlichkeit gestellt. Drei Jahre lang lebte der Mann unauffällig. Dann soll er eine Sparkasse im niederrheinischen Voerde überfallen haben. Zwei Dutzend weitere Straftaten folgten nach Angaben der Ermittler bis dato.
Der als "hochflexibel" beschriebene Mann streifte kreuz und quer durch Europa, ohne dass seine Verfolger dabei ein festes Muster erkennen konnten: Frankreich, Spanien, Ostdeutschland, Nordrhein-Westfalen. Es wirkte, als wisse der Gehetzte selbst nicht, wo er sich verstecken sollte. Jedoch nahmen die Fahnder an, dass der notorische Spieler sich häufig in entsprechenden Etablissements aufgehalten hatte. In mehreren Großstädten klapperten sie deswegen das jeweilige Bahnhofsmilieu ab.
Eine gut dokumentierte Flucht
Doch manche Ordnungshüter machten auch Fehler: Ein Berliner Streifenbeamter etwa klebte zwar die eingeschlagene Scheibe eines Feldhoferschen Fluchtwagens ab, doch eine Fahndungsabfrage unterließ der Kommissar. Dabei hielt sich der Gesuchte zu diesem Zeitpunkt nur wenige hundert Meter entfernt in einem Hotel auf. Als die Beamten endlich soweit waren, hatte sich der Kriminelle wieder abgesetzt.
Anschließend verlor sich seine Spur. Erst nach der Festnahme in Schleswig-Holstein kristallisierte sich heraus, dass der Gesuchte wohl längere Zeit in einem Hotel in Hamburg gewohnt hatte. Denn der unfassbare Feldhofer, der noch am Montag dem Haftrichter in Frankfurt vorgeführt werden soll, kam den Ermittlern doch in einer Hinsicht entgegen: Er sammelte Quittungen. In den geraubten Autos fanden sich unzählige Parkscheine, Tankbelege, Rastplatzrechnungen.
Insofern dürfte eine Rekonstruktion der Flucht nicht sonderlich schwer fallen.