Die Tinder-Schwindler – Teil 1 Auf der Spur der Love-Scammer
Michael aus Ghana geht zum Voodoo-Priester, wenn sein Opfer nicht zahlt. Der Betrüger nimmt in der Regel vier Frauen gleichzeitig aus. Er gaukelt ihnen die ganz große Liebe vor, bis sie pleite sind. Naomi aus Texas hat keine Ahnung, wer Michael wirklich ist. Der junge Mann aus Ghana hat sie gerade über eine Partnerplattform rekrutiert. Sie ist das ideale Opfer: alleinstehend, ein Hund und nicht zu viele Freunde.
Am Anfang druckt er immer ein Foto aus und geht damit zum Voodoo-Priester. Dann schlachtet der Black Magic Man zwei Hühner und eine Ziege. Naomis Foto wird um einen sogenannten »Spirit« gewickelt. Das soll den ersehnten Geldsegen bringen.
Michael kennt kein schlechtes Gewissen. Er sieht seine Taten als Rache für die Verbrechen westlicher Kolonialherren. Dass er damit die Frauen der Nachfahren trifft, ist ihm egal. Michael und die anderen Love Scammer gehen dabei systematisch vor. Am Anfang überschütten sie ihre Opfer mit Liebesbekundungen. »Mein Engel«, »Liebling« und »Baby«, mit der Sprache tragen sie dick auf, 24 Stunden am Tag. Es folgen je nach Lage Liebesentzug, Drohungen und Suizidgedanken. Die Täter verschaffen sich ganze Legenden und ziehen sämtliche Register.
Martina zum Beispiel sah sich im Netz plötzlich von einem französischen Geschäftsmann umgarnt. Er nannte sich »Richard«. Als Martina sein Foto sieht, glaubt sie an den ganz großen Hauptgewinn. Ein gut aussehender Mann in den besten Jahren, erfolgreich, zwei Kinder: Martina ist schockverliebt. Im Laufe der viralen Beziehung verliert sie Tausende Euro. Denn »Richard« heißt nicht wirklich so.
Wie die Betrüger vollständige Lebensgeschichten im Internet kapern, verraten Tatjana Kurdjumow und Steffen Vogel. Die SPIEGEL-TV-Autoren haben Opfer und Täter besucht. In der ersten Episode »Im Verhör: Die Tinder-Schwindler« erzählen sie, warum es auch für Männer nicht ratsam ist, die eigene Lebensgeschichte in sozialen Netzwerken auszustellen.
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