Berlin-Alexanderplatz, 2 Uhr morgens.
Alicia: »Ganz alleine fühle ich mich nicht ganz so sicher, bin ich ehrlich.«
Jessi:
»Vor allen Dingen zu später Uhrzeit, wenn Männer auch in Gruppen sind und vielleicht was getrunken haben.«
Ney:
»Ich weiß halt, wie gefährlich das sein kann, wenn man unterwegs ist – vor allem als Frau.«
Michelle:
»Wenn man jetzt zum Beispiel irgendwelchen Männern alleine begegnet.«
Jessi:
»Es ist schon öfter vorgekommen, dass man dann angesprochen wird. Auch nicht gerade nett.«
Ney:
»Das Ding ist: Nicht mal in so Uber oder Bolt kann man sich mittlerweile sicher fühlen.«
Maria Herbst, DER SPIEGEL:
»Belästigungen oder gar Übergriffe gehören für viele Frauen oder weiblich gelesene Personen fast zum Alltag. Da kann der Nachhauseweg schnell zur Gefahr werden. Nadin Güner möchte daran etwas ändern und hat in Berlin einen Fahrdienst von Frauen für Frauen gegründet.«
Nadin Güner,
Gründerin Fahrdienst:
»Ja, hallo, hier ist Nadin von G-Cars. Hallo, liebe Manuela.«
Manuela, Fahrgast:
»Ja, hallo.«
Nadin Güner, Gründerin Fahrdienst:
»Sie haben eine Anfrage geschickt.«
Manuela, Fahrgast:
»Genau. Klappt es denn da? Ich bin ja in Rudow. Ich weiß ja nicht, wo du bist.«
Nadin Güner, Gründerin Fahrdienst:
»Das klappt. Ich bin noch nicht in Rudow, aber ich bräuchte 27 Minuten laut Navi, passt das?«
Manuela, Fahrgast:
»Ja, na klar.«
27 Minuten muss man auf ein Taxi in Berlin in der Regel nicht warten. Bei Güners Fahrdienst kommt das aber schon hin und wieder vor. Ihr Unternehmen G-Cars, kurz für Girls Cars, gibt es seit Anfang April. Acht Autos sind derzeit auf Berlins Straßen unterwegs. Mehr Sicherheit – vor allem bei Fahrten in der Nacht: Dafür nehmen Kundinnen die längeren Wartezeiten offenbar in Kauf.
Manuela, Fahrgast:
»Ich finde es schon sicherer. Und man kommt immer auch gleich so gut ins Gespräch: Also, man wird ja gleich ganz anders begrüßt. Man steigt ein, sagt Hallo. Man sieht ja den Namen, und dann sage ich: Ah super! Bei diesem Uber oder so, da war im Bekanntenkreis eine, die ist schon ziemlich belästigt worden.
Das hören wir in dieser Nacht nicht nur einmal. Konkrete Erhebungen zu Übergriffen von Uber-, Bolt- oder Taxifahrern gibt es zwar nicht. Belegt ist aber: Etwa zwei Drittel der Frauen fühlen sich nachts auch in Bussen und Bahnen unsicher, mehr als die Hälfte meidet nachts den Nahverkehr, weil sie sexuelle Übergriffe fürchten. Braucht es in der Personenbeförderung also einen Safe Space für Frauen?
Nadin Güner, Gründerin Fahrdienst:
»Es gibt ein Problem, was einfach viel zu wenig besprochen wird, dass Frauen nicht wissen, wie sie sicher abends nach Hause kommen. Es geht ja auch um das Wohlfühlgefühl einer Frau. Also auch wenn ich selber noch nie eine schlechte Erfahrung gemacht habe, fühle ich mich trotzdem bei einer Frau wohler, weil einem ja als Kind schon eingebläut wird: Steig nicht zu fremden Männern ins Auto.«
Güner kommt eigentlich aus der Immobilienbranche. Dann wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit, um Frauen mehr Sicherheit zu bieten.
Nadin Güner, Gründerin Fahrdienst:
»Es ist eine sehr, sehr hohe finanzielle Belastung, gerade wenn man halt keine Unterstützung bekommt im Sinne von Fördermitteln oder Ähnliches. Aktuell rentiert sich G-Cars nicht, ist es nichts, wo ich sage, wir werfen Gewinn ab, geschweige denn, wir haben eine große Null am Ende des Monats, dass wir plus/minus null gewirtschaftet haben. Es geht in die richtige Richtung, und das ist wichtig. Das ist, glaube ich, noch ein langer Weg, bis wir wirklich sagen können: Jetzt sind wir wirtschaftlich.«
Fahrgast Lisa ist an den Stadtrand gezogen und nutzt den Fahrdienst von Frauen für Frauen seitdem regelmäßig. Bei Fahrten mit anderen Anbietern hat sie sich oft unsicher gefühlt:
Lisa, Fahrgast: »Einer, der ist halt einfach so überhaupt nicht die Wege gefahren, die er hätte fahren sollen. Nur so komische Schleichwege und dann ist er noch stehen geblieben. Er hat mich dann noch angeguckt, ist dann irgendwann weitergefahren. Dann habe ich meine Freundinnen angerufen, und dann hat er mich irgendwo rausgelassen, wo ich gar nicht rausmusste. Es war einfach ein Bauchgefühl. Der kann ja im Prinzip mit einem hinfahren, wo er möchte, und machen, was er will. Das ist ein ganz tolles Beispiel: Hier sind kaum noch Laternen, hier ist kaum noch was. Ein Waldstückchen. Hier wäre mir jetzt schon ganz unwohl, und ich wäre angespannt gewesen. Also hier einfach nur gehalten und dann … weißte nicht, ne.«
Genau solche Situationen möchte Güner Frauen ersparen.
Nadin Güner, Gründerin Fahrdienst:
»Wir nehmen keine Männer mit. Ja, wir haben halt auch eine relativ kleine Fahrzeugflotte. Deswegen ist es uns wichtig, dass die wenigen Fahrzeuge, die wir haben, wirklich für Frauen bereitgehalten werden.«
Maria Herbst, DER SPIEGEL:
»Und wenn dann jemand seinen Mann mitnehmen möchte?«
Nadin Güner, Gründerin Fahrdienst:
»Dann muss er sich leider einen anderen Anbieter aussuchen.«