Kate Moss wird 40 Jahre alt - DER SPIEGEL
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Britisches Top-Model Mythos Moss

Drogeneskapaden, wilde Partys und wunderschöne Fotos: Seit mehr als 25 Jahren als Model macht Kate Moss stets mehr mit ihren Taten als mit ihren Worten von sich reden. Heute wird sie 40 Jahre alt. Eine Betrachtung des Mythos Moss.
Kate Moss 1999 in London: Schön im Heroin-Chic
Kate Moss 1999 in London: Schön im Heroin-Chic

Kate Moss 1999 in London: Schön im Heroin-Chic

Foto: Stefan Rousseau/ dpa
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Hamburg - Kate Moss erinnere sie an die amüsierwillige Daisy aus "The Great Gatsby", sagte die Mode-Expertin Amanda Harlech einmal. Die Dekadenz. Die Schönheit. Der Anspruch, um jeden Preis Spaß haben zu wollen. Eine Daisy eben. "Aber ohne die Herzlosigkeit."

Nun wird Moss 40 und hat nichts von dem verloren, was sie in den Neunzigern über die Grenzen der Modewelt bekannt und beliebt machte: ihren britischen Mädchen-von-der-Straße-Charme. Anders als Kolleginnen wie die roboterartige Heidi Klum, die ebenfalls vor kurzem die 40 überschritt, bleibt Moss der britische Punk, der sich nicht anpasst und dem die Modewelt trotzdem zu Füßen liegt. Oder gerade deshalb.

Moss ist in der Modewelt das letzte Stück Rock'n'Roll. Eine, die mit Pete Doherty um die Häuser zieht und beim Ketterauchen Liebeslieder singt. Eine, die ihren Fahrer dazu überredet, auf der Heimfahrt zum Berliner Hotel noch einen Abstecher in den anrüchigen KitKatClub zu machen. Über ihren 30. Geburtstag kursieren Gerüchte einer wilden Orgie, ihren 38. Geburtstag feierte sie 38 Stunden lang. Bei ihrer mehrtägigen Bacheloretteparty trank sie mit Freundinnen den Keller eines Nachtclubs leer. Ihren Lieblingsrum ließ sie kurzerhand per Helikopter einfliegen.

"Sie beschwert sich nicht, sie erklärt sich nicht", schrieb der Redakteur James Fox 2012 in der "Vanity Fair". Das wenige, das sie von sich preisgibt, nährt den Mythos Moss. Koks habe sie genommen, klare Drinks bestelle sie nicht nur wegen der reduzierten Kalorien. Sie sei nicht einmal nüchtern über den Laufsteg gegangen.

Die sonstige Verschwiegenheit verleiht ihr etwas Mystisches. Nichts killt ein Rock'n'Roll-Image so schnell wie die öffentliche Proklamation von Rohkost und Jutebeuteln als Lebenseinstellung.

Wenn man jemandem wirklich glauben könnte, dass er immer nur das macht, was er wirklich will - dann ist es Kate Moss. Sie wollte raus aus Croydon, dem Londoner Vorstadtkaff, in dem sie aufwuchs. Sie kam raus. Aufgelesen von einer Modelagentin am JFK-Flughafen in New York, wurde sie 25 Jahre später bei den British Fashion Awards zum "Model of the Millennium" ausgerufen.

Die Wangenknochen, die Zahnlücke, der Leberfleck über ihrer rechten Brust. Dieser leicht gelangweilte Blick, mit dem sie die Geschehnisse um sich herum betrachtet. Alle lieben ihre Haare, die blonde Moss-Mähne. Schon immer war sie provozierend, anders, geheimnisvoll, nie langweilig. Bereits ihre ersten großen Shoots für den Modemacher Calvin Klein sorgten für Furore. In der berühmten Unterwäsche-Kampagne posierte sie neben Mark Wahlberg (damals noch Marky Mark), das Bild spielte mit dem Thema Pädophilie. In einer Parfümwerbung räkelte sie sich als ernste Lolita auf einem Sofa. Die Bilder setzten den Ton für ihre gesamte Karriere und verpassten der verschnarchten Modewelt einen Schock.

Sie ist für alle Großen gelaufen, von Louis Vuitton bis Chanel. Im Gegensatz zu den strahlenden Übermodels der Achtziger, den Cindy Crawfords und Claudia Schiffers, wirkt Moss wie die vernachlässigte Stiefschwester. Ein schwermütiges Wesen, das niemals lacht und anscheinend auch niemals isst. Alles an ihr ist zu einer Marke geworden, sie selbst ist der Inbegriff des britischen Stils. Moss zeichnet verantwortlich dafür, dass bis heute Frauen wie Männer in Skinny Jeans - einer Art enganliegender Karottenhose - umherlaufen.

Dazu die schmalen Schultern, der kantige Körper. Ihr Look ging als Heroin-Chic in die Annalen der Modegeschichte ein. Sie brachte eine vorher unbekannte Rauheit und Unverdrossenheit auf die Laufstege. Aber sie war auch für junge Mädchen ein lebendes Argument dafür, nichts mehr zu essen, ihren Hungerhaken-Look zu kopieren. Das glorifizierte Magersein ist vielleicht Moss' einziger wirklicher Makel. Selbst als sie nach einem Entzug nur noch 44 Kilo wog, gab sie noch Sätze von sich wie: "Nichts schmeckt so gut, wie es sich anfühlt, dünn zu sein." Bis heute bestreitet sie, magersüchtig gewesen zu sein.

Die zwei Aufenthalte in Entzugskliniken taten dem Hype um sie keinen Abbruch. Sie verlor ein paar Werbeverträge, doch schnell merkte die Modebranche: Ohne Moss geht es nicht. Maßgeblich wurde sie von Anna Wintour unterstützt. Die Chefin der US-"Vogue" arbeitete mit Moss, als alle sie fallen gelassen hatten. "Es gibt Leute, die dich niemals enttäuschen, egal, was die Presse sagt", kommentierte Moss in "Vanity Fair".

Loyalität und Verschwiegenheit sind Eigenschaften, die Moss bei ihren Freunden schätzt. So gibt es auch sehr wenige Leute, die überhaupt über sie reden. Sensibel soll sie sein, witzig und gewitzt. Eine, die höflich und nett ist, auch zu ihren Angestellten. Sie ist verheiratet mit Rocksänger Jamie Hince, hat eine Tochter. Einer ihrer engsten Freunde ist Modedesigner John Galliano. Er bringt es auf den Punkt: "Sie war schon 1989 so verhalten. Ich glaube nicht, dass irgendjemand heute weiß, wer sie wirklich ist."

Ihren 40. wird Moss angeblich auf der privaten Insel eines Freundes feiern. Wie und mit wem genau, ist nicht bekannt. Sicher ist nur: Alles andere als ein rauschendes Fest wäre eine Überraschung.

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