US-Justiz: Hiltons Haftentlassung entsetzt Staatsanwalt - DER SPIEGEL
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US-Justiz Hiltons Haftentlassung entsetzt Staatsanwalt

Ein "Kurzschluss" im Justizsystem, "Begünstigung aus wirtschaftlichen und rassischen Gründen" - Staatsanwaltschaft und US-Menschenrechtler sind empört: Dass Millionenerbin Hilton ihre Haftstrafe in ihrer Luxusvilla abbrummen darf, sei ein Skandal, den sie nicht hinnehmen wollen.
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Los Angeles - Richter Michael Sauer ist Hiltons Nemesis. Der unaufgeregte Justiz-Veteran war es, der Hilton wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein ins Gefängnis schickte und damit für eine Sensation sorgte. Heute, um 9 Uhr Ortszeit, sehen sich die beiden erneut vor Gericht.

Sauer soll die Rechtmäßigkeit von Hiltons Haftentlassung prüfen. Staatsanwalt Rocky Delgadillo hatte Einspruch gegen die Freilassung der 26-Jährigen nach nur vier Tagen - vorgesehen waren 45 - im Frauengefängnis Lynwood in Los Angeles eingelegt. Delgadillo schäumt. Er sei vorher nicht informiert worden. Nach seiner Auffassung habe Richter Sauer und nicht, wie in Hiltons Fall geschehen, das Büro des Sheriffs zu befinden, ob die Strafe umgewandelt werden dürfe.

Nach einem Besuch ihres Psychiaters im Gefängnis war Hiltons Zustand vorgestern als instabil eingestuft worden, der Rest der Strafe wurde in Hausarrest umgewandelt. Hilton muss während der 40 verbleibenden Tage allerdings eine elektronische Fußfessel tragen, damit die Polizei buchstäblich jeden ihrer Schritte verfolgen kann.

Der zuständige Sheriff Lee Baca verteidigte seine Entscheidung, Hiltons Rest-Haftstrafe in Hausarrest umzuwandeln: "Es ist einfach nicht klug, einen Menschen mit ihren Problemen über einen ausgedehnten Zeitraum im Gefängnis zu lassen und das Problem dadurch noch zu verstärken", sagte der unter Sperrfeuer stehende Baca der "Los Angeles Times".

Staatsanwalt Delgadillo lässt das nicht gelten. Ein "Kurzschluss" im Justizsystem läge offensichtlich vor, giftete er. Er habe seine Mitarbeiter in Bewegung gesetzt, alles dafür zu tun, damit das Gesetz auch in diesem Fall "gleich und gerecht" angewandt werde. "Wir können kein Zwei-Klassen-Gefängnissystem hinnehmen, in dem die Reichen und Mächtigen eine Sonderbehandlung erfahren", erklärte Delgadillo. Sein Sprecher sagte, es seien Hunderte Protestanrufe und Beschwerde-E-Mails eingegangen.

Mit seiner Empörung ist Delgadillo nicht allein. Auch Bürgerrechtler gingen gegen den Luxus-Arrest für Hilton auf die Barrikaden. Einer von ihnen, Al Sharpton, sprach von einem Fall von Rassen-Justiz.

Sharpton erinnerte an eigene Haftstrafen wegen zivilen Ungehorsams und an einen Hungerstreik. Damals habe die Gefängnisleitung einen Arzt geholt, an seine Freilassung habe niemand gedacht. "Diese Freilassung hat den Anschein einer Begünstigung aus wirtschaftlichen und rassischen Gründen", sagte der 52-Jährige. Für die Armen und Farbigen sei das bedauerlich. Ähnlich äußerte sich Najee Ali, Chef der Vereinigung "Project Islamic Hope". Es gebe Regeln für Reiche und Stars und andere Regeln für alle anderen. Auch von Seiten der Polizei kam Kritik. Der Polizei-Gewerkschaftsvertreter im Sheriff-Büro, Steve Remige, sprach von einer "Sonderbehandlung" für Paris Hilton.

Hohn und Spott ergoss sich über Hilton in Weblogs, wo etwa gefeixt wurde, die narzisstisch veranlagte Jungmillionärin beklebe ihre elektronische Fußfessel gewiss bereits mit Swarovski-Kristallen. Angeheizt wurden solche Phantasien von Berichten des Internetdienstes TMZ.com, die Telefongespräche Hiltons aus der Haft wiedergaben. Darin berichtete die Gedemütigte, sie könne nicht essen und schlafen. Ihr Raum sei nachts zu hell und zu laut. Sie habe kein Kopfkissen, und es sei kalt. Einen Hot-Dog aus der Gefängnisküche habe sie zurückgehen lassen.

Ob Paris Hilton schon sehr bald wieder auf Gefängniskost wird zurückgreifen müssen - Richter Sauer hat es heute zu entscheiden.

pad/AFP/AP

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