Koalitionäre Wegner, Giffey
Foto: Sean Gallup / Getty ImagesZwei Dinge schienen sicher, als der Wahlkampf für die Wiederholung der Landtagswahl in Berlin begann: Erstens, die CDU würde wohl die meisten Stimmen holen. In den Umfragen lag die Partei von Kai Wegner mit rund 25 Prozent stabil vor SPD und Grünen. Doch zweitens wird Wegner trotzdem nicht Regierender Bürgermeister werden. Weil die bisherige Koalition von SPD, Grünen und Linken eine klare Mehrheit zu haben schien. Franziska Giffey (SPD) wollte Regierende bleiben, ihre Koalitionspartnerin Bettina Jarasch von den Grünen wollte es werden. Es kam allerdings ganz anders.
An Silvester schossen in Berlin – vor allem in Neukölln – junge Männer Pyrotechnik auf Polizisten und Rettungsdienste. Ein Reisebus brannte aus. Die CDU wollte die Vornamen der mutmaßlichen Täter wissen, um herauszufinden, ob diese einen Migrationshintergrund hatten. Friedrich Merz sagte, in Berliner Schulen säßen »Paschas«, die sich nichts sagen lassen wollten. Deutschland schaute auf Neukölln. Franziska Giffey setzte dem das etwas schräge Bild der »ausgestreckten Hand und des Stopp-Schilds« entgegen, berief einen »Gipfel gegen Jugendgewalt« ein. Die Grünen warben für weniger Autos in der Stadt, das beste Beispiel sollte ein für Fahrzeuge gesperrtes Teilstück der Friedrichstraße sein. Doch dort standen im grauen Januar einige Straßenmöbel neben Baustellenbaken herum.
Am Wahlabend kam die Abrechnung: Wegners CDU wurde mit einem Plus von zehn Punkten und 28,2 Prozent stärkste Kraft. Die Wähler wünschten sich wohl eine härtere Hand gegen die Silvesterknaller – und endlich eine funktionierende Stadt. Giffeys SPD verlor drei Prozentpunkte, lag nur noch 53 Stimmen vor den Grünen. Giffey musste einsehen, dass sie in der Stadt sehr unbeliebt war. Für eine Weiterführung von Rot-Grün-Rot reichte es aber.
Doch Giffey entschied: Sie will mit der CDU koalieren. Die von ihr geliebte Rolle als Regierende gab sie ab. Vor allem, um nicht mehr mit den von ihr verhassten Grünen koalieren zu müssen. So wurde am Ende der Mann Stadtoberhaupt, auf den zu Beginn keiner gesetzt hatte: Kai Wegner. Nach knapp 22 Jahren stellt die CDU wieder den Berliner Regierungschef.