Knut ist tot: Ein Eisbärleben in Bildern
Nachfolger Berliner Zoo sucht Knut 2.0
Berlin - Nach dem plötzlichen Tod von Knut will der Berliner Zoo ein neues Eisbärmännchen suchen. Er wolle warten, "bis alles vorbei ist" und dann die Altersstruktur der Eisbären in den europäischen Zoos sichten, sagte Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz der "Berliner Morgenpost. Denkbar sei auch, dass Eisbär Troll aus dem Tierpark in den Zoo umziehe. "Das wäre eine Möglichkeit, um die Weibchen decken zu lassen. Aber so weit sind wir noch nicht", fügte der Zoodirektor hinzu.
Tierschützer kritisieren Gehegehaltung von Eisbären scharf. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, Wolfgang Apel, warf Blaszkiewitz Ignoranz und "eine Zucht des eigenen Renommees" vor. Wenn er die Eisbärzucht fortsetzen wolle, gehe es ihm nicht um Artenschutz und Tierwohl. "Die Eisbärhaltung und -zucht muss ein Ende haben, jetzt und sofort."
Apel warf dem Zoo wegen der Ankündigung, einen neuen Eisbären zu suchen, vor, den Tierschutz "zu ignorieren". Blaszkiewitz habe kein Interesse daran, die Hintergründe des tragischen Tods von Knut zu erklären, da er diesen schon vergessen habe. Der Zoo treibe die "inzestuöse Eisbärenzucht in Gefangenschaft weiter, um Tiere als Publikumsmagnet zeigen zu können", sagte Apel.
Blaszkiewitz wies Vorwürfe zurück, Knut sei an einer inzuchtbedingten Erbkrankheit gestorben. Knuts Vater Lars lebe in Wuppertal und es gehe ihm gut, sagte er. Lars habe zwar Krankheiten gehabt, sei aber inzwischen "völlig geheilt". Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbunds, Thomas Schröder, hatte darauf verwiesen, dass bei Lars ähnliche Krankheitssymptome wie bei Knut beobachtet worden seien. Schröder leitete daraus die Frage ab, ob die Zuchtpraktiken in deutschen Zoos Krankheiten forcierten.
Knut soll im Naturkundemuseum ausgestellt werden
Blaszkiewitz verteidigte die Zoohaltung von Eisbären. Zoologische Gärten seien keine "Imitate der Natur, sondern Surrogate, also Ersatz", sagte er. Die Tiere hätten genügend Beschäftigung, da sie hinter Felsen verschwinden, in der "riesigen Wasserfläche" schwimmen könnten und die Scheibe zum Publikum hätten. Zudem bekräftigte der Zoodirektor Pläne, nach denen Knut im Berliner Naturkundemuseum ausgestellt werden soll. "Das Fell ist schon da", sagte er. Zuerst müsse jedoch die Sektion des Eisbären abgeschlossen werden.
Knuts genaue Todesursache wollen der Zoologische Garten und das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung am kommenden Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben. Dabei sollen die Daten sämtlicher Untersuchungen des Tierkadavers, auch Erkenntnisse aus mikroskopisch analysierten Schnitten des schwererkrankten Bärengehirns sowie Bilder aus der Computer-Tomografie erläutert werden.
Eine erste Untersuchung des toten Tieres hatte bereits ergeben, dass Knut eine schwere Gehirnerkrankung hatte. Die genaue Todesursache war damit aber noch nicht geklärt worden. Konkrete Ergebnisse erhoffen sich die Experten von Schnitten aus Gehirngewebe, das nach speziellen Verfahren analysiert wird.
Knut war am 5. Dezember 2006 als erstes Eisbärenbaby seit 33 Jahren in Berlin geboren worden. Er starb urplötzlich am vergangenen Samstag vor den Augen der Zoobesucher.