Nackte Fakten - DER SPIEGEL
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MODE Nackte Fakten

• aus DER SPIEGEL 11/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lange zeigte die Modefotografie tolle Körper von berühmten Models, daran die neuen Kleider - glamourös und technisch perfekt in Szene gesetzt. Das war schön fotografiert, aber als Kunst galt es nicht. Als Künstler zählten nur jene Fotografen, deren Bilder ohne kommerzielle Zwänge entstanden und es bis an die Wände der Museen schafften. Seit sich aber eine neue Garde von Modefotografen auch an Konsumkritik wagt, gelten die alten Abgrenzungen nicht mehr. Was bedeutet es, wenn Fotografen nackte Menschen zeigen, die Werbung machen für Dessous - ohne welche zu tragen? Die Bostoner Ausstellung »Chic Clicks« vereint jetzt Werke von 40 der besten Fotografen aus Mode und Museum, gekonnt zeigt sie den Konflikt zwischen unabhängiger Kunst und Konsumgut. »Chic Clicks« ist auch ein Buch (jetzt im Hatje Cantz Verlag erschienen), das sich von vorn wie von hinten aufblättern lässt: Erst dokumentieren Modefotografen wie Corinne Day oder Terry Richardson ihre Suche nach Schönheit in Bauernhöfen, Nachtclubs, Sportarenen; dann bebildern Künstler wie Cindy Sherman, Erwin Wurm als Auftragsknipser für die Modemagazine »Dutch«, »Purple« und »Self Service« ihr Verständnis von Mode. In der Mitte ein spannendes Aufeinanderprallen - und die Frage, was Modefotografie über das Leben sagen kann.

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