Nepal Priester gehen gegen böse Geister vor
Katmandu - In zwei Zeremonien wollen als heilig geltende Brahmanen-Priester die Geister um sich scharen und mit ins Exil nehmen. Am Samstag vor einer Woche hatte Königssohn Dipendra nach Zeugenaussagen seinen Vater, seine Mutter sowie sieben weitere Mitglieder der Königsfamilie erschossen. Anschließend hatte er die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Nach Stunden im Koma war auch er gestorben. Während dieser Zeit war er zum König ausgerufen worden. Die Ereignisse sowie die spätere Ernennung des Bruders des ermordeten Königs, Gyanendra, zum König hatten zu erheblichen Unruhen in Katmandu geführt.
-
2 Min
-
2 Min
-
2 Min
-
1 Min
-
1 Min
-
1 Min
-
4 Min
Als sich der als heilig geltende Priester auf die Geistervertreibung vorbereitete, wurde er auch von Ministerpräsident Girija Prasad Koirala aufgesucht. Der Priester erschien in einem weißen Sarong. Dann wurden ihm wertvolle höfische Kleider angelegt, damit sein Äußeres mit dem des getöteten Königs übereinstimmte. Er setzte auch eine Kopie der Krone auf sein Haupt. Nach einem Mahl, bei dem der als Vegetarier aufgewachsene Priester mit Tierknochenmark gewürzte Speisen zu sich nahm, bestieg er einen Elefanten und überquerte in Begleitung von drei Elefantenführern den Fluss Bagmati, die Grenze des alten Katmandu und ritt weiter in sein selbst gewähltes Exil in einem abgelegenen Teil des Himalaja-Staates.
Traditionelle Elefantenzeremonie mit Todesfall
Die offizielle Staatstrauer endete am Sonntag, doch die Elefantenzeremonie wird traditionell elf Tage nach dem Tod eines Monarchen angesetzt. Während seines Mahls war der Priester von Geschenken umgeben, die ihm das Verbleiben im Exil erleichtern sollen. Es türmten sich Fernsehgeräte, elektrische Ventilatoren, Bettzeug und Körbe mit Lebensmitteln.
Eine ähnliche Zeremonie ist am Mittwoch für Dipendra geplant. Die Vorbereitungen zu den beiden Zeremonien standen allerdings unter keinem guten Stern: Ein Elefant, der den Doppelgänger Birendras ins Exil tragen sollte, tötete am Samstag eine Frau, als er aus dem königlichen Nationalpark nach Katmandu gebracht wurde. Die Zeitung "Kathmandu Post" meldete am Montag, der Elefant habe die Frau mit dem Rüssel in die Luft gehoben und dann von sich geschleudert. Die Frau, Mutter von drei Töchtern, hatte versucht, unter dem Bauch des Elefanten hindurchzulaufen. Nach nepalesischem Aberglauben wird eine Frau als nächstes Kind einen Jungen zur Welt bringen, wenn sie unter dem Bauch eines Elefanten durchläuft.
Die Zeitung berichtete weiter, dass der Staatsrat als oberstes Gremium des Staates zerstritten gewesen sei, als er Dipendra zum König ausgerufen habe, obwohl Beweise vorgelegen hätten, dass der Sohn geschossen habe. Nach der Verfassung aber übernehme der Kronprinz das Amt, wenn der König sterbe. Eine Ausnahmereglung gebe es nicht.