Neumünster vs. Berlin Millionenstreit um Eisbär Knut geht weiter
Berlin - Der neue Dokumentarfilm "Knut und seine Freunde" ist ein weiteres Beispiel für das ungebrochene Interesse, aber auch die ungebrochene Marketingfreude am Publikumshit "Eisbär".
Doch genau darum gibt es Streit zwischen dem Tierpark in Neumünster und dem Berliner Zoo. Ersterer fordert weiterhin einen Anteil an dem Gewinn von rund fünf Millionen Euro, den der Berliner Zoo im Vorjahr mit Knut durch den Verkauf von Eintrittskarten und Souvenirs erzielt hatte.
"Wir wollen es mit den Berlinern noch einmal im Guten versuchen", sagte der Neumünster Zoo-Chef Peter Drüwa. Sollte dies scheitern, behalte man sich allerdings rechtliche Schritte vor. Amts-Kollege Bernhard Blaszkiewitz in Berlin lehnte eine Stellungnahme ab. "Das kommentiere ich nicht. Das ist nichts für die Öffentlichkeit", sagte er.
Die Schleswig-Holsteiner berufen sich auf eine Vereinbarung, wonach ihnen Knut als erster lebender Nachwuchs von Eisbär-Vater Lars gehört. Lars war 1999 von Neumünster nach Berlin ausgeliehen worden. Am 5. Dezember 2006 wurde Knut im Zoologischen Garten der Hauptstadt geboren. Es war das erste Eisbärenbaby seit 33 Jahren, das in Berlin auf die Welt kam.
Berlins Zoo-Direktor Blaszkiewitz hatte am vergangenen Sonntag bei der Gala-Premiere des Films "Knut und seine Freunde" die Rechte des Zoos Neumünster grundsätzlich bestätigt. Blaszkiewitz hatte aber darauf verwiesen, es gebe keine Chance, dass Knut nach Neumünster komme, da dort schon eine Eisbärengruppe mit einem Männchen lebe. Auf mögliche Ausgleichszahlungen war Blaszkiewitz nicht eingegangen.
Der Berliner Zoo-Chef hatte die Einnahmen dank der Beliebtheit von Knut aus Ticket- und Werbeerlösen im Jahr 2007 auf rund fünf Millionen Euro beziffert. "Das ist eine Dimension, von der auch wir ausgehen", sagte Drüwa. Der Zoo-Chef von Neumünster nannte aber nicht die Höhe seiner Forderungen.
Eisbär Knut war von Mutter Tosca am 5. Dezember 2006 im Zoo Berlin geboren worden, ein Zwilling starb nach vier Tagen.
Tosca nahm ihren Nachwuchs nicht an. Tierpfleger Thomas Dörflein kümmerte sich Tag und Nacht um Knut und brachte ihn per Handaufzucht durch. Die Bilder gingen um die Welt und machten Knut und seinen Ziehvater berühmt. Bis jetzt haben fast drei Millionen Menschen den Eisbär-Liebling besucht. Knut wurde in vielfältiger Form vermarktet, so erscheint sein Bild im April auf einer Sonder-Briefmarke.
Heute startet der erste Kino-Film über Knuts Aufwachsen deutschlandweit mit 150 Kopien. Darin wird auch das Schicksal von drei Bärenkindern in der Arktis und zwei Braunbärenbabys in Weißrussland beleuchtet.
dek/ddp/dpa