Pontifex-Festung Schweizer Garde rüstet auf
Zehn muskulöse Männer in schwarzen Anzügen versuchen mit dem Wagen Schritt zu halten. Das offene Papamobil schiebt sich langsam durch die Schneise in der Menge der jubelnden Pilger. Benedikt XVI. winkt und grüßt die Gläubigen, 30.000 sind gekommen, um ihn zu begrüßen, nachdem er von seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Vatikan zurückgekehrt ist. Doch die Anspannung der Sicherheitsexperten ist spürbar: Was kommt als nächstes?
Seit Wochen kommen der Papst und der Vatikan nicht aus den Schlagzeilen. Zunächst verursachte Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch vor drei Wochen einen Flächenbrand in den islamischen Staaten, als er in einer Rede einen mittelalterlichen Kaiser zitierte, der den Islam kritisiert hatte. Trotz seiner öffentlichen Entschuldigung haben ihm viele noch nicht vollständig verziehen darunter auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
Terror-Warnungen begleiten Türkei-Reise
Am vergangenen Dienstag dann entführte ein 28-jähriger Türke eine Passagiermaschine und zwang sie zur Landung in Italien. Er bat um politisches Asyl und Kontakt zum Papst, um einer Haftstrafe in seiner Heimat zu entgehen. Nach Angaben des italienischen Innenministers, Giuliano Amato, hatte er jedoch keine schriftliche Nachricht bei sich. Er wollte seine Botschaft offenbar mündlich vortragen, sagte Amato. Nach der Landung gab der Hijacker auf. Doch die Besorgnis bleibt.
Denn am 28. November will Benedikt XVI. zu seiner dreitägigen Türkei-Reise aufbrechen. Während der türkische Botschafter in Italien betont, dass alle Sicherheitsvorkehrungen für den Papstbesuch getroffen seien, verbreiten türkische Zeitungen bereits Warnungen des Terrornetzwerks al-Qaida an alle Muslime, die den Pontifex empfangen wollen. Zudem protestieren türkische Extremisten noch immer gegen die Papst-Äußerungen.
Doch Benedikt XVI. hält weiter an der Reise fest zu Recht, kommentieren nicht nur die italienischen Zeitungen dieser Tage. Der Papst sollte keine Angst haben, sagte am Mittwochnachmittag ein indischer Priester bei der Begrüßungsfeier des Papstes. Je mehr Angst man hat, desto größer ist die Gefahr.
jkr/AP/dpa