"Risikobär": Schweizer Jäger erschießen M13
Missglückte Umerziehung "Risikobär" in den Schweizer Bergen erlegt
Chur - Seine fehlende Menschenscheu ist einem jungen Braunbären im Schweizer Kanton Graubünden zum Verhängnis geworden. Jäger haben das Tier mit dem Codename M13 abgeschossen - im Auftrag der Bündner Behörden und des Bundesamts für Umwelt. M13 habe sich immer mehr zu einem "Risikobären" entwickelt, erklärten die Behörden. Der Abschuss am Dienstag im Puschlav-Tal sei daher unausweichlich gewesen.
Bereits im vergangenen Jahr war M13 als sogenannter Problembär eingestuft worden. Er plünderte Bienenhäuschen und riss eine Ziege in einem Gehege. Wildhüter konnten ihn im Frühjahr betäuben und ihm ein Halsband mit einem Peilsender umlegen.
Wie mehrere seiner Artgenossen - darunter der 2006 in Bayern erschossene Braunbär JJ1 mit dem Kosenamen Bruno - war M13 von Italien aus gen Norden gewandert. Im vergangenen Jahr und nun auch nach dem Ende seines Winterschlafs hatte er seine Nahrung immer wieder in Siedlungen gesucht. Dabei sei das etwa drei Jahre alte Tier Menschen am helllichten Tag gefolgt und habe trotz wiederholter Vergrämungsaktionen keinerlei Scheu mehr gezeigt, so die Behörden.
"Der Abschuss erfolgte eindeutig zu früh. Viel besser hätte man die Vergrämungsmaßnahmen intensiviert und fortgeführt", sagte dagegen WWF-Bärenexpertin Joanna Schoenenberger laut einem Bericht der Online-Ausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung" .
Schoenenberger hatte SPIEGEL ONLINE im vergangenen Jahr erklärt, wie die Erziehung eines problematischen Braunbären funktionieren kann: "Die Wildhüter müssen schnell sein. Wenn der Bär sich einem Dorf oder einer Futterquelle nähert, müssen sie dorthin und ihm sogenannte Bärenmunition, eine Art Platzpatrone, auf das Fell schießen. Das ist nicht schön, aber immer noch zu seinem Besten. Das Wichtigste ist: Der Bär muss die Nähe von Menschen und deren Futterquellen als bedrohlich empfinden. Nur so lernt er fernzubleiben."
In der Schweiz - ebenfalls in Graubünden - war 2008 zum ersten Mal seit mehr als hundert Jahren ein Bär abgeschossen worden. Dieses Tier mit der Bezeichnung JJ3 war ein Bruder des 2006 in Bayern getöteten JJ1. Schweizer Experten gehen davon aus, dass beide Tiere ihr problematisches Verhalten von ihrer Mutter Jurka gelernt hatten. Jurka war der Abschuss allerdings erspart geblieben: Sie wurde seinerzeit in Italien eingefangen und in ein Gehege gebracht.