Teil II Die Geheimwaffe gegen Scientology
Hamburg - Tatsächlich ist es für Unternehmen schwierig, im breiten Psycho-Angebot zwischen harmlosen Anbietern und Scientology-Mitgliedern zu unterscheiden. Aus diesem Grund arbeitet die Hamburger Anti-Scientology-Crew eng mit den Handelskammern zusammen. Ihr Ziel: Der Wirtschaft zu helfen, sich vor den Infiltrationsversuchen der Scientologen zu schützen. Ein wichtiges Hilfsmittel ist dabei die so genannte Technologieerklärung, die Caberta und ihre Mannschaft entwickelt haben.
Darin müssen entweder Firmen oder aber Mitarbeiter und Seminarleiter erklären, dass sie die Technologien von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard ablehnen. "Für Scientologen eine echte Todsünde", erklärt Caberta. Die Leugnung Hubbards samt der von ihm propagierten Techniken werde als Schwerverbrechen angesehen, eine Unterzeichnung der Erklärung sei damit für Mitglieder nicht möglich. "Das funktioniert", berichtet Caberta nicht ohne Stolz in der Stimme. Ein wichtiges Einfallstor der Organisation werde so erheblich verkleinert. "Wir haben die damit ein Stück weit im Griff."
Und auch im Öffentlichen Dienst hat man inzwischen die Gefahr erkannt, die bei der Aus- und Weiterbildung lauert. Mit einer Schutzerklärung, die jeder Seminarleiter seit März dieses Jahres bundesweit für Schulungen im Staatsdienst unterschreiben muss, sollen Beamte vor der Ideologie der Scientologen geschützt werden - und mit ihnen der gesamte Öffentliche Dienst.
Scientologys Geheimdienst
Dass der Kampf gegen Scientology nicht ohne Folgen ist, hat Ursula Caberta am eigenen Leib erfahren. Seit Jahren werde sie vom Geheimdienst der Organisation bespitzelt. Anrufe bei Freunden und Bekannten oder gezielte Fragen bei Nachbarn seien jahrelang an der Tagesordnung gewesen, berichtet die Scientology-Gegnerin fast gelangweilt. "Für meinen Job muss man starke Nerven haben."
Vor dem Verwaltungsgericht des Saarlandes, das sich mit der Klage Scientologys gegen die Überwachung durch den saarländischen Verfassungsschutz befassen musste, hat ein Vertreter der Organisation die Verantwortung für eine "operative Maßnahme" gegen die Leiterin der Arbeitsgruppe abgelehnt. In ihrem Urteil vom 29. März 2001, mit dem die Klage abgewiesen wurde, stellte die Kammer jedoch fest, Scientology habe die Methoden zum Vorgehen gegenüber der Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe gerechtfertigt. Das Landesamt für Verfassungsschutz des Saarlandes formulierte deutlicher, was unter diesen Methoden zu verstehen ist, nämlich der "Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel".
Rücksichtloser Umgang mit Kritikern
Die "operative Maßnahme" gegenüber Caberta lässt Rückschlüsse auf die generelle Vorgehensweise der Organisation zu, die sich selbst gerne als Kirche oder Religionsgemeinschaft bezeichnet. Nach dem Urteil der saarländischen Richter, gegen das Scientology inzwischen Rechtsmittel eingelegt hat, kommt der Absolutheitsanspruch der Scientologen vor allem darin zum Ausdruck, dass gegenläufige oder andersartige Auffassungen eliminiert und totale Disziplin gefordert wird, vor allem aber auch im rücksichtlosen Umgang mit Kritikern.
Auch ein von der nordrhein-westfälischen Landesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten des Frankfurter Politikwissenschaftlers Hans-Gerd Jaschke kommt zu dem Schluss, dass Scientology "alle Merkmale einer totalitären Organisation und Weltanschauungsgemeinschaft" aufweist.
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Aus ihren zahlreichen Gesprächen mit Aussteigern weiß Caberta, was damit gemeint ist. Es wird gedroht, Druck ausgeübt, eingeschüchtert. Genau mit diesem Mittel versucht die Organisation zurzeit ihre profilierteste Widersacherin in Deutschland mundtot zu machen. Der Vorwurf gegen Caberta lautet auf Bestechlichkeit und Vorteilsnahme, der Psycho-Konzern stellte deshalb Strafanzeige. Inzwischen ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit. Scientology behauptet, bei einem Besuch in den USA habe die Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe von dem amerikanischen Geschäftsmann und bekannten Scientology-Gegner Bob Minton Geld angenommen. Caberta, die sich bis zum Abschluss der Ermittlungen nicht näher zu den Vorwürfen äußern will, sieht diese neuen Angriffe gegen sie als Teil der Gesamtstrategie Scientologys, unliebsame Kritiker zu torpedieren. Dazu gehöre auch eine Scientology-Petition bei der Hamburger Bürgerschaft mit dem Ziel, sie aus dem Amt zu entfernen.
Auch davon zeigt sich Caberta unbeeindruckt. Um gegen die Maßnahmen der Organisation vorgehen zu können, fordert sie für Deutschland gesetzliche Regelungen - ähnlich dem im Juni in Frankreich verabschiedeten so genannten Anti-Sektengesetz. "Psychische Körperverletzung muss auch bei uns strafrechtlich geahndet werden können", verlangt Caberta. Und: "Verantwortliche übergeordnete Organisationen sollen endlich für die Taten ihrer Mitglieder zur Verantwortung gezogen werden können."