Trauer: Die schwere Reise nach Überlingen - DER SPIEGEL
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Trauer Die schwere Reise nach Überlingen

Gut zwei Tage nach der Flugzeugkatastrophe am Bodensee sind etwa 140 Hinterbliebene der Opfer in Friedrichshafen eingetroffen. Noch ist unklar, ob sie die Toten sehen werden.
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Hamburg - Unter den Passagieren, die aus Ufa im Ural am Bodensee eingetroffen sind, ist Batir Chismatullin. Er hat seine 15 Jahre alte Tochter Lenara verloren. In seiner Hand hält der Mann sorgfältig in Zeitungspapier eingewickelte Blumen und Pflanzen. Er hat sie aus seinem Garten mitgebracht. Es sind ganz besondere Blumen: Seine Tochter hat sie selbst im Garten angepflanzt. Nun will er sie an der Absturzstelle einsetzen.

In sieben Bussen sollen die Hinterbliebenen von Friedrichshafen nach Überlingen gebracht werden. Dort stehen 30 Dolmetscher und 30 Experten für die seelische Betreuung für sie bereit. Auch an Bord der Tu-154 der Fluglinie Bashkirian Airlines befanden sich sechs Ärzte, darunter auch Psychiater, die sich um die Angehörigen kümmerten.

Die Mehrzahl der bisher geborgenen 67 Leichen sind in einem alten Bergwerkstollen in Goldbach bei Überlingen aufgebahrt. Die kühlen Temperaturen in dem Stollen sollen die Körper vor der schnellen Verwesung bewahren. Der Stollen wurde im Zweiten Weltkrieg von Zwangsarbeitern gegraben und ist heute eine Gedenkstätte.

Noch ist offen, ob die Hinterbliebenen in den Stollen gehen werden. Viele Opfer sind fürchterlich entstellt, einige Körper wurden bei dem Absturz in Teile gerissen. Den Anblick der Toten, darunter 45 Schulkinder, wollen die Behörden den Angehörigen daher möglichst ersparen. Sie waren gebeten worden, zur Identifizierung ihrer Familienangehörigen Fotos oder ärztliche Unterlagen mitzubringen. Mit Hilfe dieser Dokumente und persönlicher Gegenstände sowie DNS-Analysen soll die Identität der Toten bestimmt werden.

In welcher Form die Familienmitglieder Abschied von den Toten nehmen werden, war zunächst nicht genau bekannt. Nach Polizeiangaben sollen sie abgeschirmt trauern können. Im Gespräch seien unter anderem eine Gedenkfeier unter Ausschluss der Öffentlichkeit sowie ein Besuch einer der Absturzstellen der verunglückten Tupolew.

Inzwischen hat die Polizei 67 der vermutlich 71 Todesopfer geborgen. In der Nacht zum Donnerstag hatten Polizisten und Hilfskräfte ein größeres Wrackteil der verunglückten russischen Tupolew-Passagiermaschine zerlegt und dort zahlreiche Leichen geborgen, sagte ein Polizeisprecher in Friedrichshafen. Die Bergungskräfte hätten bei Scheinwerferlicht bis kurz nach Mitternacht gearbeitet, danach sei die Suche nach den restlichen Opfern bis zum Morgen eingestellt worden.

Im Laufe des Donnerstags werde das weitläufige Absturzgebiet von mehreren hundert Polizisten und Hilfskräften weiter abgesucht.