Waris Dirie - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Waris Dirie

Die Bestsellerautorin ("Wüstenblume") über ihren ersten Besuch in Somalia seit ihrer Flucht vor 20 Jahren
• aus DER SPIEGEL 11/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Warum sind Sie erst jetzt heimgekehrt?

Dirie: Die politische Situation hat es nicht erlaubt. Die Uno, Freunde und Fluggesellschaften, alle haben mich gewarnt.

SPIEGEL: Über die Erfahrungen Ihrer zehntägigen Reise haben Sie ein sehr spannendes Buch geschrieben: »Nomadentochter«. Was wusste Ihre Familie über Ihr Leben seit Ihrer Flucht?

Dirie: Nichts. Sie hatten keine Ahnung, dass mein Gesicht weltweit die Titelseiten schmückte. Sie können das auch nicht verstehen, weil sie mit Schönheitsidealen nichts anfangen können. Meine Mutter hatte bis zu meinem Besuch noch nie ihr Spiegelbild gesehen. Auch wussten sie nichts von meinem jahrelangen Kampf gegen die Genitalverstümmelung von Frauen.

SPIEGEL: Sie selbst wurden als Kind nach dem Willen Ihrer Eltern mit Glasscherben beschnitten. Verspürten Sie beim Wiedersehen auch Wut?

Dirie: Ja und nein. Ich wollte meine Eltern sehen und umarmen, nicht anklagen. Natürlich ist es schlimm, dass die Mädchen dort diese Folter immer noch erdulden müssen. Ein somalisches Dorf ist wie eine Schildkröte, die einen sogar dann noch ignoriert, wenn man sie mit einem Stock pikst. Was hätte ich also in ein paar Tagen verändern können?

SPIEGEL: Kamen Erinnerungen an Ihre Kindheit zurück?

Dirie: Nichts Konkretes. Aber die Gerüche, das Gackern der Hühner, das Schreien der Babys, der kräftige Mond und der Duft von Holzrauch und nassen Grasmatten im Dorf - ich spürte, wie afrikanisch ich bin, und war sehr glücklich darüber.

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