William Salzman - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: William Salzman

Der 50-jährige Schuldirektor über seine Schule für homosexuelle Kinder
• aus DER SPIEGEL 39/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Gerade wurde in New York die Harvey Milk High School eröffnet. Warum braucht die Welt eine solche Schule für schwule und lesbische Kinder?

Salzman: Damit sich diese Kinder endlich sicher fühlen können. In den USA sind schwule Schüler dreimal so stark selbstmordgefährdet wie ihre Hetero-Klassenkameraden. Das reicht uns als Existenzberechtigung für diese Schule. Kinder können ihre Talente nur entfalten, wenn sie sich frei von Druck fühlen.

SPIEGEL: Können Kinder denn schon sicher wissen, dass sie homosexuell sind und nicht nur eine vorübergehende Neigung aus Neugier verspüren?

Salzman: Unsere Schüler sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Sie können nur mit dem Einverständnis ihrer Eltern zu uns kommen, und ich weiß, dass sich alle Beteiligten den Schritt gut überlegen. Sollte der eine oder andere Schüler dennoch erkennen, dass sein Schwulsein nur eine Phase gewesen ist, kann er ja wieder gehen. Wir erziehen niemanden zum Homosexuellen.

SPIEGEL: Was lernt man an einer Schule für Homosexuelle?

Salzman: Den ganz normalen Unterrichtsstoff, es gibt ja keine besondere Mathematik für Schwule. Unser Lehrplan unterscheidet sich nicht von dem anderer High Schools, auch nicht im Sexualkundeunterricht. Anders ist nur, dass bei uns keiner wegen seiner sexuellen Neigung physisch oder psychisch belästigt wird.

SPIEGEL: Fördert Ihre Schule nicht die Isolation dieser Jugendlichen?

Salzman: Nein. Meine Schüler fühlen sich nicht schlechter als die einer katholischen oder jüdischen Einrichtung. Nicht das Bekenntnis zu Homosexualität macht den Betroffenen Angst, sondern der Zwang, sie verheimlichen zu müssen. Das erst isoliert sie von der Gesellschaft.

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