WM-Halbfinale: Politiker fordern fußballfrei - DER SPIEGEL
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WM-Halbfinale Politiker fordern fußballfrei

Politiker aller Parteien sind sich ausnahmsweise einig. Sie fordern ernsthaft, Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern ermöglichen, das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Südkorea im Fernsehen verfolgen zu können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Die Fußball-Fans wollen weiter mitfiebern. Und die Arbeitgeber sollten sich ein Herz nehmen und das ermöglichen - wo immer es geht", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) der "Bild am Sonntag". Das Semifinale wird am Dienstag um 13.30 Uhr (MESZ) in Seoul angepfiffen, die ARD überträgt.

Auch die CDU sprang auf den "fußballfreien" Zug auf. "Deutschland ist schließlich nicht alle Tage im Halbfinale einer WM. Ich würde mir wünschen, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer flexible Möglichkeiten finden, damit möglichst viele das Halbfinalspiel sehen können", forderte Generalsekretär Laurenz Meyer. Ähnlich äußerte sich der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle: "Die Arbeitgeber sollten als Leistungsprämie fußballfrei geben oder die Arbeitsabläufe so organisieren, dass eine möglichst große Zahl von Mitarbeitern das Spiel live erleben kann." CDU-Vize-Chef Christian Wulff sagte, gemeinsam Fußball zu gucken, sei "auch eine Form der Mitarbeitermotivation".

Mehrere deutsche Großunternehmen geben ihren Mitarbeitern für das Halbfinale am Dienstag ohnehin frei. Allianz-Sprecher Oliver Santen sagte der "Bild am Sonntag": "Wegen der großen Nachfrage stehen mehrere Konferenzräume zur Verfügung." Auch bei Ikea können Mitarbeiter das Spiel verfolgen. Dazu hat das Möbelhaus mehrere Fernseher in seinen Filialen aufgestellt.

Der ADAC beweist ebenfalls Fußball-Toleranz: "Bei uns kann sich jeder ausstempeln und Fußball gucken. Rund um die ADAC-Zentrale in München sind jede Menge Biergärten", so Sprecher Peter Hemschick, der aber einschränkt: "Natürlich können nicht alle frei machen, denn Autopannen gibt es auch während der WM."

Anders verhält sich die Autobranche. VW gibt seinen Arbeitern in Wolfsburg kein frei für das Halbfinale, da die Produktionsbänder nicht gestoppt werden können. Sprecher Fred Bärbock schlug vor: "Echte Fans, die das Spiel unbedingt sehen wollen, können versuchen, die Schicht mit einem Kollegen zu tauschen." Konkurrent DaimlerChrysler ist rigider. "Da wir die Produktion in unseren Werkshallen unmöglich unterbrechen können, sind wir überein gekommen, dass aus Solidarität mit den Kollegen auch in der Verwaltung nicht geguckt wird", sagte Sprecherin Silke Walters.

Auch die Deutsche Telekom verbietet seinen Mitarbeitern, während der Dienstzeit das Deutschland-Spiel zu sehen: "Wie sollen wir den Kunden denn klar machen, dass wir nicht zur Verfügung stehen, nur weil Fußball läuft?", sagte Sprecher Ulrich Lissek.

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