World Trade Center: Grauenvolle Suche auf Fresh Kills - DER SPIEGEL
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World Trade Center Grauenvolle Suche auf Fresh Kills

Die New Yorker Mülldeponie Fresh Kills auf Staten Island wurde erst vor kurzem geschlossen. Nun wird der größte Abfallhaufen der Welt noch größer werden. Auf ihm sind nicht nur Müllmänner zu Gange, sondern auch das FBI.
Von Alia Begisheva
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Die Trümmer des nach dem Terroranschlag vom 11. September eingestürzten World Trade Center werden auf die Mülldeponie Fresh Kills Landfill auf Staten Island vor Manhattan gebracht. Die Deponie war erst Ende März dieses Jahres geschlossen worden. Da aber Fresh Kills der einzige Ort ist, der groß genug ist für die geschätzten 450.000 bis 1,2 Millionen Tonnen Schutt, ist er wieder in Betrieb genommen worden. Bis jetzt wurden mehr als 100.000 Tonnen vom Ground Zero, wie die Amerikaner den Ort der Katastrophe nennen, abtransportiert.

Das Gelände auf Staten Island wird streng überwacht. Dort werden die Trümmerladungen von FBI-Mitarbeitern durchwühlt. Sie suchen nach all dem, was die Opfer zu identifizieren hilft - persönliche Sachen, Dokumente und Leichenteile. Die Ermittler hoffen auch Gegenstände aus den Flugzeugen zu finden, die ins WTC gerast sind, um Erkenntnisse über die Tat zu gewinnen. Nach Schätzungen von Experten werden die Arbeiten mindestens sechs Monate, aber eher ein Jahr dauern.

Zwölf Lkw, mit einer Plane bedeckt, überqueren pro Stunde die Verrazano Narrow Bridge - die vier Kilometer lange, jetzt für den Verkehr gesperrte Hängebrücke, die Staten Island und Brooklyn verbindet. Auch Fähren bringen die Trümmer auf die 150 Quadratkilometer große Insel etwa drei Kilometer südlich von Manhattan. Die Insel ist sonst ziemlich verschlafen und eher ländlich - ein beliebtes Ausflugsziel für stadtmüde Touristen. 800.000 Menschen leben auf Staten Island. Weil die Einwohner jahrelang gegen die größte Mülldeponie der Welt mit ihren giftigen Methan-Dämpfen protestiert hatten, ist Fresh Kills schließlich geschlossen worden.

1948 war die Mülldeponie eröffnet worden - seit 1991 war sie die einzige der Stadt New York. 13.000 Tonnen Müll pro Tag, rund um die Uhr, sechs Tage die Woche wurden dorthin gebracht. Nach ihrer Stilllegung sollte an dieser Stelle ein Biotop entstehen. New Yorker Müll wurde außerhalb der Stadt entsorgt - bis zum 11. September. Seit jenem Tag wächst der Schutthaufen stetig an, bisher um zehn Meter.

Bevor die Reste des WTC auf diesem Haufen landen, werden sie auf Plastikplanen ausgebreitet. 400 Menschen in weißen Anzügen und mit Mundschutz durchwühlen den Abraum mit Hacken, Rechen und Gartenschaufeln. Ihre Arbeit ist grauenvoll: Sie sind dabei, kleinste Körperteile zu bergen. Ganze tote Körper haben die Bergungstrupps bereits in Manhattan aus dem Schutt gezogen. Spürhunde werden eingesetzt. Die gefundenen Überreste werden fotografiert, in weiße Plastiktüten gelegt, nummeriert und in einem Kühltransporter wieder nach Manhattan zur Untersuchung gebracht. Bis jetzt waren es über 300 verschiedene Körperteile.

"Es ist eine grausame Arbeit", sagt Sergeant Ray Sheenan, "jemand muss sie aber machen." Er versuche "professionell zu sein" und nicht daran zu denken, dass es Menschenteile seien.

Angeblich sucht die Stadt New York auch nach anderen Entsorgungsstellen für die Reste des 1973 fertig gestellten WTC. Unter den Trümmern sind allein 200.000 Tonnen Stahl. Einige Stücke wiegen 25 Tonnen. Dafür reicht die Kapazität auf Fresh Kills nicht aus. Experten befürchten jetzt schon negative Folgen für die Umwelt von Staten Island.



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