Bericht für 2024 Zahl der Drogentoten in Deutschland leicht gesunken
Benutzte Spritze nahe dem U-Bahnhof Hallesches Tor in Berlin
Foto: Felix Zahn/ dpaDie Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im Jahr 2024 leicht gesunken, bleibt aber auf hohem Niveau. 2137 Frauen und Männer starben im vergangenen Jahr an den Folgen übermäßigen Drogenkonsums.
Das sind 90 Fälle weniger als im Vorjahr, wie der neue Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) in Berlin mitteilte. Besonders besorgniserregend sei ein Anstieg der Todesfälle bei jungen Konsumierenden unter 30 Jahren um 14 Prozent. »Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen«, sagte Streeck.
»Eine quasi pandemische Dynamik«
Einen sprunghaften Anstieg gab es demnach bei den Todesfällen in Zusammenhang mit synthetischen Opioiden. Den Anstieg bei künstlich hergestellten Opioiden führte der Mediziner auch auf das Opiumverbot der in Afghanistan herrschenden Taliban zurück, die die afghanischen Mohnfelder zerstören ließen. Opioide aus dem Labor traten demnach an deren Stelle.
»Wir erleben eine quasi pandemische Dynamik«, sagte Streeck. »Einzelne Ausbrüche, neue Substanzen, schnelle Verbreitung, lückenhafte Datenlage – und ein System, das zu träge ist, um rechtzeitig zu reagieren.« Streeck warnte: »Wenn wir nicht aufpassen, verschärft sich diese Entwicklung in wenigen Jahren zu einer Krise mit massiven gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen.«
Gefährlicher Drogenmix führt oft zum Tod
Die große Mehrheit der Drogenopfer war auch im vergangenen Jahr männlich, wie aus dem Bericht des Drogenbeauftragten der Bundesregierung hervorgeht. Nur 390 Personen, weniger als ein Fünftel, waren Frauen. Der Bericht wurde an diesem Montag offiziell vorgestellt, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) lagen die Zahlen vorab vor.
Das Durchschnittsalter lag demnach bei knapp 41 Jahren. In den meisten Fällen war es eine Kombination mehrerer Rauschgifte, die zum Tod führte – oft eine Mischung aus Kokain und Crack, Heroin und Cannabis. Aber auch psychoaktive Medikamente und Opiat-Substitute spielten eine erhebliche Rolle.
2023 hatte das Bundeskriminalamt 2227 Drogen-Todesfälle registriert. In den Jahren 2022 und vorher waren es indes deutlich weniger als 2000 Fälle. Seit 2022 erfolgt die Erhebung und bundesweite Auswertung der Rauschgifttodesursachen in Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt und dem IFT Institut für Therapieforschung München.
Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck hatte vor Veröffentlichung des Berichts gesagt, er wolle als Arzt und Wissenschaftler nicht »mit dem Zeigefinger mahnen«, sondern »helfen, aufklären und handeln«. Es müsse mehr dafür getan werden, dass Minderjährige gesund aufwachsen. Aufklärung, Prävention und Hilfe seien nötig, auch, weil Suchterkrankungen meist im Jugendalter entstünden. Streeck äußerte sich positiv über Drogenkonsumräume, die von Experten gefordert werden, weil sie Leben retten könnten. Solche Räume sehe er komplett unideologisch, so der Beauftragte.
Der aktuelle Weltdrogenbericht geht von 316 Millionen Drogenkonsumierenden weltweit aus – ein historischer Höchststand. In der EU haben beispielsweise 2024 rund 2,7 Millionen junge Erwachsene Kokain konsumiert. Durch neue Online- und Schmuggelkanäle steigt demnach die Verfügbarkeit gefährlicher Drogen.