Aaah! Wunderschön ...
Im Fernsehen war nicht davon die Rede, daß es beim Fernsehen krachte. Nur die Zeitungen berichteten vom Streit, der zwischen dem ARD-Chefredakteur Edmund Gruber und Redakteuren von »Tagesschau« und »Tagesthemen« wogte. Und auch eine Untersuchungskommission der ARD maß der Sache keine sonderliche Bedeutung bei: Der Streit sei durch nichts zu rechtfertigen.
Doch kaum war der faule Frieden verkündet, da fuhr der Teufel in die ARD. Letzte Woche veröffentlichte »Pardon«, das Hamburger Satireblatt mit dem Markenzeichen des höflichen Satans, den Wortlaut eines Telephongesprächs zwischen Friedrich Wilhelm Räuker, dem Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, und dessen persönlichen Referenten, Joachim Lampe. »Pardon": »Nun geht der Krach bei ''ARD aktuell'' hoffentlich erst richtig los.«
Der Wunsch wird wohl in Erfüllung gehen. Das Gespräch über Räukers Autotelephon war illegal abgehört, mitgeschnitten und veröffentlicht worden. Der NDR erwirkte eine gerichtliche Verfügung zur Beschlagnahme von »Pardon«. Doch als der Gerichtsvollzieher bei Verlag und Vertriebsfirma vorsprach, war, pardon, alles schon ausgeliefert: 116 000 Exemplare.
Unter die Leute kommt so, wie sich die Unionschristen in der ARD -- Räuker wie Lampe gehören der CDU an -- eine Rechtswende bei »Tagesschau« und »Tagesthemen« mit Hilfe Grubers, der der CSU »ahesteht, vorgestellt hatten. Wortlaut nach »Pardon": Räuker: » » Diese dumme Sau, die sollte schön die journalistische » Primadonna sein ...
Lampe: So ist es, ja.
» Räuker: Und sollte sagen, also wie kann man denn bloß, ei, ei » und pfui, pfui, und ich bitte um Hilfe.
Lampe: So isses, ja ...
» Räuker: ... und der Gruber hat nur mit unzulänglichen Mitteln » » den Herrscher aller Reußen spielen wollen, das ist doch der » Punkt. Wenn der das geschickt gemacht hätte, nicht? ...
Lampe: Dann wär'' er heute König.
» Räuker: Aaah! Wunderschön ... diese dumme Nudel! »
»Das ist so unglaublich«, fand »Pardon«-Chefredakteur Henning Venske, »daß man es öffentlich machen muß.« Ganz Teufelchen, entschied er eine »Rechtsgüterabwägung« (Venske) zuungunsten Räukers und dessen Gesprächspartners, S.276 des Hamburger CDU-Parlamentsabgeordneten Lampe.
Daß der zugleich Räukers persönlicher Referent ist, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände beim -- ohnehin proporzverseuchten -- öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und: »Zu welchem Ausmaß an Arschkriecherei ein gewählter Abgeordneter des Volkes fähig ist« -- das hat Venskes Entscheidung gegen das Fernmeldegeheimnis noch zusätzlich beflügelt.
»Ja, klar, war auch gut so«, lobte der Abgeordnete Lampe das Chefgebaren Räukers. »Ja. Ja. Völlig richtig.« -- Räuker: »... und wir machen den Redakteursausschuß so oder so hin.« Lampe: »So ist es.«
Was Räuker am Verhalten des ihm politisch nahestehenden Redaktionschefs Gruber empörte, war lediglich die Plumpheit, mit der er bei Tendenzeingriffen in die Fernsehnachrichten vorgegangen war -- etwa, wenn er die Erwähnung einer x-beliebigen Karstadt-Spende für SOS-Kinderdörfer verlangte oder verbot, die Neutronenbombe als »umstritten« zu bezeichnen (SPIEGEL 35/1981). Durch Grubers Übereifer sei, klagte der Intendant, »uns ein ganzes Konzept kaputtgegangen«.
Trotz eines Stillhalteabkommens mit Räuker polterte Gruber öffentlich gegen »Halbwahrheiten« und »verantwortungslosen Tendenzjournalismus« von Kollegen los, als sei das ARD-Fernsehvolk vor Grubers Amtsantritt ständig manipuliert worden.
Bekannt waren solche Thesen freilich auch schon von Christdemokrat Räuker. Der hatte, damals noch NDR-Fernsehdirektor, eine intellektuelle »Linksverdriftung« der Programmmacher geortet und behauptet, viele von ihnen seien dem »Opium für Intellektuelle« verfallen, dem Kommunismus.
Im Telephonat mit Lampe kamen seine Ressentiments wieder hoch. Räuker über mißliebige Redakteure: »Mischpoke.« Räuker über einen »Tagesschau«-Redakteur, »frei nach Hochhuth": »ein schrecklicher Richter«.
( Schriftsteller Rolf Hochhuth hatte 1978 ) ( den damaligen baden-württembergischen ) ( Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger ) ( (CDU) einen »furchtbaren Juristen« ) ( genannt, weil Filbinger als Richter ) ( oder Ankläger der deutschen ) ( Kriegsmarine an Todesurteilen gegen ) ( Soldaten mitgewirkt hatte. Filbinger ) ( wurde daraufhin gestürzt. )
»äuker über eine NDR-Moderatorin: »Was für''n schlimmer Finger.« » » Lampe: Die ist schlimm ... Räuker: ... eine kleine Hasserin, » die hat mich angeguckt''n paarmal.
Lampe: Die zitterte, bevor sie redete ...
Räuker: Ja.
Lampe: Die meldete sich ...
Räuker: Ja.
Lampe: Dann wurde die richtig flatterig ...
Räuker: Ja.
Lampe: Und dann kam die ganze Galle ''raus.
Räuker: Ja.
Lampe: Die war echt aufgeladen ...
Räuker: Das ist eine echte Giftnudel.
Lampe: So ist es.
» Räuker: Ich hab'' sie allerdings auch ziemlich schlecht » behandelt, glaub'' ich.
Lampe: Das war ja auch richtig.
Räuker: Auch richtig, ne?
» Lampe: Ja, völlig klar, dieses Schrapnell. »
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hatte früher einmal als eine Art moralische Anstalt der Nation gegolten, ein »Forum herrschaftsfreier Kommunikation«, so einer seiner Repräsentanten.
Heute aber beobachtet beispielsweise Hansjürgen Rosenbauer, Auslandschef beim Westdeutschen Rundfunk, zunehmend »journalistische Behinderungen« in den von Parteien und Politikern »weitgehend kontrollierten Medien« Hörfunk und Fernsehen.
So sei »ARD aktuell«-Chef Gruber, wie Rosenbauer kürzlich in einem Vortrag beim TV-Wettbewerb »Prix Italia« in Siena sagte, »nicht mehr Journalist, sondern er erfüllt einen ideologischen Auftrag, in diesem Fall den einer konservativen Partei, die ihn auf einen Posten befördert hat«.
Ungewollt hat Räuker die Redakteure von »Tagesschau« und »Tagesthemen«, Grubers Untergebene, politisch rehabilitiert. »Denn ein Teil«, so der NDR-Herr am Telephon, sei »gut zu halten, da gibt es gar keine Frage, Ideologen sind nur ein paar«.
Und wer wirklich das Sagen im Sender hat, haben sich die beiden Gesprächspartner zufrieden bescheinigt. In Wahrheit, so Lampe, hätten die Redakteure »die Hosen ja auch voll«.
Räuker: »Die haben die Hosen voll, jaja.«
S.274
Räuker: Diese dumme Sau, die sollte schön die journalistische
Primadonna sein ...
Lampe: So ist es, ja.
Räuker: Und sollte sagen, also wie kann man denn bloß, ei, ei und
pfui, pfui, und ich bitte um Hilfe.
Lampe: So isses, ja ...
Räuker: ... und der Gruber hat nur mit unzulänglichen Mitteln den
Herrscher aller Reußen spielen wollen, das ist doch der Punkt. Wenn
der das geschickt gemacht hätte, nicht? ...
Lampe: Dann wär'' er heute König.
Räuker: Aaah! Wunderschön ... diese dumme Nudel!
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S.276
Lampe: Die ist schlimm ... Räuker: ... eine kleine Hasserin, die hat
mich angeguckt''n paarmal.
Lampe: Die zitterte, bevor sie redete ...
Räuker: Ja.
Lampe: Die meldete sich ...
Räuker: Ja.
Lampe: Dann wurde die richtig flatterig ...
Räuker: Ja.
Lampe: Und dann kam die ganze Galle ''raus.
Räuker: Ja.
Lampe: Die war echt aufgeladen ...
Räuker: Das ist eine echte Giftnudel.
Lampe: So ist es.
Räuker: Ich hab'' sie allerdings auch ziemlich schlecht behandelt,
glaub'' ich.
Lampe: Das war ja auch richtig.
Räuker: Auch richtig, ne?
Lampe: Ja, völlig klar, dieses Schrapnell.
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S.276Schriftsteller Rolf Hochhuth hatte 1978 den damaligenbaden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger(CDU) einen »furchtbaren Juristen« genannt, weil Filbinger alsRichter oder Ankläger der deutschen Kriegsmarine an Todesurteilengegen Soldaten mitgewirkt hatte. Filbinger wurde daraufhingestürzt.*